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Examensarbeiten

"Gott heute neu erfahren."
Die biblische Gottesoffenbarung und die Suche nach einer situationsgerechten Verkündigung angesichts von Wissenschaftsgläubigkeit und religiöser Beliebigkeit

 

Eingereicht an der
Kirchlich - theologischen Fachschule
Missionshaus Malche e.V. Bad Freienwalde,
Januar 2001
Vorgelegt von: Gerd Krumbiegel
Für das Internet überarbeitet im August 2001

 

- Ich widme diese Arbeit meinen Eltern Evelin und Mathias
sowie meinem Bruder Ralf und seiner Frau Sabine,
und ebenso Benjamin Franke und meinem Mentor Kurt Morgenroth;
ihnen allen danke ich für ihre Unterstützung, gerade auf dem Weg meines Studiums. -

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitende Verständigung

 

1. Grundlegung
2. Rückblick auf den Wirkungskreis der Aufklärung und dessen Bedeutsamkeit für die heutige Theologie
   
2.1. Die Folgen der Aufklärung für den Gottesglauben
3. Die Zeichen der Zeit - eine Gegenwartsdarstellung

   
3.1. Der Atheismus
        3.1.1. Der theoretisch - argumentative Atheismus
        3.1.2. Der praktisch - stillschweigende Atheismus
    3.2. Die Religiösität des angehenden 21. Jahrhunderts
        3.2.1. Triumph von Individualität und religiöser Beliebigkeit
        3.2.3. Die Krise der Traditions- und Glaubensweitergabe
    3.3. Die postmoderne Gesellschaft
        3.3.1. Plurale Lebenswelt 
        3.3.2. Die Unübersichtlichkeit und Fragmentierung der Gesellschaft 
        3.3.3. Postmoderne Mediengesellschaft
4. Naturwissenschaft und Glaube

    4.1. Das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Theologie
    4.2. Ist Gott in der Welt?
5. Erfahrungsbezogener Glaube

   
5.1. Inwieweit ist Gott erfahrbar?
    5.2. Welche Bedeutsamkeit haben Glaubenserfahrungen nun noch?
    5.3. Die Spuren Gottes in der Welt
    5.4. Sagen zu können: "Ich glaube!" - ist ´verdientes´ Geschenk
    5.5. Spuren Gottes in der Gottverlassenheit
6. Die Suche nach einer situationsgerechten Verkündigung
   
6.1. Wonach fragt der Mensch?
    6.2. Die Satten sättigen?
    6.3. Evangelisation in Deutschland - ein sinnloses Unterfangen?
    6.4. Geschichten erzählen...

 

Ausblick
Literaturverzeichnis
Anmerkungen
Fußnoten

 

 Inhalt     Anfang   Ende


Abkürzungsverzeichnis

a.a.O. - am angegeben Ort
AT      - Altes Testament
Apg.    - Apostelgeschichte
bearb. - bearbeitet
bzw.    -  beziehungsweise

d.h.  - das heißt
Dtn. - Deutoronomium (5.Mose)
Hg.  - Herausgeber
Jh.   - Jahrhundert
Kor. - Korinther

Mtt. - Matthäus
NT   - Neues Testament
Petr. - Petrus
Phil.  - Philipper
Pred. - Prediger

Röm. - Römer
Sam.  - Samuel
usw.   - und so weiter
u.v.a.m. - und vieles andere mehr
z.B.    - zum Beispiel

 

Einleitende Verständigung

"Was reden wir hier überhaupt von Gott? Den gibt´s doch sowieso nicht." "Wo ist denn Gott, ich kann ihn nicht sehen."

Beide sinngemäß wiedergegebenen Aussagen stammen aus dem Religionsunterricht. Einmal von einer sechzehnjährigen Schülerin und der letzte Satz sogar von einem Erstklässler. Schon hieran wird deutlich, welche Breite die Frage nach Gott einnimmt. Beide Sätze enthalten die Grundfrage, die heute im Blick auf Gott laut wird: ´Gott, wo bist du?´ Hier kann von der ehrlichen und verzweifelten Suche bis hin zur Anklage oder gar zynischen Polemik alles mitschwingen. Freilich, nicht wenige Zeitgenossen stellen diese Frage gar nicht, sie haben die ´Sache mit Gott´ so weit ausgeblendet, dass sie sie bereits vergessen haben.

Es geht nun darum diese Anzeichen wahrzunehmen als die derzeitige Wirklichkeit. Wir leben in einer weltlich gewordenen Welt, aus der Gott zunehmend verdrängt wird, ja nicht einmal mehr gebraucht zu werden scheint. Hier hilft Jammern ebenso wenig weiter, wie der Rückzug ins idyllische Gärtlein privater Frömmigkeit. Es gilt die gegenwärtige Situation anzunehmen, wie sie ist, ohne sich aber mit dem abzufinden, was sich zum Guten verändern ließe. Wie das geschehen kann, soll in dieser Arbeit angedacht werden.

Dazu gehört es, ein Weiteres zu erkennen: Die Theologie und der christliche Glaube sind zu einer ausgesprochenen ´Inlandswährung´ geworden. Innerhalb kirchlichen Lebens ist die Bedeutung der großen Worte, Begriffe und Wahrheiten der Bibel noch verständlich. Außerhalb der Kirchenmauern kann man heute vielmals wenig mit dieser Währung anfangen, sie ist "...für die meisten Zeitgenossen zu Papiergeld geworden, das sie durch keine entsprechende Erfahrung mehr gedeckt sehen."[1] (Zahrnt)

Es ist in der Tat so, dass die Erfahrungen mit Gott recht spärlich sind, manchmal auch ganz auszubleiben scheinen. Wie von selbst stellt sich die Frage, ob, und wie Gott heute überhaupt noch erfahrbar ist.

Gerade in dieser Frage spiegelt sich die Dauerkrise des christlichen Glaubens wider.[2] Ja, beinahe unlösbar mutet die Aufgabe an, dem modernen und aufgeklärten Menschen unseren oft so leisen Gott nahe bringen zu wollen. Und wie soll das auch geschehen in unserer lauten Zeit, in der doch nur das handfest Nachprüfbare für wahr befunden wird? Erscheinen nicht auch die biblischen Geschichten und mit ihnen ihre tieferen Wahrheiten als ´kalter Kaffee´, angesichts beispielsweise eines spektakulären Psychothrillers? Und wen bitteschön interessiert denn heute, was vor vielleicht 4000 Jahren ein weißbärtiger Greis namens Abraham getrieben hat?

Schon dieser kurze Problemanriss macht die Schwierigkeiten, heute von Gott zu reden, geschweige denn ihn erfahren zu wollen, deutlich. Eben diesen Schwierigkeiten will sich die vorliegende Arbeit stellen:

Zuerst werden wir die Ursachen für unsere gegenwärtige Situation erhellen, indem wir den Wirkungskreis der Aufklärung untersuchen. Ein nächster Punkt wird eine Gegenwartsdarstellung sein. Denn die Zeitstimmung hat wesentlichen Einfluss darauf, in welcher Weise wir Gott heute erfahren. Weiterhin gilt es Ausschau zu halten nach gangbaren Wegen, auf denen Glaube zeitgemäß Gestalt gewinnen und Gott neu erlebt werden kann. Dabei schwingt die Frage mit, wie wir von Gott reden müssen, damit es den weltbezogenen Menschen wieder berührt.

Es ist klar, dass diese Themenbreite ganze Bücher füllen könnte, deshalb können wir einen Standpunkt hier nur skizzieren. Die vorliegende Arbeit will dabei keine Bedienungsanleitung sein, die bei Befolgung Erfahrungen mit Gott zusicherte. Vielmehr soll hier ein Ausschau - Halten nach Gott geschehen, an dem sich der Leser beteiligen kann. Deshalb ist der Grundtenor der folgenden Überlegungen zumeist auch die Wir- Form.

Und wenn Gott der ist, der spricht: "Von jetzt ab musst Du mich wieder anderswo erwarten."[3] (Rosenstock- Huessy), dann wollen wir uns auf den Weg machen...

 

 Inhalt     Anfang   Ende


 1. Grundlegung

Woran glauben wir? Genauer, worin besteht die biblische ´Gottesoffenbarung´? Dies sollte die allererste Frage sein, die wir uns zu stellen haben. Denn bevor wir Ausschau halten können nach Erfahrungen mit Gott, müssen wir wissen, von welchem Gott hier eigentlich die Rede ist und welchen Inhalts der Glaube ist, den wir christlich nennen.

 

Die Bedeutsamkeit des (persönlichen) Credos:

Es ist schon im Ansatz vermessen, wenn ich meinte, hier eine umfassende Darstellung davon bieten zu können, woran wir als Christen glauben. Einzelne Menschen haben ihr Leben darauf verwandt dies in Worte zu fassen und ganze Generationen haben darum gerungen. Was häufig blieb war die Einsicht, dass man den unverfügbaren Gott, salopp gesagt, eben nicht ´in Sack und Tüten´ bekommt. Und dass gerade jede noch so differenzierte Darstellung ´die Sache mit Gott´ weniger erfasst, als viel eher zerredet. Selbst auf die Bibel ist Gott nicht zu beschränken, sie ist Gottes Wort, zugleich aber auch Menschenwort. Wir haben Gottes unfassbare Worte immer nur im ´Sacktuch´ menschlicher Sprache.

Um aber dennoch aussagen zu können woran man glaubte, prägten Juden und später auch die Christen Bekenntnisse.[A] Diese Glaubenssätze enthielten kurz und knapp das Grundlegende ihres Gottesglaubens.

Nun sind wir an der Reihe! Nicht indem wir die alten Bekenntnisse nur wiederholten oder nachbeteten, dann wären sie bestenfalls eine Art Gedicht. Nein, es gilt sie uns anzueignen. Dies tun wir, wenn wir im Blick auf die alten Bekenntnisse und im Blick auf unser (Er)Leben unseren Glauben in eigene Worte fassen. Wenn keine der beiden Blickrichtungen fehlt, resultiert daraus ein überzeugenderes Christsein, das weiß woran es sich festmacht und dabei die gegenwärtige Wirklichkeit nicht ausblendet.

Bekennen setzt Erkennen voraus, so dass das Bemühen um ein eigenes Bekenntnis nie ganz fertig wird. Mit der sich verändernden Welt und durch neugewonnene Erfahrungen sind wir auf den Weg gesetzt, unseren Glauben weiter zu vertiefen. Dieser Mühe darf sich niemand entziehen, dem daran gelegen ist, Gott in unserer Welt zur Sprache zu bringen.

Ohne das Wagnis eigenen Bekennens und das Wagnis eigener Überzeugung, hätte alles Nachdenken darüber, wie wir vor anderen von Gott reden sollten keinerlei Sinn! Die Grundvoraussetzung dafür, andere einzuladen mit Gott Erfahrungen zu sammeln, ist eigener Glaube, der auf einer Grundentscheidung beruht. Mit dieser Einstellung ist nicht gesagt, dass wir nicht zweifeln dürften. Paul Tillich spricht zurecht von der "Rechtfertigung des Zweiflers", weil dieser nichts mehr vorzuweisen habe, vielmehr sich ganz auf Gott verlassen muss. Gerade darin, in seinem ´Ganz- Auf- Gott- Geworfen- Sein´, wird ihn Gott annehmen (2.Kor.12,9).[4]

Für das weitere Arbeiten ist es nun nötig, in aller Kürze mit Inhalt zu füllen, woran Christen glauben. Ich tue dies zwar in der Wir- Form, aber mit meinen Worten und riskiere damit "einen Stand in der Luft"[5], weil dieser Versuch gut schief gehen kann. Aber ich bleibe zumindest nicht hinter meiner obigen Forderung zurück:

Wir halten fest an dem einen, lebendigen, Gott, der sich uns durch das Zeugnis der Bibel kundmachen will. Dort wird er als allmächtiger Schöpfer des Himmels und der Erde bezeichnet, der auch den Menschen als sein Gegenüber geschaffen hat. Bis heute erhält und trägt er diese Welt und begleitet den Menschen durch die Geschichte hindurch. Gott erwies sich dabei als der, der den Unterdrückten Freiheit schenkt und Partei ergreift für die Schwachen (Exodus). Dabei bietet Gott dem Menschen an, sein Bundespartner zu sein und Leben mit ihm zu gestalten. Der Mensch jedoch wandte und wendet sich immer wieder von Gott ab, aber weil Gott ihn liebt, ging er ihm nach und suchte ihn (Gen.3,9). Er ging dabei so weit, dass er selbst Mensch wurde. Durch Jesus, kam Gott in die Welt und wurde ganz neu erfahrbar. Jesus lebte in enger Beziehung mit Gott, dem Vater, und wies uns damit den Weg. Trotzdem starb Jesus für uns am Kreuz, und unsere Schuld und Trennung von Gott starb mit ihm. Gott aber erklärte Jesu Leben für gültig, so dass Jesus nicht tot blieb, sondern lebt. Von nun an steht die Beziehung zu Gott allen offen und wer ihm vertraut wird auch mit ihm leben.  Mit Jesus kam auch ein neuer Geist in diese Welt, der Menschen verändert und ihnen dabei hilft in den Fußtapfen Jesu zu gehen.

Wie schon gesagt, habe ich hier eine Auswahl getroffen, um einerseits die Übersicht zu bewahren und andererseits Nachvollziehbarkeit für den fragenden Zeitgenossen zu ermöglichen.

Nun ist es noch hilfreich den Begriff ´Glauben´ für das weitere Arbeiten kurz zu verdeutlichen: Mit ´glauben´ ist nicht ein Für - Wahr - Halten von Unbeweisbarem gemeint, sondern das, woran ich mich festmache, worauf ich mein Lebensvertrauen gründe. Christlicher Glaube heißt somit, sich in Gott, wie ihn die Bibel bezeugt, festzumachen und in dieser vertrauenden Beziehung Leben zu gestalten.

 

 Inhalt     Anfang   Ende


 2. Rückblick auf den Wirkungskreis der Aufklärung und dessen Bedeutsamkeit für die heutige Theologie

Als ´Aufklärung´ bezeichnen wir eine Epoche europäischer Geschichte zwischen 1650 und 1800.[6] Ihre Impulse erhielt die Aufklärung nach den Religionskriegen durch den Aufschwung der Naturwissenschaften, die Entdeckung ferner Kontinente und die Erweiterung des Geschichtskreises.[7] Unter dem Anspruch von Toleranz und Vernunft versuchten die ´freien Denker´ dieser Zeit die Vorherrschaft von Theologie und Kirche abzustreifen.

So beantwortet Immanuel Kant die Frage, was Aufklärung sei, so: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ... Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."[8]

So klärt sich mit der Aufklärung tatsächlich etwas auf, der Mensch beginnt mit ganz neuer Intensität zu fragen und zu forschen. Die verdunkelnde Decke des Mittelalters, die nicht zuletzt die Kirche mit ihren ´unumstößlichen´ Dogmen festhielt, wurde gelüftet. Die Folge dessen war aber nicht nur die Freiheit des Menschen, sondern auch die voranschreitende Verdrängung Gottes. Bereiche wie Staat, Wirtschaft und Wissenschaft verselbständigten sich zunehmend und bildeten sich ihr eigenes Weltbild, ihren eigenen Horizont.[9]

Schließlich brachte die Zeit der Aufklärung die Voraussetzung für die ´Gott ist tot´ - Erklärung in Nietzsches (1844-1900) ´fröhlicher Wissenschaft´.[10] Wenn diese Erklärung auch in sich unlogisch ist, so gibt sie doch etwas Richtiges wieder, nämlich das Absterben menschlicher Erfahrung mit Gott und die menschliche Empfindung seiner Abwesenheit.[11]

So lebt der ´mündige´ Mensch heute zunehmend weltbezogen, ohne von der Frage nach Gott berührt, geschweige denn beunruhigt zu sein.[12] Trotzdem können wir die Folgen der Aufklärung ebenso als eine Chance begreifen und ihre positiven Momente herausarbeiten. Wir Christen brauchen in der heutigen Gesellschaft keineswegs den Rückzug ins ´Ghetto´ anzutreten,[13] wir leben vielmehr in dieser heutigen Wirklichkeit und wollen daher versuchen sie unserem Glauben gemäß mit zu gestalten.

 

 Inhalt     Anfang   Ende


2.1. Die Folgen der Aufklärung für den Gottesglauben:

Die Aufklärung setzte gleichsam eine Zange gegen den Glauben an Gott an, eine Zange deren Wirkung sich freilich erst heute vollends entfaltet.[14] Einmal geschah dies durch einen direkten Angriff auf Gott durch die Leugnung seiner Existenz. Wirksamer jedoch, war die andere Seite, die eigentlich nicht den Gottesglauben an sich angriff, sondern die Verhältnisse der Natur und Geschichte mit dem menschlichen Verstand durchdrang.[15] Auf diese Weise wurde Gott Boden in dieser Welt entzogen. Gleichzeitig erfuhr der christliche Glaube aber auch eine Reinigung von falschen Gottesvorstellungen, und so leistet die Aufklärung einiges dafür, dass Gott heute neu erfahren werden kann.

 

a) Der Mensch ist aktiv dabei

Der Mensch war infolge der ´kopernikanischen Wende´ ganz neu in den Mittelpunkt getreten.[16] Er war es nun, der über Wahrheit und Unwahrheit zu entscheiden hatte. Und so trat an die Stelle einfacher Hinnahme von Glaubensaussagen die kritisch - zweifelnde Reflexion. Aber gerade damit trat der Mensch auch in Beziehung zu der geprüften Wahrheit. Von nun an weiß der Mensch und auch der Christ woran er glaubt.[17] Glaube kann nicht länger einfach nur übernommen, sondern muss errungen werden.

 

b) Der Mensch sieht klarer

Die Durchdringung der natürlichen und geschichtlichen Zusammenhänge mit der menschlichen Erkenntnis, verdrängte Gott aus der Welt. Hatte man sein Walten hinter all dem Unerklärlichen gesehen, so konnte man nun vieles rational erklären. Diese Verweltlichung der Welt führte zu einem beträchtlichen Schwund an Gottesgewissheit.

Aber war es wirklich Gott, der hier an Boden verlor? Viel eher wurde hier das Bild eines ´Lückenbüßers´ verdrängt, der als Erklärung für Unerklärliches herhalten musste.

 

c) Der Mensch in der einen Wirklichkeit

Mit dem wissenschaftlichen Forschen änderte sich auch die Sicht der Wirklichkeit, man unterteilte nicht länger in Diesseits und Jenseits. Dieser Wendung ins Diesseitige ist darin recht zu geben, dass der Mensch nicht versuchen soll sich ins Jenseitige aufzuschwingen. Die Begegnung mit Gott hat sich mitten im Leben zu ereignen! Das Leben ist jetzt nicht mehr in Andacht und Alltag zu unterteilen, höchstens in Stille und Betriebsamkeit, die aber beide Teil der einen, von Gott durchwalteten Wirklichkeit sind. "Vorbei ist es mit jedem ´Hinterweltlertum´. Auf dem Boden dieser Erde hat sich Gott als wahr zu erweisen - ein Verweis auf die Ewigkeit nützt da gar nichts."[19]

 

d) Eine ehrenhafte Sache

Der Mensch nimmt nicht länger eine Wahrheit - auch nicht die christliche - nur noch hin, weil diese eben tradiert wurde oder Autorität beansprucht. Damit sind nun auch der Glaube an Gott und die Wahrheit der biblischen Offenbarung keine selbstverständlich anerkannten Setzungen mehr. Aber eben damit wird Gott geehrt, denn wer jetzt noch nach ihm fragt, dem geht es wirklich um Gott. Und es erhöht zugleich die Würde des Menschen, seine Hingabe an Gott geschieht nun nach verantwortlicher Suche, ohne Zwang; sie erhält dadurch größere Anziehungskraft nach außen.

 

e) Gott der ganz andere

Kritische Soziologen deckten auf, wo Gott von Obrigkeit und auch vom einzelnen je nach (Macht)Interessen in ein Bild gepresst und damit zum Götzen gemacht wurde.[20] (Der Bauer sah Gott als Wettergott, der Soldat als Herr der Heerscharen, und das Volk wurde mit Röm. 13 zur Treue gegenüber dem Staat angehalten.) Was wurde nicht alles für Gott gehalten bzw. als von ihm verordnet angesehen? In dieser Aufdeckung liegt Heilsames, Gott wird wieder als der erkannt, der er ist. Er ist nicht unseren Bedürfnissen unterzuordnen, sondern er ist der, der sich jeder Verfügbarkeit entzieht. Gott ist Gott.[21]

 

f) Leben mit Blick auf den Kommenden

Mit der Verweltlichung, dem Verlust des Jenseits und der Autoritäts- und Traditionskrise richtete der Mensch seinen Blick nicht mehr auf Gott und suchte auch seine Orientierung nicht länger in der Vergangenheit. Vielmehr richtet er seinen Blick in die Zukunft, auf den Fortschritt, die Mach- und Planbarkeit der Welt. Aber: "Je mehr es dem Menschen gelingt, sich der Welt zu bemächtigen, desto mehr breitet sich das Bewusstsein der Abwesenheit Gottes in der Welt aus, und umgekehrt..." (Zahrnt).[22]

Selbst diese problematische Entwicklung enthält für die Theologie, die den Hang dazu hat, die Gegenwart über die ehrfürchtige Betrachtung ihrer Geschichte zu vergessen, eine Kurskorrektur. Zukunft ist das, was auf einen zukommt. In dieser vorwärtsgerichteten Blickrichtung schwingt also das urchristliche Moment der Erwartung des auf uns zu kommenden Herrn mit. Dies neu zu hören, kann helfen kirchlicher Erstarrung zu wehren.

Es kann sich hiermit ein ganz neues Christsein begründen. Wenn wir heute noch nach Gott fragen und an ihn glauben, dann braucht das nicht mehr als Mittel zum Zweck geschehen (um z.B.: einen Lebenssinn, ewiges Leben, ein ruhiges Gewissen... zu haben), und auch nicht, weil es ganz offensichtlich und logisch wäre - das ist es nämlich nicht. Wenn wir nach Gott fragen, dann freiwillig und weil uns die Frage nach ihm ergriffen hat. Mit der Frage und der Suche nach Gott ist der Theologie, will sie lebendig bleiben, ihre unaufgebbare Mitte gesetzt. Damit geschieht Konzentration auf das Eigentliche. Solches Ringen der Theologie wird Anerkennung finden, denn es erscheint einleuchtend und reagiert auf die vielgestellte Frage: ´Gott, wo bist du?´ bzw. ´Existiert Gott?´ und damit auf die innere Unsicherheit vieler Menschen. Allein schon dieses unkomplizierte und nachvollziehbare Betreiben der Theologie würde Gott Ehre machen. Die Menschen sollen sich nicht länger vom Glauben abwenden, weil in der Kirche Fragen beantwortet werden, die keiner gestellt hat. Vielmehr muss die Theologie zum Anwalt der Menschen werden, indem sie deren ureigenste Fragen verhandelt.[23]

 

 Inhalt     Anfang   Ende


3. Die Zeichen der Zeit - eine Gegenwartsdarstellung

"Die gegenwärtige, jedoch schon lange andauernde Situation des Christentums lässt sich mit einem Satz der Bibel kurz so beschreiben: ´Zu der Zeit war des Herrn Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung - die Lampe Gottes aber war noch nicht erloschen.´(1.Samuelis 3)".[24] Zahrnt sieht die nicht nur von ihm wahrgenommene ´Dauerkrise des Christentums´, zu allererst im Schwund lebendiger Gottesgewissheit begründet.[25] Diese fehlende Gottesgewissheit legt er jedoch nicht einseitig der Kirche zur Last, sondern genauso der ´geistig - seelischen Gesamtverfassung unserer Zeit´.[26] Eben diese Zeitstimmung soll, da sie den Kontext aller Gotteserfahrung wesentlich prägt, hier skizziert werden. Ich beginne dabei mit dem Blick auf die Einzelgebiete Atheismus und Religiosität, weil sie grundlegend für die Gestalt heutiger Gesellschaft sind.

 

 3.1. Der Atheismus

3.1.1. Der theoretisch - argumentative Atheismus:

Wir haben schon gesehen, dass die ´Tod - Gottes - Erklärung´ ein geistesgeschichtliches Ereignis mit umwälzenden Folgen war. Seit der Aufklärung gilt zunehmend die Wissenschaft als einzig verlässliche Informationsquelle, wenn es darum geht, was wahr ist.[27] Und zunehmend wurden aus ihr die Argumente gegen die Existenz Gottes abgeleitet.

Der Psychoanalytiker Sigmund Freud z.B., versteht die Religion als den Wunsch des Kindes im Erwachsenen nach einer Vaterfigur;[28] und Feuerbach, sieht den Gottesglauben mehr als eine Projektion menschlicher Sehnsucht nach Leben.[29] Aber auch im Namen der Vernunft (Diderot/ Russel...), der Freiheit (Sartre/ Camus), des Lebens (Nietzsche/ Gide...), im Namen der leidenden Kreatur... wird Gott abgelehnt.[30]

Die Reihe solcher Argumente ließe sich ohne Mühe erweitern. Es ist jedoch nicht Ziel dieser Arbeit, das Für und Wider der Existenz Gottes abzuwägen und zu bedenken. Vielmehr steht die Suche nach der Erfahrbarkeit Gottes heute im Vordergrund. Jedoch die Frage ob Gott existiert, liegt dieser Suche von Anfang an mit zugrunde. Und wo immer Erfahrungen mit Gott ausbleiben, bricht diese Frage, an der so viel hängt, neu auf.

Es sei hier nur soviel gesagt: alle Argumente gegen die Existenz Gottes können seine Nicht - Existenz nicht beweisen! Oft steckt schon im Argument gegen das Sein Gottes wieder ein Gegenargument.[B] Also: "Auch der Atheismus lebt aus einem unbeweisbaren Glauben...",[31] ob das nun der Glaube an das Gute im Menschen, an die Gesellschaft, an den Fortschritt... oder ob es der Glaube an die Wissenschaft ist.[32]

An Gott vertrauend festzuhalten bleibt dennoch ein Wagnis, aber durchaus kein unvernünftiges, denn: "Der Preis, den der Atheismus für sein Nein zahlt, ist offenkundig! Er setzt sich der Gefährdung durch eine letzte Grundlosigkeit, Haltlosigkeit, Ziellosigkeit aus... ."[33]

 

3.1.2. Der praktisch - stillschweigende Atheismus

Handelte es sich bei der ersten ´Spielart´ des Atheismus, um ein überzeugtes und reflektiertes Auftreten dagegen, dass es Gott gibt, so ist hier genau das Gegenteil der Fall. "Dieser Atheismus kennt ... keine Argumente oder Gegenargumente. Er ließ den religiösen Glauben von selber fallen, weil er nicht in seinen Alltag und seinen abstumpfenden, oberflächlichen Lebensstil hineinpasst und die tieferen Fragen ausblendet, etwa die Frage nach dem Sinn, nach dem Glauben, nach tieferen Werten, nach der Rolle des Menschen... ."[34] Solcher Atheismus kann freilich an den kirchlichen Traditionen festhalten, bisweilen sich sogar selber als christlich verstehen, bleibt jedoch ohne persönlichen Gottesglauben, also leer. Der Großteil der Bevölkerung in Deutschland glaubt durchaus an ein ´höheres Wesen´, viele sogar an Gott im christlichen Sinne, aber dennoch leben sie praktisch a-theistisch!

Milan Machovec sieht den Mutterboden für diesen praktischen Atheismus darin, dass der einzelne überhaupt nicht zum Fragen nach dem Sinn seines Lebens kommt, statt dessen werden ihm viele bunte Sachen angeboten, um ihn glücklich zu machen. Hier wird Sinnsuche durch Glücksstreben ersetzt.[35] Selbst wenn sich doch einmal eine Sinnfrage entzünden sollte, so ´helfen´ doch Konsum und Fernseher dabei diese wieder in eine Glückssuche umzuleiten. "So wird die Frage nach Gott ... nicht durch Argumente widerlegt, weil sie in diesem Klima gar nicht aufkommen kann."ben!"[37]

 

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3.2. Die Religiosität des angehenden 21. Jahrhunderts

3.2.1. Triumph von Individualität und religiöser Beliebigkeit

Wenn nun nicht wenige Menschen bewusst oder unbewusst Gott ablehnen bzw. ausklammern, so geht für sie entscheidendes verloren. Nämlich das eine ´Prinzip´, was bisher für alle absolute Bedeutung hatte, und woran sich somit der einzelne orientieren konnte. Um mit Nietzsche zu sprechen, wird damit der allgemein gültige, verbindliche Horizont weggewischt.[38]

Was ist jetzt aber noch wirklich? Woran soll man sich noch halten? Der Mensch gerät nunmehr in eine gnadenlose Überforderung. Er muss sein Leben selbst verwirklichen, sich selbst Wert, Würde und Sinn verleihen.[39] Und so: "...ist der Werthorizont des heutigen Menschen das eigene Leben; was ihm zu einem erfüllten und gelingenden Leben verhilft, empfindet und anerkennt er als Wert."[40]

In diese Richtung weist auch die heutige Patchwork - Religiosität; da wird aus jeder Religion und Glaubensrichtung das Beste herausgepickt und individuell zusammengesetzt.[41] Auf diese Weise schaffen sich die Menschen ihre eigenen Götter, die zu ihnen passen. Sie durchstreifen einfach den ´religiösen Supermarkt´ und bedienen sich im Regal der übersinnlichen Möglichkeiten; vermeiden es dabei aber peinlich sich an irgendeine Struktur oder Institution fester zu binden, denn das stünde ja der eigenen Freiheit im Wege.[42] Der christliche Glaube ist nur noch ein religiöses Angebot unter vielen. Wonach aber trifft der einzelne seine Wahl?

Für seine Entscheidungsfindung gibt es vor allem ein Kriterium. Wenn Soziologen unsere Gesellschaft als ´Erlebnisgesellschaft´ bezeichnen, zeigt das worüber heute der Wert von Religiosität bestimmt wird.[43] Das Erlebnis ist entscheidend. Ein möglichst leichter Weg zu übersinnlichen Erfahrungen, spektakulären Momenten oder innerlichen Gefühlen wird gesucht.

Hier wird deutlich, einen wie schweren Stand christlicher Glaube heute hat, wird er doch gerade von Jugendlichen als überholtes Relikt längst vergangener Zeiten angesehen, und noch dazu als recht unspektakulär, überlebt und weltfremd empfunden.icht."[45] Von allem scheint man sich etwas zu erhoffen, außer vom christlichen Glauben, den meint man zu kennen; von ihm hat man sich ja gerade erst enttäuscht abgewandt. Unsere nachchristliche Gesellschaft scheint quasi frisch gegen den christlichen Glauben immunisiert zu sein.[46]

 

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3.2.2. Fundamentalismus und Esoterik als spirituelle Erfolgsrezepte

Im Blick auf die Suche nach Erfahrungen mit Gott bzw. nach Überirdischem, sind vor allem zwei Strömungen auszumachen. Beide reagieren auf das menschliche Bedürfnis nach religiösen Erlebnissen und der dazu wegweisenden Leitung.[47]

Der Fundamentalismus tut dies, indem er die Welt in ein schwarz - weiß Raster einteilt, die eine Wahrheit zu kennen meint und dazu rezeptartige Heilslehren anbietet.[48] Und: "Der Fundamentalist erlebt, was er glaubt, weil er sich bedingungslos, ohne kritischen Vorbehalt, in seine Glaubenserfahrungen wirft."[49] So dass ein Anhänger je länger, je mehr von der Richtigkeit des eingeschlagenen Weges überzeugt ist.

Anders verhält es sich mit der Esoterik. Hier soll überall die innerliche Wirklichkeit erschlossen werden, hinter jedem Ding und Sein steckt etwas Geheimes und Rätselhaftes.[50] Auch die Wende in die eigene Innerlichkeit, soll neue Welten auftun. In meditativer Selbstwahrnehmung, wird z.B. die eigene Seele ´entdeckt´.

Selbst im christlichen Rahmen gibt es Erscheinungsformen wie Fundamentalismus und Mystik, deren Anliegen auch korrektiv auf unseren Glauben wirken können: So ist das Bedürfnis nach führender Begleitung auf dem eigenen Glaubensweg ernst zu nehmen. Und zurecht prangert der Fundamentalismus das endlos kritische Denken an, bei dem sich der Glaube in erlebnisferner theologischer Reflexion badet, ohne aussagen zu können, was er eigentlich glaubt. Wenn die kritische Reflexion den Glauben auch davor bewahrt in bloße "Erlebnisduselei" abzuirren, darf sie dennoch nicht vergötzt werden. Gewinnbringend ist zudem der Anstoß aus der christlichen Mystik, angesichts allseitiger Betriebsamkeit wieder neu die Stille zu suchen. Hierbei darf jedoch keine innerliche Versenkung gemeint sein, die den Alltag einfach überblendet. Sondern wenn wir unsere Augen schließen, dann um sie hernach wieder zu öffnen, klarer zu sehen und realitätsnaher zu handeln.[51]

 

3.2.3. Die Krise der Traditions- und Glaubensweitergabe

Der Ausspruch: ´Die Kirche pflanzt sich auf natürlichem Wege fort.´ ist nur noch mit sehr viel Wohlwollen für wahr zu halten. War einst die (Groß)Familie der Ort, wo wesentlich Glaubensweitergabe geschah, so wird mit zunehmender Auflösung dieser Wertgemeinschaft, der altgewohnte ´Generationenvertrag´ brüchig.[52] Heute wissen viele Eltern schlechthin überhaupt nicht, was sie an christlichen Traditionen und Glauben weitergeben sollen, weil davon bei ihnen selber kaum mehr etwas vorhanden ist. Daher überlassen viele Eltern (wenn überhaupt) die Verantwortung der Glaubensweitergabe allein dem katechetischen Handeln der Kirche. Dies erweist sich aber als wenig wirkungsvoll, da nur etwa 10 Prozent der hinzugewonnenen Christen auf diese Weise zum Glauben finden![53]

Deutlich wird hieran auch für die Verkündigung, dass beim säkularisierten Menschen immer weniger Wissen um christliche Glaubensinhalte vorausgesetzt werden kann.[54] Dass Kirche und Glauben vielmehr von anderen, sich verselbständigenden Lebensbereichen (Arbeits- und Berufswelt, Wirtschaft und Politik, Freizeit,...) mehr und mehr in die Privatsphäre abgedrängt werden.[55] H.J.Spital sieht hierin die Krise der Glaubensweitergabe begründet: "Die Glaubensweitergabe geschah im Wechselspiel zwischen dem Leben in der christlichen Gesellschaft einerseits und der unterrichtlichen Erklärung des Glaubens... andererseits."[56] Nun aber ist dieses Wechselspiel nahezu unwirklich und damit unwirksam geworden, so dass: &quo" " ...unser unterrichtliches Bemühen weitgehend ins Leere läuft - eben, weil ihm der Lebenshintergrund entzogen worden> ist."[57]

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3.3. Die postmoderne Gesellschaft

3.3.1. Plurale Lebenswelt

Es sind vor allem drei Aspekte der Pluralität, die unsere heutige Gesellschaft bestimmen:[58]

  1. Die strukturelle Pluralisierung, sie beschreibt die Vielzahl der auseinanderwachsenden und sich zunehmend verselbständigenden Lebensbereiche (Berufswelt/ Politik/ Marktwirtschaft...)
  2. Die kulturelle Pluralisierung, die sich in einer Konkurrenz von Lebens- und Weltanschauungen bemerkbar macht; wofür auch die Bezeichnungen multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft geläufig sind. Und
  3. die individuelle Pluralisierung, welche die Verschiedenheit persönlicher Lebensführung meint.

Die Grundvoraussetzung für die heutige plurale Lebenswelt ist, dass es eben keinen allgemein verbindlichen Horizont für die Fragen von Ethik, Menschenbild, Werte... mehr gibt.[59]

Ich kam vor einiger Zeit ins Gespräch mit einem Nichtchristen und als er mich fragte, warum ich denn noch in die Kirche gehe, erzählte ich ihm kurz von meinem Glauben an Gott. Nun erwartete ich von ihm Einspruch, dass er meinen Glauben anzweifeln würde. Statt dessen meinte er: "Na das ist ja schön, wenn du deinen Glauben hast. Ich persönlich glaube ja nicht an Gott. Aber ich finde es gut, wenn es von jedem etwas gibt."

"Von jedem etwas", verschiedene Ansichten und Glaubensrichtungen stehen also mehr oder weniger gleichgültig nebeneinander, ohne dass man sich deswegen noch auseinandersetzten müsste. Jedem seine persönliche Wahrheit und sein eigener Glaube.[60] Jeder darf sich äußern, jeder einen Beitrag aus seiner Weltanschauungskiste hervorholen. Jedoch gerät man in die Rolle des, aus zugekniffenen Augen angesehenen, intoleranten Störenfrieds, wenn man dieses Nebeneinander in Frage stellt. Wenn man Wahrheit gar als eine überindividuelle Größe denken will.[61]

 

 Inhalt     Anfang   Ende


3.3.2. Die Unübersichtlichkeit und Fragmentierung der Gesellschaft

Mit dieser Pluralität geht aber auch eine "neue Unübersichtlichkeit" einher.[62] Wenn der einzelne die ganze Palette an weltanschaulichen Angeboten nicht mehr überblicken kann, entspringt daraus die Sorge, den eigenen Lebensentwurf möglicherweise zu verfehlen. Denn am Leben sein, heißt eben nicht schon wirklich zu leben![63]

Eine Konsequenz aus der großen Unübersichtlichkeit ist eine beängstigende Orientierungslosigkeit. Und in der Suche nach Sicherheit im Leben, ist das vereinfachende "Schwarz - Weiß - Denken" des Fundamentalismus (siehe: 3.2.2.) eine Möglichkeit, wieder Übersicht zu erhalten. Eine weitere Variante ist der Zusammenschluss einzelner zu einer überschaubaren Gruppe.[64] Diese kleinen Grüppchen mit ihren Ritualen, ihrem eigenen Kleidungsstil, ja selbst mit spezifischer Sprache geben dem einzelnen in dieser komplizierten Lebenswelt einen Halt.[65] Jedoch der Fundamentalist, wie der Angehörige der Clique gewinnt diesen ´Halt´ nur, weil er die komplexe Wirklichkeit dazu ausblendet. So wird der einzelne vielmehr desorientiert, weil er entweder alles durch eine Deutungsbrille oder nur noch ausschnittweise wahrnimmt.

Nicht zuletzt hier hat unser Nachdenken einzusetzen, wenn es um situationsgerechte Verkündigung geht. Kann denn ein Gottesdienst im herkömmlichen Sinne der Vielfalt dieser Gruppen und Milieus gerecht werden? Ein Großteil dieser Leute versteht doch schon rein sprachlich nicht mehr, was ein Pfarrer predigt.ntakte."[effen."[68]

 

3.3.3. Postmoderne Mediengesellschaft

"Unvergeßlich der alte Mann im Lichterrausch von Picadilly Circus, gebeugt über seine Zeitungskiste, die Hände gefaltet, versunken ins Gebet, unbekümmert ... der kurzweilig durchbrochenen Gleichgültigkeit, die ihn umbraust. Sein fleckiger Regenmantel verdeutlicht, wie weit er von irdischem Ehrgeiz entfernt ist. Die Lippen bewegen sich, doch nichts wird hörbar: Autohupen und der Vielklang endlos vorbeirollender Motore, Geschrei und Musik löschen alles aus, so dass niemand den Alten vernimmt, die Stimme Gottes, der unter die eignen Geschöpfe geraten wie unter eine Dampfwalze, die kein Ziel kennt, sondern nur den Weg, auf dem sie alles einebnet." (G. Kunert)[69]

Hier ist, denke ich, bildhaft deutlich geworden, welche Nebenwirkungen unsere laute Zeit hat. Eine Zeit in der Fernsehen, Computer, Internet usw. zu beherrschenden ´Kommunikationsmitteln´ geworden sind. Die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten, wird damit in bestimmte Bahnen gelenkt. Diese Flut von Bildern, Eindrücken und Unterhaltung ´verstopft´ uns sozusagen für echte Erfahrungen.[70] So leben wir wie in einer anderen Welt und kommen gar nicht richtig zu uns.

Wenn wir also keine oder nur wenige Erfahrungen mit Gott machen, dann liegt das vielleicht daran, dass wir randvoll sind, mit unverarbeiteten Eindrücken und Erlebnissen? Aber erst die Deutung macht doch aus einem bloßen Widerfahrnis eine Erfahrung, die den Menschen dann prägt.[71] Also bleiben wir angesichts der Flut von Erlebnissen auf halbem Wege stehen, auch wenn es darum geht, einzelne Begebenheiten als Erfahrungen mit Gott zu deuten.

 

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4. Naturwissenschaft und Glaube

Hier soll ganz kurz angerissen werden, in welcher Beziehung Wissenschaft und Theologie stehen bzw. inwieweit Gott innerhalb von weltlichen Abläufen erfahrbar ist.

 

4.1. Das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Theologie

Worin liegt das Missverhältnis begründet, das so lange zwischen Naturwissenschaft und Theologie herrscht(e)? Grund waren/sind sicher die Fehler beider Seiten: "...sie berücksichtigen die Eigenart der Naturwissenschaft und des Glaubens nicht. Beide überschreiten ihre Grenzen; die eine erwartet von der Wissenschaft Antworten auf alle Lebensfragen, und die andere hält die Bibel für ein Lehrbuch der Naturkunde."[72] Die theologische und die wissenschaftliche Sicht der Wirklichkeit muten in der Tat an, wie konkurrierende Wahrheiten, die einander ausschließen.[73]

Als sich nach dem Mittelalter die Wissenschaft von der Einflussnahme der Kirche mehr und mehr befreite, schwang sie sich daher im Gegenzug zu der Vorstellung auf, die Religion langfristig durch exaktes Wissen ersetzen zu können. So wurden gerade im 19. und 20. Jahrhundert wissenschaftliche Ergebnisse derart generalisiert, dass der Gottesglaube zurückgedrängt und praktisch durch Wissenschaftsgläubigkeit ersetzt wurde.[74]

Heute wird wieder neu der Dialog von Naturwissenschaft und Theologie angestrebt. Grund dafür ist die Einsicht, dass beide Wege ein und dieselbe, wenn auch vielschichtige Wirklichkeit betrachten, nur eben von verschiedenen Seiten.[75] Deshalb ergänzen, ja bedürfen sie sogar einander! Denn: "Die für den Menschen und seine Existenz entscheidenden Fragen des Woher und vor allem des Wozu, die Frage des Zieles, die Frage nach Sinn und Zweck, sind naturwissenschaftlich nicht zu lösen... ."[76] Genauso wenig hilft uns aber allein der Glaube, wenn es gilt unsere Welt zu erforschen, gegen Krankheiten zu kämpfen und die Möglichkeiten zu entdecken, die Gott in seine Schöpfung hineingelegt hat. Fragestellung und Ziel von Wissenschaft und Glaube sind also grundverschieden und dennoch auf die eine Wirklichkeit bezogen. Die Wissenschaft beantwortet die Frage, wie die Welt beschaffen ist, wie sie sich entwickeln konnte und wie wir sie nutzen können. Der Glaube spricht vielmehr davon, welchen Inhalt und Sinn die Welt hat, was das Wesen der Dinge ist und wo die Grenzen der Nutzbarmachung der Welt liegen sollten.[77]

Ein weiterer Schritt zum Gespräch war die Einsicht und die Anerkennung ihrer unterschiedlichen Zugänge und Methoden zur Wirklichkeitsbeschreibung. "Denn religiöse Einsichten basieren auf ganzheitlicher, nicht objektivierbarer Wahrnehmung und naturwissenschaftliche Erkenntnisse auf der Analyse kleiner Ausschnitte der Gesamtwirklichkeit."[78] Die wissenschaftliche Analyse und Sprache ist im wesentlichen quantitativ - mathematischer Art, und sie muss Gott sogar notwendig aus dem Spiel lassen, weil er keine messbare oder wägbare Größe darstellt und daher nicht analysierbar ist.[79] Die theologischen Aussagen hingegen beruhen auf persönlichen Erfahrungen von einzelnen oder mehreren in ihrer je eigenen Beziehung zu Gott. Deshalb muss für ein gelingendes Gespräch zwischen Wissenschaft und Theologie eine gemeinsame Sprachebene gefunden werden, auf der sich beide verständigen können. Nach der Meinung W. Pannenbergs ist diese Ebene die Philosophie.[80]

Die gegenseitige Annäherung im Gespräch geschieht nun nicht in naturwissenschaftlicher oder theologischer Anpassung, Umdeutung oder Auflösung strittiger Aussagen. Vielmehr versucht man die verschiedenen Aussagen stehen zu lassen, sie aber in Beziehung zueinander zu setzen, um so mit diesen Teilaspekten dem vielschichtigen Ganzen der Wirklichkeit näher zu kommen.[81]

Aufgabe der Theologie wird es weiterhin sein, dass sie: "...aus ihren eigenen Ressourcen immer wieder Interpretationen entwickelt, die dem sich verändernden Erfahrungswissen von der Welt gerecht zu werden suchen,... ."[82] Ein solch gewinnbringender Dialog kann uns Christen helfen, die Welt immer tiefer als Gottes Schöpfung zu erkennen.

 

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4.2. Ist Gott in der Welt?

Mit der Existenz der Welt und ihrer selbst ist den Menschen eine Aufgabe gestellt, nämlich, dass: "...sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir..." (Apg.17,27+28a) Und Paulus beschreibt dieses fühlen und finden: "Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt,..." (Röm 1,20) Ist es so, dass Gott, der doch weit über die von uns wahrnehmbare Wirklichkeit hinausgeht (Transzendenz), doch auch innerhalb seiner Welt wohnt und erfahrbar ist (Immanenz)? Um dieser Frage nachzugehen ist es nötig, dass wir uns darüber klar werden, welches ´Weltbild´ wir im Hinterkopf  haben.

Ist es das dualistische Verständnis, hieße das, dass Gott ausschließlich der ganz andere ist, der seiner Schöpfung gegenübersteht. Er wäre in der Welt nur dann zu erfahren, wenn er von ´oben´ her in den Lauf der Geschichte oder in den der Natur eingriffe. Dieser ganz und gar über der Welt stehende, ja unweltliche Gott wäre aber tatsächlich wie tot, da er in der Weltwirklichkeit, in der ja der Mensch lebt, nicht oder nur sehr selten zu erfahren wäre.[83]

Wir gehen heute von einer anderen Sichtweise aus. Schon eher betonten wir, dass es die eine, wenn auch vielschichtige Wirklichkeit gibt. Gott ist somit: der diesseitig - Jenseitige, &quo" " ...das Unendliche im Endlichen,... die allesdurchgreifend - allesdurchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Herzen aller Dinge, im Menschen, in der Menschheitsgeschichte, in der Welt. ... Gott ist in dieser Welt und diese Welt ist in> Gott!".[84] Wenn wir die Wirklichkeit so denken, ist unsere ganze Existenz eng auf Gott bezogen.

Dies erlebt auch Abraham, als er sich auf den langen Weg von Haran nach Kanaan machte. Zu all seinem ´weltlichen´ Tun während seiner Reise (Feuer machen/ Zelt aufstellen/ Essen kochen...) wurde er von der Wirklichkeit Gottes bewegt. Alles was er tat geschah, weil er von Gott(es Verheißung) ergriffen war. Und so lebte Abraham ganz im unauflöslichen Ineinander seiner und der für ihn gleichzeitig ganz von Gott durchwalteten Wirklichkeit.

 

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5. Erfahrungsbezogener Glaube

5.1. Inwieweit ist Gott erfahrbar?

Die Konsequenz dieser einen Wirklichkeit ist, dass wir Gott auf Schritt und Tritt begegnen und erfahren müssten. Ist dem so? Hier können wir ´klar´ mit Jain antworten. "Zu sagen, dass im eigenen Erleben Gott hier oder da gehandelt hätte, bleibt nach wie vor schwierig."[85] Diese Schwierigkeit oder besser diese Uneindeutigkeit unseres Erlebens hat Gründe:

  1. Jede Erfahrung ist subjektiv. Nur ich habe sie erlebt und aus meiner Perspektive gedeutet. Und wie ich etwas erlebe hängt sehr von meiner Wahrnehmungsfähigkeit ab. Daran wird deutlich, dass ein Erlebnis nie eine Gotteserfahrung in ´Reinkultur´ sein kann. Der Mensch ist immer mit dabei, und wenn Gott ihm etwas ausrichten will, tut er dies nicht zusammenhanglos oder steril, sondern mit Blick auf den Menschen, dessen Fragen und derzeitige Situation. So sind alle Gotteserfahrungen Ausdruck einer wechselseitigen, lebendigen Beziehung. Dieses dynamische Miteinander formt schließlich die Botschaft, die dann das Herz des Menschen anrührt.
  2. Jeder trägt seine ´Deutungsbrille´. Denn was wir für wahr, richtig und gut halten, woran wir glauben und wie wir die Welt sehen, bestimmt grundlegend, wie wir das Erlebte beurteilen. So können ein Christ und ein Atheist das selbe Ereignis völlig unterschiedlich bewerten: Ist für den Glaubenden die Genesung eines Schwerkranken eine Gebetserhörung, spricht der andere von Glück. Was der eine dankbar als Bewahrung annimmt, wertet der andere als Zufall. Vom Glauben her gesprochen heißt das: wer sich einmal für ein Leben mit Gott entschieden hat, der kann hinfort nicht mehr anders, als alles, was er erlebt mit Gott in Verbindung zu bringen.[86] Deshalb streiten Glaube und Unglaube nicht zuerst um Gott, ob es ihn gibt, sondern sie streiten darum, wer von beiden die Wirklichkeit in rechter Weise wahrnimmt.[87]
  3. Gott begegnet uns nie direkt. Und das aus Gnade. Denn eine solche Begegnung würden wir wohl kaum aushalten, zudem wäre unsere Freiheit dahin. Begegnete uns Gott direkt, wäre seine Existenz bewiesen und unser Glaube ein Wissen. Eine freie Entscheidung im Hinblick auf ein Leben mit Gott würde damit unmöglich. Nicht um seiner selbst willen würden wir ihm folgen, sondern aus Einsicht in die Notwendigkeit. In der Hand eines Riesen glichen wir einem zappelnden Gnom, der gerne jeden Treueeid leistet; aber nicht aus Zuneigung, vielmehr aus Sorge um sein Leben.

Darum überrennt uns Gott nicht mit seiner Göttlichkeit, er "...hält sich, wenn er zu uns kommt zugleich zurück, so dass ein Freiraum für uns entsteht, in dem wir ihm mit unserem Glauben und unserem Leben antworten können."[88] Wir können es deshalb auch als Gnade ansehen, wenn selbst wunderbare Glaubenserlebnisse letztlich keine handfesten Beweise für Gott sind und uns dadurch eine vertrauende Beziehung zu ihm möglich bleibt. Gerade in dieser Zurückhaltung zeigt Gott, wie sehr er den Menschen wertschätzt.

 

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5.2. Welche Bedeutsamkeit haben Glaubenserfahrungen nun noch?

Welche Bedeutung haben aber nun noch unsere Erfahrungen mit Gott, wenn sie doch so bedingt und eingeschränkt erscheinen? Ich möchte hier zwei Punkte klarstellen: Einmal will ich es nicht schönreden, dass Gott der Verborgene ist. Bei aller Gnade, die dabei mitschwingt, kann ich mit Bonhoeffer sprechen: "Die Unsichtbarkeit macht uns kaputt. ...dies wahnwitzige dauernde Zurückgeworfenwerden auf den unsichtbaren Gott selbst - das kann doch kein Mensch mehr aushalten."[89] Es ist diese zermürbende letzte Ungewissheit, die mir zu schaffen macht, nie ist der Glaube krisenfest, stets ist es angefochtener Glaube, der neu errungen werden muss.

Zum anderen: Jede Erfahrung mit Gott bleibt trotz ihrer Bedingtheit wertvoll!! Sie kann zwar nicht als Beweis für Gott dienen, aber dem einzelnen eine Kraft sein, die ihn im Glauben gewiss macht. Und wenn Gotteserfahrungen, wie wir sahen, Ausdruck einer lebendigen Beziehung zwischen Gott und Mensch sind, dann sind wir gerade hierin Gottes geachtetes Gegenüber. Gott wirft uns die Zeichen seiner Gegenwart nicht hin wie einen Knochen, sondern er bezieht uns ganzheitlich mit ein. Durch die Art, wie wir ihn hören, wie wir das Gehörte annehmen und umsetzen, wie wir uns vielleicht auch sträuben und mit ihm hadern, ja durch unser ganzes Menschsein gestalten wir die Erfahrungen mit Gott mit.

 

 5.3. Die Spuren Gottes in der Welt

Eine erste solche Spur ergibt sich schon beim Menschen an sich. Jeder Mensch, obwohl er nur Ausschnitte der Wirklichkeit wahrnimmt fragt dennoch nach dem großen Ganzen. Diese Sinnfrage entzündet sich praktisch wie von selbst und beinahe überall; sofern man nicht trainiert hat sie zu überhören. Gehen wir einmal kurz in eine Bibliothek: Wir staunen über die Menge der Bücher, über die Ruhe trotz der Anwesenheit so vieler Leute. Und wir nehmen das emsige Studieren wahr, etliche sitzen wohl schon länger als eine Stunde mit krummem Rücken über ein Buch vertieft. Und schon taucht die Frage auf: Wozu diese Anstrengung? Was für einen Sinn hat es, sich mit viel Zeitaufwand all das Wissen anzueignen, wenn man früher oder später doch ´abtreten´ muss? Was nützt einem dann das alles?

So gibt es auch etliche Handlungsweisen des Menschen, die wir als ´Zeichen der Transzendenz´, als Fingerzeige einer unsere Wahrnehmung übersteigenden Wirklichkeit ansehen können.[90] Zum Beispiel das Gefühl verantwortlich zu sein, es reicht oft weiter als unsere Möglichkeiten ihm gerecht zu werden. Wir fühlen uns für die Linderung des Leides in der Welt verantwortlich, obwohl uns keine sichtbare Instanz zur Verantwortung zieht.[91] In Verbindung damit steht auch der Sinn für Gerechtigkeit. Die Klage über herrschende Ungerechtigkeit und die Anklage gegen Gott, der nichts daran zu ändern scheint, zeigen letztlich die Sehnsucht und das Gespür dafür, dass es doch mehr geben muss als das, was sich uns hier bietet. Auch die Tatsachen, dass der Mensch weiter liebt, selbst wenn er nicht wieder geliebt wird; und dass er hofft, wo es nichts zu hoffen gibt, weisen über ihn hinaus.[92] Und, um die längst nicht vollständige Aufzählung zu beschließen, der Mensch selbst ist ein Fingerzeig einer ihn übersteigenden Wirklichkeit. Ist er doch mehr als die Summe und das Zusammenspiel seiner Organe, er ist ein bewusstseinsfähiges Wesen. Aber woher?

So neigt der Mensch dazu, immer nach einer letzten Ursache zu suchen, den Grund, auf dem er verlässlich stehen könnte. Jedoch dieser letzte Grund, dieses letzte Ziel bleibt verborgen und lässt sich nicht durch rationales Denken erfassen.[93] "...auch hat er (Gott) die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." (Pred.3,11) Wenn die rätselhafte Wirklichkeit eben nicht in einem Ursache - Wirkungsschema aufgeht, so ist es gerade diese Offenheit und Rätselhaftigkeit die uns dazu einlädt, uns auf einen alles durchdringenden und alles umgreifenden Urgrund, auf Gott, vertrauend einzulassen.[94]

 

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5.4. Sagen zu können: "Ich glaube!" -  ist ´verdientes´ Geschenk

Das ist paradox, richtig. Aber wie wir schon sahen, sind die Erfahrungen, die einer mit Gott macht, Ausdruck einer lebendigen Beziehung. Nicht anders verhält es sich hier mit dem ´Zum - Glauben - Kommen´. Der Mensch ist mit beteiligt, denn er muss sich erst dazu durchringen, bevor er es wagt sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Letztlich erkennt er aber, dass schon das Ringen und das Verlangen nach Glauben, Gottes Geschenk sind. Paulus bringt dies auf den Punkt, wenn er schreibt: "...schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist´s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen... ." (Phil.2,12f)

Gott überspringt den Menschen also auch hier nicht. Der Fragende ist vielmehr herausgefordert loszuziehen, in ein Land, das ihm erst noch gezeigt wird. Aber indem er sich auf den Weg macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen, er merkt wie sich Gott ihm mehr und mehr erschließt, weil er sich Gottes Wirklichkeit geöffnet hat.[[95] Was vorher nicht beweisbar war, kann der Losgezogene nun erfahren.[96] Wie jemand, der eine Sonnenbrille trägt, erst dann die Farbenpracht der Natur wahrnimmt, wenn er seine Brille absetzt. Solange er seine Sonnenbrille trägt, kann ich noch so viel argumentieren, er wird das, was für mich wirklich ist nicht einsehen! So erkennt der Mensch nicht bevor, aber auch nicht nur nachher, sondern indem er sich der Wirklichkeit Gottes öffnet und so Vertrauen wagt, die Richtigkeit seines Weges.ibt",ehen.[99]

 

 5.5. Spuren Gottes in der Gottverlassenheit

Die Bibel ist ein Erinnerungsbuch an die Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben; deshalb ist sie randvoll mit Leben.[100] Zu diesem Leben gehört die Suche nach Gott ebenso, wie die Klage über erlittene Gottverlassenheit. Etwa 40% der Psalmen sind Klagegebete und über mehrere Kapitel klagt Hiob Gott so scharf an, dass einem beim Lesen der Atem stockt.[101] Aber zuletzt muss Hiob sogar vor Gott für das Leben seiner Freunde eintreten, obwohl sie doch die frömmsten Reden gehalten hatten.

Es gibt angesichts von erfahrener Gottverlassenheit zwei Fehlreaktionen: Die eine ist, Gott einfach den Rücken zuzudrehen und den Glauben fallen zu lassen. Genauso falsch ist es aber, die drückende Not des Verlassenseins unter den Teppich der frommen Harmonie zu kehren und sich Gott lautlos zu unterwerfen. Beide Reaktionen drücken Beziehungslosigkeit aus. Sie zeigen, dass mir entweder gar nichts an Gott liegt oder dass ich ihn nicht als Vater, sondern als Willkürherrscher ansehe.

Dagegen haben die Klage und der Konflikt mit Gott eine Dynamik, die der Lebendigkeit echter Beziehung entspricht. Und so ist die Folge von durchlittener und durchkämpfter Gottverlassenheit, dass Gott in neuer Weise geglaubt werden kann. Die Psalmbeter bleiben nicht bei ihrer Klage und Hiob nicht in seiner Verzweiflung, nein, sie lassen nicht locker, sie rufen weiter nach Gott. Und sie dürfen erleben, wie sie in ihrer Beziehung zu Gott in die Weite geführt werden. Auch Jesus, er stellt nicht einfach nur fest, dass ihn Gott verlassen habe, er ruft vielmehr zu Gott: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mtt.27,46) Und wenn Jesus hier fragt, zeigt das, dass er vertrauend eine Antwort erwartet.

Hier wird deutlich, mit der Rede zu Gott, im Schreien zu ihm - und sei es ein Anschreien -, wird ein entscheidender Schritt auf Gott zu getan. So kann auch der Verzweifelte, der aller Verlassenheit zum Trotz weiter Gott anruft erleben, dass er sich innerlich getragen weiß. Gebet zu wagen, kann Glauben neu begründen.

Wenn wir Gott also nicht erfahren, wenn er unendlich weit weg und abwesend erscheint, kann hierin eine ungeahnte Chance liegen. Die Chance, Gott in einer neuen Weise zu erfahren. Wenn wir an der Abwesenheit Gottes nicht leiden, wie werden wir dann seine Nähe bemerken und uns darüber freuen können? Echte Klage schließt alle Halbherzigkeit aus und bereitet einer tieferen Gottesbeziehung den Weg. Einer Freundschaft etwa, in der man einander nicht nur von der strahlenden Seite kennt, sondern dem anderen Ärger, Wut, Trauer, Schwäche und sogar eine unliebsame Meinung zumuten kann, in dem Wissen, trotz allem und mit allem angenommen zu sein.

Darum bleibt ein Glaubenszeugnis, das nicht auch erlitten wurde, auf längere Sicht Schaumschlägerei. Vielleicht ist es gerade diese Schaumschlägerei, die ehrlich fragende Menschen abstößt. Wird denn der aufrichtig Suchende zu einem Leben, das alle Schwierigkeiten des Gottesglaubens wegretuschiert, Ja sagen können?

Mit der Betrachtung der Klage und dem Eintreten für mehr Leidenschaft in der Beziehung mit Gott, möchte ich nicht dafür werben sich in künstlich erzeugter Klage oder in Selbstmitleid zu wälzen. Vielmehr geht es hier um ehrliches Fragen nach Gott, um ein offenes Reden über schwierige Erfahrungen mit ihm und es geht darum, ein authentisches Glaubensleben anzustreben, das die Welterfahrung nicht ausblendet. Denn wenn wir Christen die einzige Bibel sind, die heute noch gelesen wird, so sollte an unserem Leben ´ersichtlich´ sein, dass eine lebendige Beziehung zu Gott möglich ist.

 

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6. Die Suche nach einer situationsgerechten Verkündigung

In diesem Kapitel soll bedacht werden, wie wir heute so von Gott reden können, dass es den Zeitgenossen wieder angeht. ´Verkündigung´ beinhaltet jedoch mehr als ausschließlich das Reden. So zum Beispiel die verkündigenden Handlungen wie Taufe, Abendmahl, Diakonie und Liturgie. Die Beleuchtung dieser wichtigen Grundelemente christlichen Lebens kann hier aber nicht geschehen.

 

6.1. Wonach fragt der Mensch?

´In der Kirche werden Fragen beantwortet, die keiner gestellt hat.´ Diese Redensart beschreibt ein Dilemma, das nicht selten der Wahrheit entspricht. Vielleicht ist dies einer der Hauptgründe, warum man Kirche und Glauben den Rücken kehrt. Die Menschen sehen nicht, dass ihre Fragen in der Kirche aufgegriffen werden. Statt dessen wird etwas an sie herangepredigt, was keinen Bezug zu ihrer Wirklichkeit hat.[102] Daher ist es wichtig die Fragen aufzuspüren, die die Menschen bewegen. Also den Anknüpfungspunkt zu finden, von dem her sie sich abholen lassen, ohne schon abzuwinken, wenn sie nur das Wort ´Kirche´ hören.

Was den Zeitgenossen heute unbedingt angeht ist der soziale und gesellschaftliche Kontext in dem er lebt.[103] Er spürt das Hineinverflochtensein in ein Netz von Wirtschaft, Berufswelt, sozialem Milieu und politischen Strukturen.[104] Er sieht sich zunehmend Rollen spielen, er wird gelebt und steht neu vor der Frage: Wer bin ich eigentlich?[105] Da der moderne Mensch seine Zukunft selbst plant und seines eigenen Glückes Schmied ist, steht er zudem vor der Aufgabe seinem Leben von sich heraus einen Sinn geben zu müssen. Wie gelingt mein Leben?, Wer zeigt mir einen wirklich guten Weg?, Wofür lohnt es sich zu leben?, diese Fragen nach wirklichem Leben laufen schließlich in der Frage nach Gott zusammen.

Die Kirche entspricht diesem Lebensdrang der Menschen oft nicht, denn sie neigt eher dazu ihnen fertige Aussagen vorzusetzen und in rückwärtsgewandter Bestandssicherung an das Gute zu appellieren, anstatt zu fragen bzw. den Lebensfragen nachzugehen.[106] Wir müssen deshalb diese Lebensfragen neu zum Thema machen, damit der Zeitgenosse entdeckt, dass es ´bei Kirchens´ um ihn geht. Und wir müssen so reden, dass die Leute wieder Lust bekommen zuzuhören, wenn wir vom Glauben sprechen.[107]

Ohne in eine Bedürfnistheologie zu verfallen, können wir die Empfehlung von F. Rosenzweig anwenden: "Ein Lernen nicht mehr aus der Tora (Bibel) ins Leben hinein, sondern umgekehrt, aus dem Leben ...zurück in die Tora (Bibel)."[108] Den Menschen sollen die biblischen Wahrheiten nicht als etwas Zusätzliches ´verabreicht´ werden. Eher muss von ihren Fragen und Erlebnissen ausgegangen werden, so dass sich der einzelne letztlich in den Erfahrungen der biblischen Autoren wiederfindet und spürt, wie lebensnah christlicher Glaube ist.

 

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6.2. Die Satten sättigen?

Wir haben auch gesehen (siehe: 3.1.2.), dass ein Großteil der Bevölkerung ´Dauerschläfern´ gleicht, die mit der Erfüllung ihrer nächstliegenden Bedürfnisse zufrieden sind.agen."[110]

Wie aber rütteln wir solche ´Schläfer´ wach und bewegen sie zu neuerlichem Fragen? Die Kirche im Rheinland investierte 2,8 Millionen DM in eine Werbekampagne.[111] Es wurden Plakate angeklebt, die die Kirche neu ins Gespräch bringen sollten. Ein Bild zeigte eine alte Frau, die allein in einer leeren Kirche sitzt, mit den Worten: "Am Anfang war das Wort" - "Wir haben es nicht gehalten."rfehlt."[113]

Paulus dagegen hatte in Athen die Marktlücke und den griffigen Anknüpfungspunkt gefunden mit dem er seine Hörer auf dem Areopag ansprechen konnte:[114] "Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt."(Apg.17,23) Vielleicht sollte unser Verkündigen genau so einsetzen, dass wir uns darein begeben, wo die Zeitgenossen zu Hause sind und wahrnehmen, was ihnen ´heilig´ und wichtig ist. Zumeist wird sich darin die Sehnsucht nach wahrem Leben widerspiegeln. Und daran anknüpfend können wir ihnen bewusst machen, wonach sie letztlich wirklich suchen - nach Gott - der ihnen gegen allen billigen Ersatz unverfälschtes Leben anbietet.

Und wenn wir Christen auf diesen Gott des Lebens verweisen wollen, muss unser Dasein von diesem Leben entsprechend geprägt sein. Oft genug ist die Glaubwürdigkeit der Kirche in den Keller gesunken, weil sie nicht lebte, was sie predigte. Es ist an der Zeit Profil zu zeigen und christlichen Glauben so zu existieren, dass die Mitmenschen ins Fragen geraten müssen, nach dem, was uns antreibt. Kirche kann Profil zeigen, indem sie sich als Institution des Lebens versteht: sozialer Kälte entgegentritt, Verantwortung zeigt für die Lebensrechte der Menschen und Fürsorge für die gefährdete Natur...[115] dabei soll christlicher Glaube nicht in bloßen Aktionismus ausarten, aber das Leben, das er aus Gott erhält, will konkret werden!

 

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6.3. Evangelisation in Deutschland- ein sinnloses Unterfangen?

Angesichts aller Relativierung und angesichts der Orientierungslosigkeit tritt neu das Verlangen nach etwas Absolutem und nach Anleitung zum Leben hervor. So kann evangelistisches Verkündigen durchaus bei den ´letzten´ Fragen bzw. bei den Lebensfragen einsetzen. Jedoch darf man den Zeitgenossen nicht mit diesen letzten Fragen überfallen, um ihm dann in seiner scheinbaren Ausweglosigkeit an Gott zu verweisen. Den Nächsten nur ins Wasser zu schupsen, um ihm dann den christlichen ´Rettungsring´ zuzuwerfen, zeugt von Lieblosigkeit. Auch wenn etliche Hörer nach diesem ´Rettungsring´ schnappen, so erscheint er ihnen auf trockenem Alltagsland eher als hinderlich. Daher streifen viele dieser ´Geretteten´ ihren Ring rasch wieder ab, und das recht endgültig.

Nach diesem unchristlichen Schema wurde und wird in Evangelisationen auf Hörer eingewirkt. Das Wissen um dieses wenig redliche (oft durchaus gut gemeinte) Schema schreckt Glaubensferne zurecht ab. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass auch solide Veranstaltungen wie ´JesusHouse´ und ´Pro Christ´ eher zu erbaulichen Tummelplätzen für Christen werden.

Daher müssen wir uns fragen, wie wir unsere Mitmenschen mit ihrer je eigenen Geschichte und Biografie ernst nehmen und sie in redlicher Zuwendung auf Gott hin ansprechen können.

Inhalt und Sprache der Bibel sind zu einer ausgesprochenen kirchlichen ´Inlandswährung´ geworden, mit der der Zeitgenosse nur sehr wenig anfangen kann. Deswegen prallen unsere biblischen Predigten als etwas Unwirkliches am Hörer ab. Ich stimme daher dem zu, dass die Kirche heute nur noch mit einer geistig aufgeschlossenen Laienschaft die Welt wirklich treffen kann.[116] Dass also Evangelisation heute wesentlich über persönliche Beziehungen geschieht. Dazu muss der Glaubende bereit sein Rechenschaft zu geben, von der Hoffnung, die in ihm ist.(1.Petr.3,15) Wie kann es gelingen im Blick auf den eigenen Glauben sprachfähig zu werden, ohne dabei sein Gegenüber mit Argumenten zu erdrücken oder mit großen biblischen Begriffen abzuspeisen? Wie können wir glaubwürdig und verständlich von Gott reden, ohne unsere Sicht der Dinge dem anderen überzustülpen, sondern einen echten Dialog mit ihm einzugehen?

 

6.4. Geschichten erzählen...

Wenn ich Sonntagabend versuche mich an die Predigt zu erinnern, erschrecke ich regelmäßig, wie wenig davon doch hängen bleibt. Nur an etwas erinnere ich mich mit Sicherheit, an eine Geschichte, die der Pfarrer vielleicht nur zur Anschauung erzählte. Soll unser Verkündigen darum ein ´Geschichtenerzählen´ werden?

Genauer betrachtet "...ist die gesamte zweitausendjährige Geschichte des Christentums ein ununterbrochener Erfahrungs- und Erzählprozess. Von Anfang an haben die Christen dadurch Menschen für ihren Glauben zu gewinnen getrachtet, dass sie ihnen die Geschichte vom Ursprung des christlichen Glaubens erzählten und zwar so, als handle es sich dabei um die Geschichte ihres eigenen Glaubens und Lebens."[117]

Selbst ein großer Teil der Verkündigung Jesu bestand aus Gleichnissen des Alltaglebens, bis hin zu abenteuerlichen Geschichten; sicher nicht ohne Grund. Wir sind nun herausgefordert selber Geschichten zu erzählen, keine ersponnenen, sondern unsere Glaubenserfahrungen sind es, die den Grund allen Erzählens bilden. Wenn wir bewusst in der Beziehung zu Gott leben, machen wir Erfahrungen mit ihm, die Teil seiner Geschichte mit uns sind. Und wenn wir diese Erlebnisse nicht nur passiv in uns &quo" " hineinplumpsen" lassen, sondern sie deuten und uns> aneignen, dann entstehen dabei unsere je eigenen Geschichten, die sowohl glaubwürdig, als auch gesprächsöffnend wirken; vorausgesetzt sie sind ehrlich (siehe: 5.5.) erzählt!. Hans Frör bringt die Bedeutsamkeit des Erzählens schon im Titel seines Buches zum Ausdruck: "Ich will von Gott erzählen wie von einem Menschen, den ich liebe.[118]

Und: "Wo sich die Theologie in der Erzählkunst des Glaubens übt, dort wird der Zeitgenosse, statt nur dogmatisch angepredigt, historisch belehrt oder moralisch angefeuert zu werden, eingeladen, sich an einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch zu beteiligen und seinerseits, die von ihm gemachten - gleichen oder gegenteiligen - Erfahrungen mit Gott und der Welt auszusprechen."[119]

Diese Verkündigung bedeutet zugleich eine neuerliche Zuwendung zum Menschen, in Form einer lebensdienlichen, menschenfreundlichen und weltzugewandten Rede von Gott.[120] Solches Reden von Gott nimmt Gestalt an, indem es zu den Menschen kommt und bei ihnen wohnt. Damit vollzieht es eine Bewegung nach, die ihm mit dem Kommen Jesu in diese Welt vorgelebt wurde. [121] (Joh.3,14)

 

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Ausblick

Den Zeichen der Zeit:

"Und zu der Zeit... war des Herrn Wort selten, und es gab
kaum noch Offenbarung. ...
(aber:) Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen."
(1.Sam.3)

 

dürfen wir die Hoffnung Bonhoeffers entgegensetzen:

"...aber der Tag wird kommen-, an dem wieder Menschen
berufen werden, das Wort des Herrn so auszusprechen, daß
sich die Welt darunter verändert und erneuert. Es wird eine
neue Sprache sein, vielleicht ganz unreligiös, befreiend und
erlösend..."
[122]

 

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Literaturverzeichnis

 

1. Quellen

1.1. - Luther Übersetzung, revidierte Fassung von 1984
            Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1985, 1. Auflage

2. Lexika und Hilfsmittel

2.1. - Bünting, Karl- Dieter...(Hg.): Deutsches Wörterbuch,
            Chur/ Schweiz/ Pößneck 1996, 1. Auflage

2.2. - Hauck, F.; Schwinge, G.: Theologisches Fach- und Fremdwörterbuch,
            Göttingen 1997, 8. Auflage

2.3. - Iglhaut, Bernhard: Synonyme,
            München 2000, Sonderausgabe

2.4. - Jentsch, Werner... im Auftrag der VELKD (Hg.): Evangelischer Erwachsenenkatechismus,
            Gütersloh Oktober 1975, 2. Auflage

2.5. - Kießig, Manfred... im Auftrag der VELKD (Hg.): Evangelischer Erwachsenenkatechismus,
            Gütersloh 2000, völlig neu bearbeitete Auflage (6.)

2.6. - Klose, Dr. Annette ... (Hg.), bearb. von G.Drosdowski: Duden, Etymologie - Das Herkunftswörterbuch,
            Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 1997, 2. Auflage

2.7. - Leisering, Horst: Fremdwörter,
            München 2000, Sonderausgabe

3. Sekundärliteratur

3.1. - Dürr, Hans- Peter ...; Pannenberg, Wolfhart (Hg.): Gott, der Mensch und die Wissenschaft,
            Augsburg / Wien 1997, 1. Auflage

3.2. - Ehmann, Reinhard (Red.) / Evangelische Akademie Baden / Katholische Akademie Freiburg (Hg.): Glauben ohne Kirche- Neue Religiosität als Herausforderung für die Kirchen,
            Herrenalber Forum Bd.11, Karlsruhe 1995, 1. Auflage

3.3. - Frör, Hans: Ich will von Gott erzählen wie von einem Menschen, den ich liebe,
            Gütersloh 1999, 12. Auflage

3.4. - Grunow, Richard (Hg.): Bonhoeffer Auswahl,
            München 1964, 1. Auflage

3.5. - Hempelmann, Heinzpeter: Glauben wir alle an denselben Gott? Christlicher Glaube in einer nachchristlichen Gesellschaft,
            Wuppertal 1997, 1. Auflage

3.6. - Huber, Wolfgang: Kirche in der Zeitenwende,
            Gütersloh 1999, 2. Auflage

3.7. - Koch, Traugott: Mit Gott leben- Eine Besinnung auf den Glauben,
            Tübingen 1989, 1. Auflage

3.8. - Küng, Hans: Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit,
            München 1995, Neuausgabe 3. Auflage

3.9. - Pöhlmann, Horst Georg: Der Atheismus oder der Streit um Gott,
            Gütersloh 1986, 5. Auflage

3.10. - Spital, Hermann Josef: Gott läßt sich erfahren - Über die Weitergabe des Glaubens,
            Graz / Wien / Köln 1995, 1. Auflage

3.11. - Thielicke, Helmut: Wie die Welt begann,
            Stuttgart 1963, 3. Auflage

3.12. - Zahrnt, Heinz: Die Sache mit Gott - Die protestantische Theologie im 20. Jahrhundert,
            München 1996, 3. Auflage

3.13. - Zahrnt, Heinz: Glauben unter leerem Himmel,
            München / Regensburg 2000, 1. Auflage

3.14. - Zahrnt, Heinz: Gott kann nicht sterben,
            München 1970, 1. Auflage

 

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Anmerkungen

  1. Beispiele dafür im AT sind: das Höre Israel in Dtn 5,4+5, das kleine geschichtliche Credo in Dtn.26,5-9 ... Und im NT: 1.Kor.15,3-5, der Christushymnus in Phil.2,5-11 u.v.a.m. Schließlich wurden auch nach der Kanonbildung Bekenntnisse geprägt, um den christlichen Glauben zu umreißen. Zum Beispiel das Apostolische Glaubensbekenntnis (5. Jh.) und das von Nizäa - Konstantinopel (4.Jh.).     [Zurück]
  2. Wenn Freud und in etwas anderer Form auch Feuerbach behaupten, es sei eine kindliche Illusion bzw. eine Wunschvorstellung, dass es einen Gott gibt. So ist im Gegenzug zu fragen, ob nicht die Nicht - Existenz Gottes eine Wunschvorstellung ist. Nämlich der Wunsch nach weitest gehender Selbstverwirklichung und nach Freiheit von einer höchsten, den Menschen zu Verantwortung rufender Autorität.     [Zurück]

 

Fußnoten

 

  1. Zitat: H.Zahrnt; Gott kann nicht sterben; Seite: 13 (GOTT)    [Zurück]
  2. vgl.: H.Zahrnt; Glauben unter leerem Himmel; Seite: 17 (GLAUBEN)    [Zurück]
  3. Zitat: R.Huessy; Des Christen Zukunft, München 1955, 148; in: GOTT Seite: 60    [Zurück]
  4. Zitat: P.Tillich; in: Evangelischer Erwachsenenkatechismus (EEk) Seite: 439    [Zurück]
  5. Zitat: H.Zahrnt; Die Sache mit Gott (SACHE); Seite: 31    [Zurück]
  6. vgl.: EEk; Seite: 136    [Zurück]
  7. vgl.: EEk; Seite: 136    [Zurück]
  8. Zitat.: I.Kant: Werke, hg. von Wilhelm Weischedel, Bd. VI, 53; in: EEk; Seite: 202    [Zurück]
  9. vgl.: EEk; Seie: 137    [Zurück]
  10. vgl.: H.Zahrnt; SACHE; Seite: 135    [Zurück]
  11. vgl.: H.Küng; Existiert Gott?- Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit; Seite: 380 (EXISTIERT)    [Zurück]
  12. vgl.: H.Zahrnt; SACHE, Seite: 140    [Zurück]
  13. vgl.: H.J.Spital; Gott läßt sich erfahren; Seite: 12 (ERFAHREN)    [Zurück]
  14. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 30    [Zurück]
  15. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  16. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 31    [Zurück]
  17. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 62    [Zurück]
  18. vgl.: EEk; Seite: 74    [Zurück]
  19. vgl.: H.Zahrnt; SACHE, Seite: 64    [Zurück]
  20. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 40    [Zurück]
  21. vgl.: H.Hempelmann; Glauben wir alle an denselben Gott? Christlicher Glaube in einer nachchristlichen Gesellschaft, Seite: 27 (GLAUBEN WIR ALLE)    [Zurück]
  22. Zitat: H.Zahrn; SACHE, Seite: 141    [Zurück]
  23. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 143    [Zurück]
  24. Zitat: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 30    [Zurück]
  25. vgl.: H.Zahrnt; Glauben, Seite: 30    [Zurück]
  26. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  27. vgl.: EEk; Seite: 71    [Zurück]
  28. vgl.: EEk; Seite: 76    [Zurück]
  29. vgl.: EEk; Seite: 77    [Zurück]
  30. vgl.: EEk; Seite: 5/ 7/ 9    [Zurück]
  31. Zitat: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 370    [Zurück]
  32. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  33. Zitat: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 628    [Zurück]
  34. Zitat: M.Machovec, in: H.G.Pöhlmann; Der Atheismus oder der Streit um Gott, Seite: 15 (ATHEISMUS)    [Zurück]
  35. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  36. Zitat: M.Machovec, in: ATHEISMUS, Seite: 16    [Zurück]
  37. Zitat: Bischof A.Noack, in: Referat über Glaubensweitergabe, gehalten in Bad Blankenburg, Frühjahr 2000 (REFERAT)    [Zurück]
  38. vgl.: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 14    [Zurück]
  39. vgl.: a.a.O.; Seite: 26    [Zurück]
  40. Zitat: H.J.Spital; ERFAHREN, Seite: 11    [Zurück]
  41. vgl.: C.Hofrichter, in: Glauben ohne Kirche- Neue Religiosität als Herausvorferung für die Kirchen; Seite: 79 (OHNE KIRCHE)    [Zurück]
  42. vgl.: H.J.Spital; ERFAHREN, Seite: 52    [Zurück]
  43. vgl.: H.J.Spital; ERFAHREN, Seite: 11    [Zurück]
  44. vgl.: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 17    [Zurück]
  45. Zitat: R.Ehmann; Dr.R.Isak, in: OHNE KIRCHE, Seite: 7    [Zurück]
  46. vgl.: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 23    [Zurück]
  47. vgl.: G.Schmid, in: OHNE KIRCHE, Seite: 15    [Zurück]
  48. vgl.: G.Schmid, in: OHNE KIRCHE, Seite: 11    [Zurück]
  49. Zitat: a.a.O.; Seite: 12    [Zurück]
  50. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  51. vgl.: a.a.O.; Seite: 18    [Zurück]
  52. vgl.: Bischof A.Noack; REFERAT    [Zurück]
  53. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  54. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  55. vgl.: M.N.Ebertz, in: OHNE KIRCHE, Seite: 28    [Zurück]
  56. Zitat: H.J.Spital; ERFAHREN, Seite: 35    [Zurück]
  57. Zitat: a.a.O.    [Zurück]
  58. vgl.: M.N.Ebertz, in: OHNE KIRCHE, Seite: 26    [Zurück]
  59. vgl.: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 14    [Zurück]
  60. vgl.: a.a.O.; Seite: 24    [Zurück]
  61. vgl.: a.a.O.; Seite: 15    [Zurück]
  62. Zitat: J.Habermas; Kleine politische Schriften, Frankfurt a.M. 1985, Kap: 5; in: GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 17    [Zurück]
  63. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite 26    [Zurück]
  64. vgl.: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 18    [Zurück]
  65. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  66. vgl.: a.a.O.; Seite: 19/28    [Zurück]
  67. Zitat: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 27    [Zurück]
  68. Zitat: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 143    [Zurück]
  69. Zitat: G.Kunert, Neue Rundschau 80; 1969, Heft 2, Seite 224; in: H.G.Pöhlmann; ATHEISMUS, Seite: 23    [Zurück]
  70. vgl.: H.J.Spital; ERFAHREN, Seite: 16    [Zurück]
  71. vgl.: a.a.O.; Seite: 19    [Zurück]
  72. Zitat: EEk; Seite: 182    [Zurück]
  73. vgl.: H.P.Dürr; in:Gott, der Mensch und die Wissenschaft, Seite: 7 (WISSENSCHAFT)    [Zurück]
  74. vgl.: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 152    [Zurück]
  75. vgl.: a.a.O.; Seite: 153    [Zurück]
  76. Zitat: EEk; Seite: 60    [Zurück]
  77. vgl.: H.P.Dürr, in: WISSENSCHAFT, Seite: 165    [Zurück]
  78. Zitat: H.P.Dürr, in: WISSENSCHAFT, Seite: 7    [Zurück]
  79. vgl.: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 151    [Zurück]
  80. vgl.: W.Pannenberg, in: WISSENSCHAFT, Seite: 192    [Zurück]
  81. vgl.: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 153    [Zurück]
  82. Zitat: W.Pannenberg, in: WISSENSCHAFT, Seite: 201    [Zurück]
  83. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 117    [Zurück]
  84. Zitat: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 216    [Zurück]
  85. Zitat: Evangelischer Erwachsenenkatechismus (2000; 6. Auflage); Seite: 56 (EEkneu)    [Zurück]
  86. vgl.: H.Thielicke; Wie die Welt begann; Seite: 22    [Zurück]
  87. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 37    [Zurück]
  88. Zitat: EEkneu; Seite: 44    [Zurück]
  89. Zitat: D.Bonhoeffer: Gesammelte Schriften I, 60ff; in: Bonhoeffer Auswahl, Seite: 200    [Zurück]
  90. Zitat: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 612    [Zurück]
  91. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 79    [Zurück]
  92. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  93. vgl.: a.a.O.; Seite: 80    [Zurück]
  94. vgl.: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 632    [Zurück]
  95. vgl.: T.Koch; Mit Gott leben; Seite: 35    [Zurück]
  96. vgl.: H.Küng; EXISTIERT, Seite: 630    [Zurück]
  97. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  98. Zitat: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 51    [Zurück]
  99. Zitat: H.J.Spital; ERFAHREN, Seite: 49    [Zurück]
  100. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seie: 72    [Zurück]
  101. vgl.: O.Fuchs, in: OHNE KIRCHE, Seite: 134    [Zurück]
  102. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 118    [Zurück]
  103. vgl.: a.a.O.; Seite: 118    [Zurück]
  104. vgl.: a.a.O.; Seite: 99    [Zurück]
  105. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 28    [Zurück]
  106. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 107    [Zurück]
  107. vgl.: H.Hempelmann; GLAUBEN WIR ALLE, Seite: 25    [Zurück]
  108. Zitat: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 110    [Zurück]
  109. vgl.: a.a.O.; Seite: 92    [Zurück]
  110. Zitat: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 113/114    [Zurück]
  111. vgl.: C.Möller, in: OHNE KIRCHE; Seite: 153    [Zurück]
  112. Zitat: C.Möller, in: OHNE KIRCHE; Seite: 153    [Zurück]
  113. vgl.: a.a.O.; Seite: 152    [Zurück]
  114. vgl.: a.a.O.    [Zurück]
  115. vgl.: W.Huber; Kirche in der Zeitenwende; Seite: 243    [Zurück]
  116. vgl.: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 143    [Zurück]
  117. Zitat: a.a.O.; Seite: 62/63    [Zurück]
  118. Zitat: H.Frör; Ich will von Gott erzählen wie von einem Menschen, den ich liebe. (Titelseite)    [Zurück]
  119. Zitat: H.Zahrnt; GLAUBEN, Seite: 63/64    [Zurück]
  120. vgl.: a.a.O.; Seite: 59    [Zurück]
  121. vgl.: H.Zahrnt; GOTT, Seite: 149    [Zurück]
  122. Zitat: D.Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung, Seite: 206ff; in: SACHE, Seite: 181    [Zurück]

 

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