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Examensarbeiten

"Das Wort ward Fleisch"
(Johannes 1,14)

Die Aufgaben der theologischen Hermeneutik
im ausgehenden 20. Jahrhundert

 

Eingereicht an der
Kirchlich - theologischen Fachschule
Missionshaus Malche e.V. Bad Freienwalde,
März 1996
Vorgelegt von: Thomas Wawerka
Für das Internet überarbeitet im Januar 2002

 

Inhaltsverzeichnis

 

Bibliographische Beschreibung
Einleitung

1. Grundlegung: Aufgaben der theologischen Hermeneutik
   
1.1. Warum überhaupt Verkündigung?
    1.2. Die Notwendigkeit, in Bildern zu reden
    1.3. Zwei Weisen, von Gott zu reden
         1.3.1. Karl Barth: "Back to the roots!"
         1.3.2. Dietrich Bonhoeffer: nicht-religiöse Interpretation biblischer Begriffe
    1.4. Die Methode der Korrelation

2. Analyse: Religion im ausgehenden 20.Jahrhundert
     2.1. Menschliche Grundfragen
     2.2.   Kulturbedingte Fragen
         2.2.1. Die Preisgabe der Teleologie
         2.2.2. Absolutes Glücksstreben
         2.2.3. Aufspaltung in zwei Lebensbereiche
    2.3.  Religiöse Fragen im ausgehenden 20.Jahrhundert

3. Ausblick: Verkündigung im ausgehenden 20.Jahrhundert

Literaturverzeichnis
Fußnoten

 

Inhalt     Anfang     Ende


Bibliographische Beschreibung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Problem der Verkündigung in unserer Zeit.

Unter der Fragestellung "Wie kann das Wort Fleisch werden?" wird versucht, erst die theologischen, dann die praktischen Aspekte dieses Problems zu klären und herauszufinden, wann Verkündigung in rechter Weise geschieht.
Wert gelegt wird dabei vor allem auf die Beachtung derjenigen Menschen, die nicht aus der Gemeinde oder einer christlichen Sozialisation kommen.Trotzdem ist es ein Problem, das auch die Verkündigung gegenüber Gemeindegliedern betrifft. Es betrifft sogar den Verkündiger selbst.
Aufgrund der persönlichen Erfahrung, dass dem Zeugnis von Jesus Christus im allgemeinen wenig Achtung geschenkt wird, habe ich mich schon immer gefragt, was man denn besser oder anders machen könnte, um die Menschen unserer Umgebung mit dem Wort Gottes zu erreichen. Diese Arbeit ist also keineswegs reine Schreibtischarbeit, sondern verarbeitet persönliche Erfahrungen und eine lange Entwicklung eigener Gedanken und Lösungsansätze.

In dieser Arbeit wird versucht, sich gründlich dogmatisch und praktisch- theologisch mit dem Problem missionarischer Verkündigung auseinander zu setzen. Sie ist ein Meilenstein in einem noch nicht abgeschlossenen Prozess. Der Prozess des Ringens um das rechte Verständnis und die rechten Worte wird vermutlich nie abgeschlossen sein.

Deshalb ist diese Arbeit auch falsch verstanden, wenn man sie wie eine Gebrauchsanleitung für missionarische Verkündigung behandelt. Sie soll Anregungen geben und auf dem Weg zum Herzen unserer nichtchristlichen Mitmenschen eine Hilfe sein. Gelingt das, so haben wir auf diesem Weg wieder einen entscheidenden Schritt getan.

 

 Inhalt     Anfang    


Einleitung

"... In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es s[1]

Hat Gott es nötig, dass man Ihm den Weg bereitet? Schafft der Herr es nicht, zu uns zu kommen, wenn wir Ihm nicht die Bahn ebnen?

Gott, "vor dem die Erde bebte und die Himmel t[2], ist sicher nicht auf uns angewiesen, und Er offenbart Seine Herrlichkeit mit oder ohne unsere Hilfe.Aber für die Menschen, mit denen wir leben, ist der Weg zu Gott oft verbaut. Ihretwegen ist es notwendig, dass wir uns Gedanken machen um die Art und Weise, wie verkündigt werden soll, wie Verstehensschwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden können; mit anderen Worten: wie das Wort Fleisch werden kann.

Natürlich wird das Wort Fleisch, weil Gott es so will und tut, aber wenn Jesus nach Seiner Geburt keine Krippe gehabt hätte, von einem Zimmermann wie Josef gebaut, keine Decke, von einer Frau gewebt, und kein Stroh, von einem Bauern mit den Händen vom Feld gelesen, wäre Er vermutlich erfroren.

So ist es auch mit der Herrlichkeit Gottes, die "allem Fleisch" offenbart werden soll: wenn wir sie nicht einkleiden und dafür sorgen, dass sie unter den Menschen leben und wirken kann, wird sie einfrieren; das Wort wird verhallen. "Es könnte sein, dass ein Seelsorger...wegen des Was in den Himmel, aber wegen des Wie in die Hölle käme...Über dem Was wacht sozusagen der Glaube, aber über dem Wie muss die Liebe w[3]

 

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1. Grundlegung: Aufgaben der theologischen Hermeneutik

 1.1. Warum überhaupt Verkündigung?

"Es geht heute nicht um dies und oder das am christlichen Glauben, nicht um Einzelnes, um Jungfrauengeburt, Gottessohnschaft oder Himmelfahrt, sondern es geht um das Ganze, um die Hauptsache - um die 'Sache mit G[4]

Dieses Zitat sollte eigentlich genügen, um die Frage "Warum überhaupt Verkündigung?" zu beantworten. Es geht um Gott! Es geht darum, dass Gott heute Fuß fassen kann unter den Menschen, die Ihn nicht kennen, und wieder Fuß fassen kann unter denen, die Ihn schon kennen gelernt haben. Darum, dass Er zur Sprache kommt. Darum, dass Sein Anspruch geltend gemacht werden kann und Sein Zuspruch wieder tragend wird.

Und weil es ein "dem Menschen begegnender G[5] ist, geht es auch um die Menschen. Gott und die Menschen in eine Beziehung zueinander zu bringen, das ist die Aufgabe der Verkündigung. Glaube an Gott ist in erster Linie Beziehung zu Gott.

"Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne P[6]

Verkündigung soll dazu dienen, Gott bekannt zu machen, die Menschen auf Ihn hinzuweisen und ihnen Wege zu Ihm zu öffnen. "Gott entsprechend ist diejenige menschliche Rede, die Gott so zur Sprache bringt daß sie ihn das Subjekt dieses Sprachvorgangs sein [7] Verkündigung soll also letztendlich Gott selbst zu Wort kommen lassen. Gott begnügt Sich aber nicht mit einer bloßen Selbstvorstellung bei den Menschen; Er will in ihrem Leben das Sagen haben. Verkündigung muss also auch über den Anfang hinaus prägend und bildend wirken.

"...Vermittlung ist unerlässlich für die erste Kunde von Jesus. Sie ist aber auch für die weitere Entwicklung der Einstellung eines Menschen zu Jesus und zu dem durch Jesus eröffneten Lebenszusammenhang bedeutsam und oft entscheidend, sogar für den Christen, der sich schon vertrauensvoll auf die Kunde von Jesus eingelassen hat. Die Vermittlung der Kunde von Jesus hat also nicht nur die Funktion der (einmaligen) Übermittlung der Tradition, sondern auch die der fortgesetzten Bildung des christlichen, aber auch des noch nicht christlichen Bewußtseins von J[8]

Wenn die Aufgabe der Bildung richtig wahrgenommen werden soll, reicht es nicht, wenn  Verkündigung nur aktiv, d.h. grundlegend, aufbauend, dogmatisch und auch mal "herzhaft einseitig" ist. Sie muss auch auf die "Entwicklung der Einstellung eines Menschen zu Jesus" reagieren und sich damit kritisch, korrigierend, prophetisch und schöpferisch  auseinandersetzen.

Im weiteren Sinn, auf Religion überhaupt, hat Paul Tillich diese zwei Aufgaben unter der Bezeichnung "protestantisches P[9] angewandt: Wenn wir uns nur noch an dem festhalten und orientieren, was uns als "göttliche Struktur der Wirk[10], also als fleischgewordenes Wort vermittelt wurde, treiben wir Götzendienst. Denn das, was wir z.B. durch die Verkündigung von Gott erkennen, ist niemals Gott selbst.

Das betont auch Karl Barth: "Reden wir von ihm, so reden wir schon nicht mehr von [11] Gott ist größer, Ihn selbst sollen wir anbeten, Ihm uns öffnen und hingeben, nicht einer Vorstellung von Ihm. Er ist nicht handlich und behandelbar wie ein goldenes Kalb; Er entzieht Sich unserer Wirklichkeit. Wir können Ihn auch nicht durch die Verkündigung er- oder begreifen. Aber durch die Verkündigung können wir von Ihm ergriffen werden. Die Verkündigung ist wie eine Dienerin Gottes. Sie kommt zu uns und richtet Seine Botschaft aus, aber sie ist nie im Besitz der vollen und ewigen Wahrheit. Deshalb kann kein Wort von Gott an Seine Stelle erhoben werden.

Deshalb muss das Wort immer wieder neu gesagt werden, und deshalb ist es auch eine geistliche Verpflichtung, dass Christen verschiedener Konfessionen und Denominationen die Einheit suchen und voneinander lernen. Alle Erkenntnis von Gott ist nun mal Stückwerk, und jede Glaubensrichtung hat einen Teil Erkenntnis. Und trotzdem bleibt das Ganze größer als seine Teile, bleibt Gott erhaben über aller unserer Verkündigung.

Verkündigung hat also eine priesterliche und eine prophetische Aufgabe. "So verbinden sich im protestantischen Prinzip Ja und Nein, positive Gestaltung und kritischer Protest... ...Wo immer Menschen Gott aufnehmen, dort machen sie aus ihm 'unvermeidlich' einen Götzen, und dagegen erhebt sich dann der Protest des P[12] Wir haben Verheißungen, aber wir können Gott nicht darauf festlegen. Gott ist eben "gegenwärtig, aber nicht gegenstä[13] "Wenn wir Gott besitzen, so reduzieren wir ihn auf den kleinen Ausschnitt, den wir von ihm erfahren und begriffen haben, und wir machen aus ihm einen G[14]

Verkündigung muss priesterlich sein, d.h. vermitteln, missionieren, lehren, aber gegebenenfalls muss sie auch prophetisch sein. Wenn die Vermittlung sich verfestigt zu einem Bildnis, muss sie wieder aufgebrochen werden, denn dann ist der lebendige Gott nicht mehr gegenwärtig - übrig bleiben tote Formen und der Druck auf die Menschen, sich nach etwas auszurichten, was schon lange nicht mehr zu finden ist.

"Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde... pflanzen, und ausrotten was gepflanzt ist... brechen und bauen... behalten und we[15]

Wenn Verkündigung dieser Anforderung gerecht wird, bleibt sie auch dynamisch, hat sie immer, auch heute etwas zu sagen.

 

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1.2 Notwendigkeit, in Bildern zu reden

"Finitum non capax infiniti!" - "Das Endliche fasst das Unendliche nicht!" Diese Erkenntnis Calvins wurde von Karl Barth ganz neu entdeckt. "Wir sollen als Theologen von Gott reden. Wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden...Das ist unsere Bed[16]

Die Erkenntnis, nicht von Gott sprechen zu können, ist nicht neu. Schon die alten Griechen mussten sich mit diesem Problem auseinandersetzen.[17] Dieses Problem ist heute noch genauso aktuell. Allein die Vokabel "Gott" oder eine Aussage über die Existenz Gottes überhaupt - "Gott ist" - bedeutet eine Einengung, eine Festlegung Gottes. "...in dem Sinne, in dem von Seiendem Existenz ausgesagt wird, kann von ihm nicht Existenz ausgesagt werden... ...im Blick auf das, was im weltlichen Sinn Sein heißt, 'ist' er nicht, und im Blick auf das, was bei ihm Sein heißt, kommt allem weltlichen kein Sein zu... ...selbst wenn wir 'Er' sagen, sprechen wir noch nicht ganz sac[18] "...wenn man die Existenz Gottes behauptet, kann man ihn noch weniger erreichen, als wenn man seine Existenz leugnet. Ein Gott, über dessen Existenz und Nicht-Existenz man streiten kann, ist im Universum existierender Dinge ein Ding neben anderen Dingen. Und es ist durchaus gerechtfertigt, nach der Existenz eines solchen Dinges zu fragen, und ebenso gerechtfertigt ist die Antwort, daß es nicht e[19]

Befragt man sich aber einmal selbst nach der Bedeutung des Wortes "Gott", dann stellt sich, vielleicht weitestgehend unbewusst, sehr wohl dieses falsche Bild von "einem Ding neben anderen Dingen", neben Universen oder neben einem selbst, ein. Im Grunde genommen zieht man aber  damit den Schöpfer auf die Ebene des Geschaffenen. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass das die allgemeinübliche Vorstellung von dem ist, was sich hinter dem Begriff "Gott" verbirgt. Diese Vorstellung widerspricht jedoch dem theoretischen Monotheismus, auf den die Propheten seit Deuterojesaja so strengen Wert legen.

Gott in einer Reihe existierender Dinge ist ein Götze, nicht mehr der "ganz Andere". Aufgabe der Verkündigung ist es, auf den wahren Gott zu weisen, und nun besteht das Problem, wie man das denn verwirklichen soll, wenn man von Gott direkt nicht reden kann. Es kann "sachgemäß und im strengen Sinne von diesem Dasein nur als von einem nicht an-sich-seienden, sondern geschehenden gesprochen werden, nur durch Zeitwort und doxologisch, in Anbetung und Ver[20]

Diese Lösung ist sehr biblisch, denn vor allem im AT, wie auch in der Verkündigung Jesu wird mehr Wert gelegt auf Gottes Tun, seine Abwendung oder Zuwendung, als auf Gottes Sein, wie das in der griechischen Philosophie der Fall ist.

Trotzdem kommt man so leicht aus dem Dilemma nicht heraus, denn ein bestimmtes Tun setzt ja ein bestimmtes Sein voraus, und wenn man Antwort auf die Frage geben kann "Was tut Gott?", zieht das natürlich die Frage "Wer ist Gott überhaupt?" nach sich. Karl Barth hat sich in seiner dialektischen Theologie diesem Problem zugewandt und versucht, es zu lösen. Wenn schon eine Aussage über Gott getroffen werden muss, so darf sie nicht so stehen bleiben, sondern muss durch das Gegenteil ergänzt werden, "so, daß ein Wort das andere wieder aufheben [21]  "So bleibt nur übrig, ...Position und Negation gegenseitig aufeinander zu beziehen. Ja am Nein zu verdeutlichen und Nein am Ja, ohne länger als einen Moment in einem starren Ja oder Nein zu ver[22]

Fast wie in einem antithetischen Parallelismus der Psalmen wird erst aus einem Paar gegensätzlicher Aussagen eine Einheit. Barth denkt hier wie die alttestamentlichen Verkündiger: der Wahrheit Gottes kann man sich nicht von nur einer Seite nähern, sondern nur "in der dialektischen Zweiheit, in der eins zwei werden muß, damit zwei wahrhaft eins [23]

So versucht Karl Barth Gott zu verkündigen, ohne Ihn zu vergegenständlichen.

Wenn man von hier aus weiterdenkt, schleicht sich jedoch ein leichter Zweifel ein: kann Gott nicht auch gerade durch die Dialektik unsachgemäß festgelegt werden? Ist ständige Dialektik nicht doch ein Versuch, "den Vogel im Flug zu zeichnen"? Tatsächlich: "...es tritt genau das ein, was Barth auf alle Fälle vermieden wissen wollte: Die dialektische Bewegung hört auf, sie wird st[24] Wenn die Dialektik selbst irgendwann zur Position der Verkündigung wird, dann hört sie auf, Dialektik zu sein.

Was nun? Wie kann man verkündigen, wenn es keine Methode gibt, das Unsagbare zu sagen?

Die Bibel selbst kann hier eine Antwort geben. Die biblischen Zeugen verkündigen Gott in Bildern und Symbolen, in einem  Reichtum, der sich gegen jede Festlegung wehrt. Sie tragen Gottes Offenbarung in einer der geschichtlichen Situation angemessenen Weise zu den Menschen. Das transzendente Unsagbare wird durch diese Träger immanent und sagbar. Diese Bilder sind wie Masken, die Gottes wahres Wesen verdecken und nur einen Teil deutlich werden lassen. Gott hat es sicher nicht nötig, Sich vor uns zu maskieren, aber wir haben es nötig. Anders könnten wir nichts von Ihm begreifen, in keiner Weise zu einer Beziehung zu Ihm finden.

Im AT wird das besonders deutlich durch den wechselnden Gebrauch der Gottesnamen, denn mit ihnen wechselt auch jeweils der Akzent, der die Bedeutung Gottes beschreibt.

Als Beispiel für Bilder, in denen sich die Beziehung Gottes zu Seinem Volk ausdrückt, könnte man das Bild vom Vater-Sohn-Verhältnis nennen, in dem der Sohn für Israel, später auch für den König steht, und das Bild der Ehe.

Im AT finden sich auch besondere Manifestationen Gottes, durch die Gott sich zu verstehen gibt: der Engel, der Geist, das Wort Gottes. Er schafft Sich also Strukturen, in denen sich das Endliche, also der Mensch, und das Unendliche begegnen können.

Diesen Gedanken findet man auch bei Paul Tillich, der die Manifestationen Gottes "Gestalten der Gnade" nennt. Er findet sie z.B. in der menschlichen Gestalt Jesu oder in der Schwäche der Kirche.[25]

Alles deutet darauf hin, dass die Aufnahme Gottes ein bestimmtes Bild voraussetzt, durch das sie geschehen kann. Bilder sind unverzichtbar für die Verkündigung. Wir haben den "Schatz" nur in "irdenen Gefäßen". Sie sind als solche zerbrechlich, unvollkommen und haben kein Recht auf Dauer. Sie stehen unter prophetischer Kritik, wenn sie selbst zum Eigentlichen erhoben werden oder für das Eigentliche nicht mehr transparent sind.

Darin liegt aber auch ihre große Chance: wenn sie nichts mehr bewirken, besteht die Möglichkeit, sie zu verändern oder auszutauschen. Dadurch sind sie dynamischer als die Dialektik und besser verwendbar in der Verkündigung. Die Freiheit, Gott in situationsgerechten Bildern zu  verkündigen besteht, denn die biblischen Zeugen haben es so getan, und Gott selbst begibt Sich in die Situation, also in die Beschränkung hinein.

"Bilder von Gott" ist eine unpassende Bezeichnung dafür, das klingt schon zu sehr nach etwas Festgelegtem, Beurteilbarem, Behandelbarem. "Bilder vor Gott" wäre eine angemessenere Bezeichnung.

Schlagworte wie "Entmythologisierung", "nicht-religiöse Interpretation biblischer Begriffe", "Theologie nach dem Tode Gottes" oder "Neue Moral" zeigen, dass sich führende Theologen darin einig sind, dass die Zeit einer Umbesinnung gekommen ist, um den Menschen von heute mit der christlichen Botschaft gerecht zu werden. Es muss geprüft werden, welche der  "althergebrachten" Bilder und Begriffe noch in die heutige Lebenswirklichkeit greifen, und welche aufzugeben bzw. neu zu definieren sind.

 Aufgabe der theologischen Hermeneutik ist jedoch nicht allein die grundsätzliche Frage "Wie kann man das?", sondern auch die methodische  Frage "Wie macht man [26] und dieses Problem sollen die nächsten zwei Kapitel aufgreifen.

 

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1.3. Zwei Weisen, von Gott zu reden 

"...ich werde das Gefühl nicht los, daß die Verständigungsschwierigkeiten in meiner Kirche mit diesem unzugänglichen Geheimnis von Glauben und Unglauben gar nichts zu tun h[27]

Dieses Zitat eines evangelischen Pfarrers scheint ein allgemeines Problem zu beschreiben: Christen merken, wie ihr Zeugnis der Welt nichts zu sagen hat. Das liegt wohl kaum an einer Verstockung und Verblendung der Menschen, wogegen man im "geistlichen Kampf" vorgehen müsste.[28] Es ist vielfach so, dass sie nicht wissen, was sie mit der christlichen Botschaft anfangen sollen, welche Bedeutung diese überhaupt für sie hat. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Pfarrer handelt, der von der Kanzel zu immer weniger Gemeindegliedern spricht, oder um einen ganz normalen Schüler, der seine Klassenkameraden überzeugen will. Meistens haben die Bemühungen um die Weitergabe von Gottes Wort ein Ergebnis: es wird nicht gehört, es scheint keinen zu bewegen, bestenfalls wird man toleriert oder im wahrsten Sinn des Wortes "stehen gelassen". Die Glaubensinhalte der Botschaft scheinen der Lebenswirklichkeit der Menschen so fremd geworden zu sein, dass die Verkündigung größtenteils an ihnen vorbeigeht. Gott ist tatsächlich für die meisten Menschen tot - sie rechnen nicht mehr mit Ihm, und sie kommen ohne Ihn genau so gut zurecht.[29]

"Die Frage, an der sich die Geister scheiden, ist die, ob man die Verweltlichung der Welt ernst nimmt und also bereit ist, Gott vor der weltlich gewordenen Welt neu zu verantworten und damit auf eine Weise von ihm zu reden, daß auch die Zeitgenossen es als eine Rede von Gott verstehen, oder ob man die Verweltlichung der Welt missachtet und damit auf eine Weise von Gott redet, daß die Zeitgenossen es nicht mehr als eine Rede von Gott vernehmen und also ihrem Unglauben überlassen bleiben. Worauf es ankommt, ist, daß es der Theologie gelingt, Gott auf solche Weise neu zur Sprache zu bringen, daß darin zugleich die Wirklichkeit der Welt neu zur Sprache kommt, anders ausgedrückt, die Wirklichkeit Gottes so zu bezeugen, daß dadurch die Wirklichkeit der Welt durchleuchtet, erhellt und erfüllt [30]

Die Frage ist nur, wie man das macht. Bei den verschiedenen Ansätzen der verschiedenen Menschen oder Gruppierungen, die das versuchen, scheinen sich zwei Weisen, von Gott zu sprechen, herauszukristallisieren: die Konfrontation und die Kommunikation. Für beide soll nun ein Beispiel folgen. Allerdings ist in unserer westlichen Kultur Kommunikation mehr gefragt als Konfrontation[31], und die Zeit des Erfolgs eines konfrontativ-evangelistischen Ansatzes scheint vorbei zu sein.

 

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1.3.1. Karl Barth: "Back to the roots!"

In Karl Barths theologischer Arbeit kann man zwei Phasen unterscheiden. Die erste Phase war die der dialektischen Theologie. Karl Barth war derjenige, der nach einer langen Phase liberaler Theologie die Gottheit Gottes wiederentdeckte. Schlagworte wie "senkrecht von oben", "unendlicher qualitativer Unterschied", "Hohlraum", "Todeslinie" oder "mathematischer Punkt" kennzeichnen diese Phase. Barth erkennt die tiefe Kluft, die den Menschen von Gott trennt, und die ungeheuere Anmaßung des Menschen, der diese Kluft immer und immer wieder zu überschreiten versucht. "Religion" nennt er diese Versuche menschlicherseits, und "Religion" ist für ihn der Feind schlechthin. Alle menschlichen Versuche, Gott zu denken, geschweige denn von Ihm zu reden, fallen als Religion unter das Gericht, das Nein Gottes. Es gibt keinen Weg von unten nach oben, von den Menschen zu Gott.

Leitwort dieser Phase ist für Karl Barth der Ausspruch Calvins: "Finitum non capax infiniti!" Glaube ist Barths Ansicht nach keine Position, "kein Boden, auf den man sich stellen kann, keine Ordnung, die man halten kann, keine Luft, in der man atmen kann", sondern "das bewegte Verharren in der Negation", "ein Stand in der [32]. Wirklich leben mit Gott kann man eigentlich nur in der Trennung von Ihm. Für alles, was wir wissen können, gilt nur: "dominum dixit" -  "der Herr hat geredet". Daran haben wir uns zu halten, an nichts anderes. Alles menschliche, und daher auch alle historische Kritik am Wort steht unter der umfassenden göttlichen Kritik[33], so auch alles Reden von Gott[34].

Daher sind auch alle Versuche, das Unsagbare in eine angemessene Sprache zu kleiden, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Orientierung ist nur an der Begrifflichkeit zu suchen, die in der Bibel vorkommt, da sie Gottes offenbartes Wort ist. Der Versuch, sie zu verändern, ist nicht nur unangemessen, sondern auch unnötig, denn für den Menschen ragt "die Existenz Gottes... wie die alle Aussicht versperrende Feuermauer eines niedrigen Nachbars, wie eine feindliche Festung, wie eine geballte Faust mitten in sein Leben hinein: Er muß sich damit auseinandersetzen, er muß dazu Stellung nehmen, er muß damit [35]

Von Gott soll man also nicht anders reden, als es die Bibel und die Kirche schon immer tun. Die Arbeit des Übersetzens erwartet Karl Barth als Wirken des Heiligen Geistes, aber nicht als menschliches Wirken, wenn nur Gott recht verkündigt wird.

In der zweiten Phase seines theologischen Denkens - er selbst nennt sie "Vertiefung" - schreibt Karl Barth die "Kirchliche Dogmatik". Er entdeckt die Menschlichkeit Gottes wieder, und seine Themen sind nun der "dem Menschen begegnende Gott", und der "Gott begegnende Mensch", ihr "Zusammensein", ihre "Zwiesprache", ihr "Verkehr" und ihr "[36] Die Entfernung zwischen Gott und Mensch sieht er nun durch die Zuwendung Gottes, die Gnade Gottes überwunden. Die Gnade Gottes ist der Punkt, um den nun alle Gedanken kreisen und von dem aus der Platz für alle anderen Gedanken zu bestimmen ist: "Den in Jesus Christus geschlossenen Abgrund wieder aufzureißen kann nicht unsere Aufgabe [37]

Jesus Christus ist die Gnade Gottes, und alles andere, was von Gott und der Welt gesagt werden kann, hat hier seinen Anfang und sein Ende. So wird Barths Theologie zur Christologie, zum christologischen Universalismus.[38] Er bedient sich nun nicht mehr der Dialektik, sondern der Analogie. In der göttlichen Dreieinigkeit und Jesus Christus als ihrem zentralsten Punkt ist alles beschlossen, was es überhaupt gibt. Deshalb können von diesem Vorbild Analogien zu allen Abschattungen gefunden werden.[39] Aber diese Analogien sind selbst Offenbarungen Gottes - nicht mehr "senkrecht von oben" wie ein Bombeneinschlag, sondern wie ein feines Gespinst zwischen Himmel und Erde, nur für den wahrnehmbar, der glaubt.

Das Motto für diese zweite Phase seiner Arbeit könnte ein anderes Zitat Calvins sein: "theatrum gloriae Dei" - "Schauplatz der Herrlichkeit G[40] Alles, was existiert, existiert aufgrund der Gnade Gottes mit der Bestimmung, Schauplatz Seiner Herrlichkeit zu sein.

Was Karl Barth nicht aufgibt, ist die Kritik der Religion. Er sieht wie zuvor keinen Weg von unten nach oben. Das gilt auch für die Auseinandersetzung mit anderen Religionen oder menschlicher Religiosität im Allgemeinen. Und so sieht er auch immer noch keinen Sinn darin, wegen den Menschen die Begrifflichkeit oder gar die Bedeutung der biblischen Begriffe zu verändern - sie sind ja Grundlage seiner Analogien, seiner ganzen Theologie: "Ein bißchen Sprache Kanaans, ein bißchen "Offenbarungspositivismus" kann nämlich in der Anrede an uns alle auch eine gute Sache sein und wird nach meiner Erfahrung...nicht immer, aber oft gerade von den seltsamsten Fremdlingen...vers[41] "Mit 'Nichtgläubigen', 'Intellektuellen' und moderner Jugend kann man nach meinen Erfahrungen relativ am besten dann reden, wenn man...so mit ihnen umgeht, als ob ihrem Widerspruch gegen das 'Christentum' keinerlei ernste Bedeutung zu[42]

Zum Teil hat Barth natürlich recht, und auch seine konfrontative Methode hat sicher ihre Berechtigung. Aber die Frage ist, ob er nicht zu weit geht wie vorher auch, ob er nicht in einem neuen Rundumschlag auch die anderen guten und wichtigen Ansätze, die zur Vielfalt und gerade deshalb zum Reichtum des Redens von Gott beitragen, einfach abschmettert. Dialektisch ist er jedenfalls überhaupt nicht mehr. Erst im hohen Alter ändert sich das, als er "von den Einsichten und Korrekturen seines Sohnes, des Indonesienmissionars Christoph, beeinflusst wurde und nach Angaben von Familienangehörigen geäußert hat, dass er - könnte er seine Kirchliche Dogmatik nochmals schreiben - diese heute im Kontext der Religionswissenschaft schreiben [43].

Auf den Punkt gebracht könnte man Karl Barths Weise, von Gott zu reden, mit "back to the roots", "zurück zu den Wurzeln" bezeichnen. Er ist daran interessiert, das Evangelium recht, also orthodox zu verkündigen, und eine "befremdliche Neuigkeit ist ja das, was wir ihnen... zu sagen haben, auf jeden [44]. Wenn die Menschen so mit Gottes Wort konfrontiert werden, wie es ist, werden sie es sehr wohl verstehen, und es wird nicht leer zurückkommen. Dieser Ansatz findet sich bei vielen Gruppen verschiedenster Prägung. Er bringt natürlich seine Frucht. Kirchendistanzierte Menschen werden erreicht, aber im Ganzen gesehen steht die Frage, ob die Umbesinnung auf den kommunikativen Ansatz, der jetzt behandelt werden soll, nicht ehrlicher und effektiver wäre.

 

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    1.3.2. Dietrich Bonhoeffer: nicht-religiöse Interpretation  biblischer Begriffe

Die Arbeit Dietrich Bonhoeffers ist ein sehr wichtiges und beeindruckendes Beispiel dafür, Theologie zwischen Tradition und Situation zu treiben. Das liegt einesteils an seiner grundehrlichen Einstellung. Er macht sich nichts vor, verschließt nicht die Augen vor Fragen und Problemen und gibt auch nicht vorschnelle Antworten in schöngefärbten Sätzen:

"Der echte Glaube...droht aus Scham und Liebe zu verstummen - oder er fängt an, ganz neu zu stammeln, nicht indem er nur nach neuen Wörtern, nach einer zeitgemäßen Ausdrucksweise sucht, sondern indem er fragt, was christlicher Glaube eigentlich heißt, und so das Wort Gottes noch einmal neu und von vorn zu verstehen b[45]

"Was mich unablässig bewegt, ist die Frage, was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich [46]

Ganz ehrlich fragt er sich selbst nach der eigentlichen Bedeutung der Sache, denn da beginnt die Hermeneutik. Oberflächliche Veränderung biblischer Begriffe in ein "augenblicklich modernes Kaud[47] ist eigentlich nur Augenwischerei.

Bonhoeffer nimmt die Situation der Säkularisierung ernst, nimmt die säkularisierten Menschen ernst, ohne sie zu verteufeln:

"Es ist doch nicht nur die Schuld der anderen, wenn sie unsere Predigt ...hart und schwer finden, weil sie belastet ist mit Formeln und Begriffen, die ihnen fremd [48]

Anderenteils ist seine Arbeit keine Schreibtischkonstruktion, sondern gelebte und sogar gestorbene Arbeit. Er spricht auch mit den Menschen, von denen er spricht und mit denen er sprechen will. Er hat Umgang mit ihnen, nicht nur während der Zeit der Gefangenschaft, es zieht ihn "häufig mehr zu den Religionslosen als zu den Religiösen..., und zwar durchaus nicht in der Absicht der Missionierung, sondern...'br[49]

Was bedeutet es nun, die Bibel nicht-religiös zu interpretieren?

Das religiöse Gebäude hat nach der Erkenntnis Bonhoeffers zwei Grundpfeiler: den metaphysischen und den individualistischen.[50]
"Metaphysisch" bedeutet, dass im Denken der Menschen, wenn es um Gott geht, zwei Bereiche existieren: ein irdischer, d.h. vergänglicher, fleischlicher, weltlicher, sündiger Bereich und ein überirdischer, d.h. ewiger, geistlicher, himmlischer, heiliger Bereich. Der eine ist für die Menschen, der andere für Gott, und Gott greift durch besondere Offenbarungen und Wunder aus dem jenseitigen in den diesseitigen Bereich ein. Dieses Weltbild wurde von der Kirche tradiert, aber eigentlich kann kein Mensch mehr daran glauben, außer "noch einige 'letzte Ritter' und intellektuell U[51].

Dieses Denken ist auch weniger biblisch, sondern mehr in der griechischen Antike begründet, z.B. in der Ideenlehre von Plato. Allerdings geschah auch schon in der israelischen Antike z.Zt. des Tempelbaus unter Salomo eine solche Aufspaltung des Lebens in einen kultisch-sakralen und einen profanen Bereich, aber gerade dagegen richtete sich ja der Protest der Propheten. Wie sie betont auch Bonhoeffer die Ganzheitlichkeit des Lebens in der Verantwortung vor Gott.

"Individualistisch" bedeutet nun, dass es zu einer einseitigen Schwerpunktsetzung kommt. Da der diesseitige Bereich weniger wert ist als der jenseitige, wünscht sich der religiöse Mensch "Rettung" oder "Erlösung". Er richtet den Blick weg von den gegenwärtigen Tatsachen und hält sehnsüchtig Ausschau nach dem, was "droben" ist. Das "Letzte", nämlich die Auferstehung und der Anbruch des himmlischen Lebens, wird allein wichtig, und das "Vorletzte", das irdische Leben, nicht mehr beachtet.

Auch hier waren in das Christentum griechische Vorstellungen wie etwa die von der Gefangenschaft der Seele im Körper eingeflossen. Weltflucht, Jenseitsvertröstung und Leibfeindlichkeit können Folgen eines solchen Denkens sein.

In der Kritik dieses Denkens lässt sich Bonhoeffer zu sehr radikal klingenden Aussagen hinreißen, z.B. dass das Christentum keine "Erlösun[52] oder die "individualistische Frage nach dem persönlichen Se[53] gar nicht so wichtig ist.

In seiner Antwort ist Bonhoeffer streng christologisch. "Das Wort ward Fleisch" ist der Leitsatz, an dem er sich dabei orientiert. Christus kam mitten in diese Welt, lebte ein menschliches Leben, starb einen menschlichen Tod. Damit qualifizierte Er diese Welt, sie ist nicht minderwertig. Und wie Er das Jenseitige im Diesseits war, so ist alles Jenseitige nur mitten im Diesseits erfahrbar, so soll auch ein jeder sein Leben leben mit allem, was es ihm bringt, und Gott in dem finden und lieben, was Er gerade gibt. Die Ehe ist nicht weniger wertvoll als das Martyrium, denn alles Weltliche ist ja von Christus qualifiziert.

Weisheit spricht aus dieser Sicht der Dinge. Starkes Gewicht legt Bonhoeffer auf die Passion. Das eigentliche Wesen des Christseins liegt darin, dass der Christ am Leiden Gottes für diese Welt teilnimmt. Dazu muss er nicht religiös sein. Ein wirklich transzendentes Leben besteht nicht in der Weltabgewandtheit, sondern gerade in der Weltzugewandtheit, indem nämlich der Christ wie Christus für andere da ist. Von dieser Grundlage aus gibt Bonhoeffer auch Impulse für die Erneuerung der Kirche:

"Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Um einen Anfang zu machen, muß sie alles Eigentum den Armen schenken. Die Pfarrer müssen ausschließlich von den freiwilligen Gaben der Gemeinden leben, evtl. einen weltlichen Beruf ausüben. Sie muß an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinsachaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und di[54]

Wie in Seiner Kreuzigung Christus hinausgedrängt wurde, so wird Gott auch heute durch den Prozess der Säkularisierung hinausgedrängt. Hier findet Bonhoeffer den eigentlichen Knotenpunkt zwischen Wirklichkeitserkenntnis und Gotteserkenntnis.

Christus war kein Übermensch, der mit göttlicher Allmacht über den Dingen stand. Gerade im Gegenteil, nämlich in Seinem Leiden und Seiner Ohnmacht, bestand sein Sieg: "...nur der leidende Gott kann [55] Am Kreuz ertrug Er die völlige Gottverlassenheit.

So soll auch das Leben eines Christen gestaltet sein: er soll die Gottverlassenheit der Welt ertragen, dieses Kreuz auf sich nehmen und Christus nachfolgen. Wo er das tut, ist er Christ, und zwar "weltlicher" oder "nicht-religiöser" Christ. Er wendet sich nicht nach oben, an einen mirakulösen "deus ex machina", sondern an Christus an seiner Seite.

Echte Hermeneutik ist also nicht nur eine Sache der Sprache, sondern des gesamten Lebens: "In der Existenz wird die weltliche Interpretation der Bibel deutlicher als in der Spekulation. Im Grunde läßt sie sich nicht definieren, sondern nur pra[56]

Von dieser Grundlage aus wollte Bonhoeffer auch die anderen biblischen Begriffe interpretieren: Schöpfung, Fall, Versöhnung, Buße, Glaube, vita nova, letzte Dinge.[57] Aber es kam nicht mehr dazu. Am 9.4.1945 wurde er im KZ Flossenbürg umgebracht. Er hat das Leiden Gottes an dieser Welt geteilt und seine eigene Hermeneutik konsequent gelebt, bis zum Ende.

 Gott muss Gott bleiben, aber die Welt muss auch Welt bleiben. Freilich hat die Welt erst von Gott her ihren letzten Sinn und Ernst, und das Leben ist nur in rechter Weise diesseitig - "nicht die platte und banale Diesseitigkeit der Aufgeklärten, der Betriebsamen, der Bequemen oder der La[58] -, wenn es in der Verantwortung und unter dem Zuspruch Gottes gelebt wird. Aber beides, Gott und die Welt, sind nur in eine rechte Beziehung zu bringen, indem man sie recht trennt.[59] Diese Erkenntnis [60] ist sehr wichtig, denn das Leben wird so als gut und ganz in sich qualifiziert. Es braucht nicht noch einen religiösen Zusatz, um vollständig zu sein. Der Prozess der Säkularisierung muss nicht mit Biegen und Brechen wieder rückgängig gemacht oder einer "posivistische(n) Offenbarungslehre..., wo es dann heißt 'friß, Vogel, oder s[61] gegenübergestellt werden. Nein, wenn die Welt weltlich wird, ist das gut, denn so darf sie und so soll sie sein.

Für die Verkündigung bedeutet Bonhoeffers kommunikativer Ansatz, dass Glaube an Gott sich mitten im Leben abspielt und genau an dieser Stelle auch etwas zu sagen hat.

 

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1.4. Die Methode der Korrelation

"Theologie steht in der Spannung zwischen zwei Polen: der ewigen Wahrheit ihres Fundamentes und der Zeitsituation, in der diese Wahrheit aufgenommen werden [62]

"Das 'Wort Gottes' ist ein zweideutiger Begriff. Es wird oft für das geschriebene Bibelwort gebraucht. Aber kein Bibelwort ist für uns Gottes Wort, sofern wir die Wirklichkeit unserer geschichtlichen Situation aufgeben müssen, um es zu verstehen. Auch das biblische Wort kann uns nicht erreichen, wenn es nicht gegenwärtig [63]

Diese zwei Zitate machen schon deutlich, dass Paul Tillich auch ein Befürworter des kommunikativen Ansatzes ist.

Zwischen biblischem Wort und geschichtlicher Situation besteht also ein Zusammenhang, eine Korrelation, die bestehen muss, damit biblisches Wort für uns Wort Gottes sein kann. Tillich hat damit etwas vom Wesen des Wortes Gottes, vom Wesen der Offenbarung erkannt. Das biblische Wort selbst war ja Wort für eine geschichtliche Situation. Gott selbst ist nicht an Sich denkbar, sondern immer nur im Bezug auf die Menschen. Er ist kein in Sich ruhendes höchstes Wesen, das erkannt werden kann, wie es wirklich ist, oder auch nicht. "Einen Gott, den 'es gibt', gibt es [64] Gott wendet sich zu oder ab, jedenfalls ist er in Bewegung bezüglich der biographischen Situation eines Menschen oder der geschichtlichen Situation vieler Menschen. Also auch zwischen Mensch und Gott besteht eine Korrelation!

Was Paul Tillich "Methode der Korrelation" nennt, bedeutet eigentlich nichts weiter, als dass durch die Theologie göttliche Antworten auf menschliche Fragen formuliert werden. Wesentlich dafür sind nicht nur die Antworten, die der göttlichen Offenbarung entnommen sind, sondern gerade auch die Fragen, wie sie die Menschen in ihrer geschichtlichen Situation existentiell betreffen. Würden diese Fragen nicht gestellt werden, wäre die Antwort keine echte Antwort, die Offenbarung keine wirkliche Offenbarung, sondern ein "Schuss ins Leere":

"Wir kennen keine andere Offenbarung als die Begegnung von Göttlichem und Menschlichem, an der das Menschliche faktisch beteiligt ist. Das Göttliche ist ein Feuer, das das menschliche Erz umschmilzt, aber was sich ergibt, ist nicht von der Art des [65]

Natürlich ist das biblische Wort offenbartes Wort. Aber zwischen der Situation der ersten Hörer bzw. Leser und unserer Situation besteht wirklich ein "himmelweiter" Unterschied. Für uns ist diese Wort nicht mehr direkte, sondern potentielle Offenbarung. Sie muss uns zugeeignet werden, vermittelt, und zwar unserem "Verständnishorizont" entsprechend, denn wie Martin Buber feststellt, sind wir als Menschen am Ereignis der Offenbarung immer beteiligt. Gottes Wort geschieht nicht über unseren Kopf hinweg.

Es ist nötig, bei der geschichtlichen Situation der Menschen anzuknüpfen, um ihnen die Offenbarung Gottes zuzueignen. Sonst ist da nicht Gottes Wort, das verkündigt wird, sonst geht die Verkündigung vorbei an den Menschen. Darüber hinaus müssen existentielle Frage und theologische Antwort auch in der Sprache der jeweiligen geschichtlichen Situation formuliert sein. Ein Beispiel: wie Bonhoeffer hält auch Tillich das Reden von einem Gott "hoch droben" für nicht mehr haltbar. Den Begriff "Höhe" vertauscht er mit dem der "Tiefe", der uns vertrauter ist: tiefsinnig, Bedeutungstiefe, Tiefe des Lebens usw.

Ist aber nun die Antwort, also die Offenbarung, abhängig von der menschlichen Frage? Wenn es so ist, ist es keine echte Offenbarung mehr, die von jenseits jeder menschlichen Existenz uns zugesprochen wird. Auch kann es nicht so sein, dass Fragen aus vorgefertigten Antworten hergeleitet werden, wie das in der Praxis des öfteren der Fall ist, denn dann sind ja die Fragen nicht mehr echt.

Damit es dazu nicht kommt, ist die theologische Hermeneutik notwendig. Sie ist sozusagen die Schaltstelle im "Frage-Antwort-Spiel", der Transformator zwischen Gott und den Menschen. Inhaltlich dürfen menschliche Frage und göttliche Antwort nicht voneinander abhängig sein.[66] Formal müssen sie es sein, um zueinander zu passen wie zwei Puzzleteile oder ein Schlüssel ins Schloss. Nur so kann ein Bild entstehen oder eine Tür geöffnet werden.

Das theologische System, in dem der Fragesteller sich bewegt, gibt den Fragen ihre Form und richtet sie auf die Antwort aus. Andererseits darf die Antwort den Menschen nicht wie ein Fremdkörper präsentiert werden. Sie muss die Form der Fragestellung annehmen, also Fleisch werden.

Bevor also verkündigt werden kann, muss richtig hingehört werden auf die Menschen, ihre Fragen und die Sprache, in der sie diese formulieren. Bevor verkündigt werden kann, muss die geschichtliche Situation der Menschen untersucht werden.

 

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2. Analyse: Religion im ausgehenden 20.Jahrhundert

2.1. Menschliche Grundfragen

"Der Mensch IST die Frage nach sich selbst, noch ehe er irgendeine Frage gestellt [67]

Fragen gehört zum Menschsein, und Grundfragen der Menschen sind immer gleich: woher komme ich, wohin gehe ich, woher beziehe ich meinen Wert, was ist der Sinn meines Daseins. Es sind Fragen nach Gott, Liebe, Leid und Tod. Diese Fragen wurden schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte  gestellt, wie die Analyse mythologischen Materials beweist.[68]

Aus der Pädagogik weiß man, dass Kinder schon ab dem vierten Lebensjahr diese Fragen stellen und Antworten darauf suchen.

Schamanen, Priester, Philosophen und Theologen haben schon immer versucht, Antworten zu geben. Keine Antwort kann jedoch endgültig formuliert werden. Wenn christliche Verkündigung glaubwürdig sein will, muss sie Antworten geben können, die wirklich Antworten sind, nicht nur rezitierte Lehrsätze; Antworten, die die Menschen treffen.

Es scheint, dass der Mensch diverse Bilder oder Mythen in sich selbst trägt, die ihm diese Fragen zu beantworten versuchen. Sehr interessant wäre an dieser Stelle eine Untersuchung zu C. G. Jungs Archetypen und dem Unbewussten [69]: "Jeder Mensch - selbst der Atheist - findet in seinem Unbewussten Bilder Gottes [70] Wie verhalten sich Jungs Theorien zu den Grundfragen der Menschen? Könnte christliche Verkündigung nicht evtl. hier anknüpfen - nur anknüpfen! - und so einen leichteren Weg finden, nicht nur gehört, sondern auch verstanden und angenommen zu werden?

Das wäre jedoch das Thema einer Examensarbeit für sich, es kann an dieser Stelle nicht erörtert werden.

Warum sollte aber die Psychologie nicht der Verkündigung helfen können? Wenn man es mit der Fleischwerdung des Wortes ernst nimmt, gehört sie letztendlich dazu. Und wenn Unbewusstes und Archetypen den Menschen in irgendeiner Weise beeinflussen, könnte es eine gute Möglichkeit sein, sie zu benutzen, um das Wort Fleisch werden zu lassen.

 

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2.2. Kulturbedingte Fragen

"Geschichtliche Situation" ist ein dehnbarer Begriff. Im weiteren Sinn stehen wir in der geschichtlichen Situation unserer Kultur.

Die moderne Kultur hat in der Aufklärung den "entscheidenden Punkt, an dem sie sich selbst ihrer voll bewußt [71]. Hinter sie kommen wir nicht zurück, und um sie nicht herum. Mit der Aufklärung begann auch die Säkularisierung. Der Mensch begann, sich in allen Bereichen seines Lebens wissenschaftlich-technischer Methoden zur Erklärung der Welt zu bedienen. Das hatte drei entscheidende Folgen:

 

2.2.1. Die Preisgabe der Teleologie

Der mittelalterliche Mensch sah sich dem Willen Gottes gegenüber. Mit der Vorstellung vom Willen Gottes verband sich die Vorstellung von einem Ziel aller irdischen Geschichte, auf das dieser Wille hinsteuert. Dieses Ziel war die Wiederkunft Christi und die eschatologische Erneuerung der Welt. Innerhalb dieses zielgerichteten Willens hatte jeder Mensch seinen Platz und seine Bestimmung.

Mit der Entwicklung der Wissenschaften wird jedoch die Teleologie aus dem Bereich modernen Denkens verdrängt. Die Kategorien von Ursache und Wirkung reichen aus, um die Welt zu erklären, die Kategorie von Bestimmung und Ziel hat da keinen Platz mehr. Sie ist sogar eher hinderlich, wenn man nämlich Fakten erhalten will, denn sie lässt sich nicht in ein analytisches und mathematisches System eingliedern.

Die Wissenschaft blieb natürlich nicht bei der Erforschung der Natur stehen, sondern dehnte sie auch aus auf "menschliches Verhalten, Arbeit und Gesel[72]. Hier lässt sich die Kategorie der Bestimmung nicht so leicht verdrängen, denn alle Arbeit hat ja ein bestimmtes Ziel. Aber die Entwicklung zur kapitalistischen Marktwirtschaft begünstigte diesen Trend. Durch Mechanisierung und Marktforschung wurden alle Arbeitsprozesse in ein System eingegliedert, in der sie keine Bestimmung mehr an sich haben, sondern ein Teil des ganzen sind, das nach erklärbaren Gesetzen funktioniert. Das Prinzip von Ursache und Wirkung wird hierbei ersetzt durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Auch in anderen soziologischen Zusammenhängen wurde die Teleologie und damit auch Gott ausgeschaltet. In der Rechtswissenschaft sagte z.B. schon Anfang des 17. Jahrhunderts der Holländer Hugo Grotius, dass das Recht Gültigkeit besitze "etsi Deus non daretur" - "auch wenn es Gott nicht gäbe".

Mit allen positiven Folgen, die diese Entwicklung mit sich brachte, und ohne die wir heute nicht so gut leben könnten, gibt es doch negative Begleiterscheinungen, die unser Leben besonders prägen. Besonders zu nennen ist das verstärkte Gefühl von Sinnlosigkeit. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine Frage von transzendentem Charakter, da sie die Antwort nicht im irdischen, d.h. vergänglichen Bereich sucht. Nicht nach einem guten Leben, Erfüllung der materiellen Wünsche, Sicherheiten wird hier gefragt, sondern nach dem wirklichen Sinn, letztendlich nach dem Sinn allen Lebens. Mit der Preisgabe der Teleologie sieht sich der Mensch nun der Sinnlosigkeit ausgesetzt.

Genau das sieht auch Paul Tillich als das eigentliche Problem der Neuzeit: "Die Angst, die unser Zeitalter beherrscht, ist die 'Angst des Zweifels und der Sinnlosigkeit': Man fürchtet, den Sinn der eigenen Existenz zu verlieren oder bereits verloren zu h[73]

Der Mensch am Ende der Neuzeit steht in einer Situation von "Zerrissenheit und Zwiespalt, Selbstzerstörung, Sinnlosigkeit und Verzweiflung in allen Lebensber[74].

Zum vulkanartigen Ausbruch kam diese Erfahrung erst im 20. Jahrhundert durch die Erschütterung der beiden Weltkriege. War vorher noch aufklärerischer Idealismus prägend, der den Frieden schaffen wollte - noch vom ersten Weltkrieg erhoffte sich der britische Schriftsteller H. G. Wells, er sei "the war that´ll end wars", "der Krieg, der die Kriege beenden wird" -, Gerechtigkeit und eine bessere Welt, so tritt im 20. Jahrhundert an seine Stelle kritischer Realismus und Resignation.

Der Mensch der Aufklärung glich Prometheus. Er hatte hohe Ziele und Ideale, er wollte das Feuer vom Himmel holen. Der Mensch des 20. Jahrhunderts gleicht Sysiphos. Tag für Tag wälzt er seinen Stein den Berg hinauf, und wenn dieser wieder herunterrollt, bleibt er vielleicht einen Moment stehen und fragt, welchen Sinn es hat, hinterherzulaufen und von neuem zu beginnen, aber er tut es. Er verrichtet die tägliche Arbeit ohne das hohe Ideal, die Welt verbessern zu wollen. Zwei Weltkriege und hunderte weitere Kriege und Konflikte haben ihn gelehrt, dass er das nicht so einfach kann. Er tut, was zu tun ist, und tut es im Anblick der Sinnlosigkeit. Könnte durch Verkündigung und Seelsorge nicht hier ein entscheidender Beitrag geleistet werden?!

 

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2.2.2. Absolutes Glücksstreben

Fragt man nach Glück, dann fragt man gleichzeitig nach der Bestimmung des Menschen. Da man aber die Teleologie aufgegeben und keinen Platz mehr für Bestimmung und Ziel hatte, hing fortan die Definition von "Glück" von jedem persönlich ab. Im wahrsten Sinn des Wortes wird so ein jeder seines Glückes Schmied.

Mit der Entwicklung der Wissenschaften bildete sich im 18. Jahrhundert die Idee des Fortschritts vollständig aus. Wenn alles erklärt werden kann, so kann auch alles beherrscht werden. Die Aufklärung war beseelt von dem Gedanken, eine bessere Welt zu schaffen. Das endgültige, letzte, jenseitige Ziel wurde vorweggenommen zu einer diesseitigen Machbarkeit, der Garten Eden zum irdischen Arbeitsfeld. "Das 18. Jahrhundert verlagerte die Heilige Stadt aus der jenseitigen Welt ins D[75]

Beides hat einen tiefen Einschnitt im Leben der Menschen zur Folge:
"Die Menschen des Mittelalters glaubten mit tiefem Ernst, daß endgültiges Glück nur jenseits des Todes liege. Sie erwarteten es in seiner Fülle nicht auf dieser Erde. Aber die Methoden moderner Wissenschaft liefern keinen Anhaltspunkt, daß man an irgendetwas nach dem Tode glauben könnte. Darum muß man den ganzen Umfang menschlichen Glücks in den wenigen kurzen und ungewissen Jahren erreichen, die uns vor dem endgültigen Ende durch den Tod beschert sind. Umso hektischer wird das Verlangen nach Glück, angstbeladener, als es die Menschen des Mittelalters je [76]

Weil aber auch das absolute Glücksstreben unter die Erfahrung der Sinnlosigkeit fällt, wird es noch verzweifelter. Es ist ein Teufelskreis, und die christliche Botschaft könnte eine Perspektive geben, ihn zu durchbrechen. Ein Stichwort wäre "Hingabe".

Bringt die Erfahrung der Sinnlosigkeit die Zerrüttung der menschlichen Psyche mit sich, so ist die letzte Konsequenz des absoluten Glücksstrebens die Zerstörung der Erde. Hier könnte die Verkündigung eine wesentliche prophetische Aufgabe übernehmen, und hier liegt vielleicht auch die Substanz, mit der man den biblischen Begriff "Buße" oder "Umkehr" nicht-religiös, aber verständlich füllen könnte.

 

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2.2.3. Aufspaltung in zwei Lebensbereiche

Durch die Aufklärung ging die mittelalterliche Einheit von Materie und Geist, Mythos und Welt, Religion und Wissenschaft verloren. Bei der Welterklärung wurden nur noch strenge Tatsachen akzeptiert. Dabei übersah man, dass Mythen eine Art von Welterklärung sind, für die Wissenschaft nicht ausreichend ist. Grundfragen des Lebens, auch Wertfragen können mit Ursache und Wirkung nicht hinreichend beschrieben werden.

Die Folge dieser Trennung war für die Religion, dass sie keine öffentlich prägende Kraft mehr darstellte, sondern den Rückzug in den Privatbereich, in die Innerweltlichkeit antreten musste. Nun war "Vernunft die oberste Herrscherin... Sie kann sich nicht beugen vor irgendeiner anderen Autorität als vor den sogenannten Tatsachen. Keine angenommene göttliche Offenbarung, keine noch so alte Tradition und kein noch so heiliges Dogma dürfen gegen den Gebrauch der Vernunft ein Veto e[77]

Vernunft und Tatsachen bilden also den einen Bereich des Lebens, den öffentlichen Bereich. Der andere Bereich ist der private Bereich der Werte, Überzeugungen und persönlichen Meinungen. Hier gilt, dass "jeder nach seiner Fasson" glücklich werden soll. Das ist die Plausibilitätsstruktur unserer Gesellschaft.[78] Und so kann es zu dem Phänomen kommen, dass ein moderner Mensch in dem eigenartigen, schizophren anmutenden Zwiespalt steht, einerseits nur das korrekt Beweisbare glauben zu dürfen und andererseits jedes noch so unmögliche Hirngespinst glauben zu können.

Abweichungen von der Plausibilitätsstruktur, also von den vorgegebenen Grundlagen oder Traditionen einer Kultur wird als "Häresie" bezeichnet. Da es im privaten Bereich keine verbindlichen Strukturen mehr gibt, sondern Pluralismus herrscht, ist Häresie Normalität, und es gilt der "häretische I[79]:
"Der westliche Kulturkreis läßt im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen den Menschen in sehr weit gezogenen Grenzen die Freiheit, ihre eigenen Vorstellungen zu entwickeln von dem, was gut und erstrebenswert ist... welcher Lebenswandel geschätzt wird, welche ethischen Regeln privates Leben bestimmen sollen... ...Der konkurrierende Wahrheitsanspruch anderer Religionen wird nicht als Herausforderung zur Auseinandersetzung und eigener Standortbestimmung angesehen. Vielmehr sind sie schlicht Teil des Mosaiks - oder vielleicht sollte man sagen Kaleidoskops - der verschiedenen Wertvorstellungen, die erst zusammen das ganze Bild fo[80] Dementsprechend ist die entscheidende Form der Kommunikation heute nicht die argumentative Auseinandersetzung, sondern der Dialog; überhaupt ist statt Konfrontation Kommunikation angesagt.

Weiterhin fällt, wie Newbigin hier auch verdeutlicht, eine weitgehende Überzeugungslosigkeit auf, die ein wesentliches Merkmal der westlichen Kultur zu sein scheint. Grund dafür ist einerseits die Werteverunsicherung der Menschen. Im öffentlichen Leben gibt es das "Ideal, das man paradoxerweise so definieren kann, dass das einzig wirklich Wertvolle wertfreie Fakten [81]. yes">  Als Mensch muss man sich aber für bestimmte Werte entscheiden. Diese Entscheidung unterliegt heute der Freiheit jedes Einzelnen, sie gehört in den privaten Bereich, in gewissen Grenzen natürlich. Als einzige Verbindlichkeit könnte man einen nicht genau definierbaren humanistischen Konsens annehmen, der öffentlich propagiert wird. Da er aber das absolute Glücksstreben einschränkt, wird er im privaten Bereich doch nicht konsequent verfolgt, wie Berichterstattungen immer wieder beweisen.

"Denker der Aufklärung stellten die Frage, wie man denn logisch von der Feststellung einer Tatsache ('das ist so') zur Beurteilung eines Wertes ('das sollte anerkannt oder getan werden') kommen könnte", aber es gibt "logischerweise keinen gangbaren Weg vom 'ist' zum '[82]

An dieser Stelle schließt sich der Kreis wieder zur Teleologie. Überhaupt sind alle drei Punkte eng miteinander verbunden. Hätte man im modernen Weltbild die Kategorie einer Bestimmung, eines Zieles, dann gäbe es eine Lebensausrichtung, dann gäbe es Werte, dann gäbe es eine Überzeugung. Ohne Teleologie kann es aber keine Überzeugung geben, weder christlich noch sonst wie.

Neben der Werteverunsicherung ist der andere Grund für die Überzeugungslosigkeit wohl da zu suchen, dass konsequentes Vertreten von Überzeugungen nur in der Nähe radikaler oder sektiererischer Gruppen vermutet wird, die wiederum dem humanistischen Konsens nicht entsprechen. Vertreter dieser Gruppen sind dann wirklich Häretiker, d.h. sie weichen von der Plausibilitätsstruktur unserer Gesellschaft ab und werden als solche nicht mehr toleriert.

Für die christliche Verkündigung ergibt sich hier eine ganze Reihe von Aufgaben: Wie kann sie wieder über den Bereich des Privaten hinausgreifen in den Bereich der Öffentlichkeit, ohne intolerant zu werden oder durch eine zu fundamentalistische Haltung die Menschen zu verschrecken?[83] Wie kann die christliche Botschaft wieder gesellschaftsprägend-reforma- torisch wirksam werden? Wie kann sie überzeugende Werte vermitteln? Wie kann sie unter einer glaubwürdigen Teleologie den Menschen wieder zur Erfahrung der Ganzheitlichkeit des Lebens verhelfen?[84]

Abschließend zu diesen durch die Aufklärung bedingten kulturellen Fragen muss noch gesagt werden, dass wir heute wieder an einem Wendepunkt stehen. Die Naturwissenschaften befinden sich gegenwärtig in einem "Paradigmenwechsel von einer eher mechanischen zu einer mehr holistischen Weltansicht,... Descartes ...trennte Materie strikt vom Geist. Doch solcher Dualismus ist heute nicht mehr en vogue. Denn die Forscher-Avantgarde beschreibt den Kosmos inzwischen als zusammenhängenden, lebendigen Organismus. Die moderne Physik erkennt nicht länger einen Unterschied zwischen stofflicher Substanz und Be[85]

Vielleicht wird auch im Gespräch mit den Naturwissenschaften wieder Platz für Gott.[86]

 

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2.3. Religiöse Fragen im ausgehenden 20.Jahrhundert

"Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach, so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös [87]

Hatte Dietrich Bonhoeffer mit seiner Prognose recht? Stehen wir am Ausgang des 20. Jahrhunderts vor einer völlig religionslosen Zeit?

Das kommt darauf an, was man unter Religion versteht. Einerseits nehmen wir die Zunahme neureligiöser Bewegungen und die Erweiterung des Einflussbereichs von Esoterik und Spiritismus wahr. Andererseits schreitet die Entkirchlichung der Menschen unaufhaltsam voran. Trotz der Rede vom "religiösen Markt" muss man feststellen, dass der Prozess der Säkularisierung und damit der Säkularismus als Lebenshaltung immer tiefer geht - weiter um sich greifen kann er ja kaum noch. Und doch scheinen wiederum religiöse Symbole eher an Beliebtheit zu gewinnen als zu verlieren. In etwa jedem zehnten Popsong der achtziger Jahre tauchte das Symbol "Engel" auf.

M.E. kann man von einer völlig religionslosen Zeit in dem Sinn sprechen, dass Religion selbst unter den Einfluss der Säkularisierung gerät. Sie erfährt eine totale Veränderung, wird ihres ursprünglichen Sinnes beraubt und neu definiert.

Die Rede vom "religiösen Markt" ist insofern sehr treffend, wie sie verdeutlicht, dass Religion zur Ware wird. Andererseits könnte man auch sagen, dass Ware, oder besser "die Welt des Kaufens und Verka[88] religiöse Bedeutung erlangt. Beides, Weltliches und Religiöses, verschmilzt also. Es verschmilzt aber nicht in Aufwärtsrichtung, sondern in Abwärtsrichtung. Im Grunde genommen ist dieser Prozess der Verschmelzung von Welt und Religion im Mittelalter sehr ähnlich. Er lässt sich auch feststellen, wenn es um alternative Heilmethoden, um das Rätsel der Pyramiden oder die Herkunft des Lebens geht: fast überall spielen im "Volksglauben" religiöse oder pseudoreligiöse Momente eine Rolle, und zwar so eng verwoben mit der Substanz, dass beides kaum mehr voneinander trennbar ist: "Religion weist hier nicht mehr auf Transzendentes, sondern weiht Immanenz. Vom Jenseits entkoppelt... mit dem Diesseits ver[89]

"Freilich: im säkularisierten Gut leben Dimensionen des Ursprungsbereiches fort, sonst würde es im Profanen seine Funktion nicht erfüllen können... Das religiöse Muster verweist jedoch nicht mehr auf ein Jenseits, sondern das säkulare Produkt wird durch Jenseitiges er[90]

Religion kann heute in unserer westlichen Kultur kaum noch für sich selbst sprechen. Sie muss eine bestimmte Funktion erfüllen, z.B. als Unterhaltungs-, Bildungs- oder Freizeitwert dienen. Oder sie hilft zur Selbstfindung des Menschen, oder zur Transzendenzerfahrung des Menschen, oder zum seelischen Ausgleich des Menschen, oder zur Ganzheitlichkeit des menschlichen Lebens. Immer steht jedoch der Mensch dabei im Mittelpunkt. Er ist nicht mehr "Diener des Herrn", sondern er läßt sich bedienen. "Wo der Markt religiös wird, stiftet Religion keine Gemeinschaft mehr, sondern eine Produk[91] Religion muss sich dem absoluten Glücksstreben unterordnen, sie ist ein Teil des Angebots auf dem Weg durchs Leben.

Analog dazu ist Religiosität  sog. nicht-verfasste Religiosität. Eine große und festgefügte Gemeinschaft ist nicht mehr erwünscht, man will anonym bleiben und nicht festgelegt werden. Glaube wird immer mehr "Glaube ohne [92], zumindest ohne Kirchenbewusstsein. Die Strukturentwicklung tendiert eher zu kleinen, fast familiären Kreisen oder lockeren Netzwerken. Die Beziehungen der Menschen untereinander sind hauptsächlich bestimmt durch gemeinsame Interessen und Ansichten und werden geregelt durch Angebot und Nachfrage. Besteht keine Nachfrage mehr, dann kann man den Kreis wieder verlassen. Eine solche Bewegungsfreiheit wird als wohltuend empfunden. So kommt es, dass man zwischen den Kreisen "pilgert", dass man Religion diskontinuierlich und punktuell ausübt, wie man es eben gerade braucht. Man hat als Kunde keine Verpflichtungen. Letztendlich führt das dazu, dass es kein allgemeinverpflichtendes Modell von Religiosität mehr gibt, nur noch Phänomene, keine Gebote, nur noch Angebote, keine allgemein gültige Wahrheit, nur noch relative Wahrheit.

Religion als Gottesverehrung hört langsam auf zu existieren, statt dessen tritt an diese Stelle Religion als Selbstverwirklichung. Von einer Lehre, gar Ideologie kann man nicht mehr sprechen. Einziges verbindliches Element ist der weitgehend private Charakter der Religionsausübung.[93] Sinn- und Zielfragen kann so eine Religion nicht mehr beantworten, außer vielleicht mit dem Hinweis auf ein gutes und erfülltes Leben. Da das aber keine echten Antworten sind[94], kommt es bei den meisten Menschen zu sog. "Sinnvermeidungsstrategien", die nichts anderes als Verdrängung sind.[95] Man lebt eben, und man lebt auch ohne Religion.

Für die christliche Verkündigung wird diese Situation sehr schwer zu bewältigen sein, da ihr Stück für Stück der Boden, auf dem sie gebaut hat, entzogen und enteignet wird. Unweigerlich stellt sich angesichts der Tatsachen die Frage  "Warum überhaupt Verkündigung?" Aber wie schon gesagt, "Es geht um Gott!" Wie soll dann aber verkündigt werden?

 

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3. Ausblick: Verkündigung im ausgehenden 20.Jahrhundert

Eigentlich wollte ich diesen letzten Teil mit "Konsequenzen" überschreiben, aber ich merke, dass ich das nicht leisten kann. Auch "Ausblick" ist eigentlich noch zu hoch gegriffen.

Ich halte es mit Heinz Zahrnt, der im Blick auf Bonhoeffer sagt: "Die weltliche Interpretation der Bibel kann man nicht entweder haben oder nicht haben, sondern man kann sich nur immer wieder neu um sie bem[96] So muss es auch mit unserer Verkündigung sein: wenn wir die Aufgaben der theologischen Hermeneutik im ausgehenden 20. Jahrhundert kennen, müssen wir uns bemühen, ihnen gerecht zu werden. Einen Fahrplan dazu kann aber keiner erstellen. Doch einige Anregungen, die mir selbst wichtig geworden sind, sollen diese Arbeit abschließen.

Da ist zunächst einmal das, was ich bei Bonhoeffer gefunden habe und mit "theological correctness" bezeichnen möchte. Es gilt, beides, den Glauben und die Welt, ernst zu nehmen, und deshalb ganz ehrlich zu sein. Ganz ehrlich heißt auch, dass wir über nichts sprechen sollten, was wir nicht einsichtig darlegen und erklären können. Ernstzunehmende Einwände gegen den Glauben, auf die wir keine Antwort haben, sollten wir weder mit gut formulierten theologischen Konstruktionen noch mit frommen Sprüchen abtun. Schwerer, aber ehrlicher ist es, sie so stehen lassen zu können. Wenn wir das aber können, wird man uns auch als Gesprächspartner ernst nehmen. Es kann sein, dass uns selbst die Bedeutung unseres Glaubens und seiner Symbole und Begriffe ganz entgleitet, wenn wir uns mit der Welt konfrontieren lassen. Ist das so, dann ist es m. M. nach sogar besser, zu schweigen und zu beten und das Gerechte unter den Menschen zu tun.[97]

Zum Ernstnehmen der Welt gehört es, den Menschen, mit denen wir es zu tun haben, volle Achtung als Mensch und gleichwertiges Gegenüber entgegenzubringen. "Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann..., einen Gerechten oder einen Ungerechten..., dann wirft man sich Gott ganz in die A[98] Deshalb sollten wir auch nicht aus den Menschen, mit denen wir zu tun haben, etwas machen. Sie sollten so bleiben können, wie sie sind, und nicht erst als Voraussetzung für den Erfolg unserer Verkündigung sich mit irgendetwas anderem identifizieren müssen.

"Der Orthodoxe wird ihn als 'Sünder' bezeichnen; der Neuorthodoxe als 'Geschöpf'; der Liberale vielleicht als 'Seele'. Aber die richtig verstandene Bibel wird ihn als Menschen an[99] Wir sollen ihn als Mensch sehen und ihm zuhören, dann wird sich aus seinen Fragen und Problemen ein Zuspruch oder Anspruch, wie wir ihn von Gott her wissen, ergeben.

Paul Tillich, der mit einem "Ende der protestantischen Ära" rechnete, hat sich deshalb bemüht, die Form eines Christentums zu umreißen, wie es kommen müsste, um wieder die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu ergreifen und zu verändern. Unter anderem nennt er einen "evangelischen Katholizismus": "Ein Protestantismus, in dem Meditation und Kontemplation, Ekstase und 'mystische Vereinigung' keinen Raum mehr haben, hat aufgehört, Religion zu sein; er ist zu einem intellektuellen und moralischen System in traditionellen religiösen Begriffen gew[100] Damit schließt sich der Kreis wieder zu der fundamentalen Bedeutung von Bildern. Es kann nicht sein, dass Verkündigung nur aus Lehren und Rezitieren besteht. Viel wichtiger ist das Zeigen Gottes.[101] Wir müssen den Menschen eine Vision, ein Sehen von dem vermitteln, wie Gott ist; wie Gott mit ihnen, in ihrer Situation ist. Das ist mehr als ängstliche Apologetik, das erfordert einen mutigen Schritt nach vorn, ins Ungewisse, aufs Wasser. Der Mensch, mit dem ich rede, muss sich darauf einlassen. Tut er es nicht, kann ich ihm nichts beweisen oder begründen. Das ist für meine Begriffe recht verstandene Mission.

Noch etwas wird deutlich: "evangelischer Katholizismus", das ist etwas, was jenseits von Konfessionsstreitigkeiten liegt. Das ist der andere wichtige Punkt, der mir hier aufgeht. Schon Bonhoeffer hielt die Unterschiede für nicht mehr echt.[102] Ich denke, dass auch unsere Verkündigung so sein muss: jenseits von katholisch oder evangelisch, jenseits von sakral und profan und, das ist mir besonders wichtig, jenseits von liberal und konservativ.

Wenn sich die Fronten so verhärten, wenn die Verkündigung so eingleisig fährt, dann kann sie nicht viel bewirken. Sie ist dann nicht mehr, wie soll ich sagen... inspiriert. Es darf nicht dazu kommen, dass wir unsere innertheologischen Streitigkeiten auf dem Rücken der Hörer austragen, aber auch schon die ängstliche Abgrenzung gegen eine andere Glaubensrichtung ist ein großer Schaden. Ständig darauf bedacht, ja nicht das falsche zu sagen, kann man gar nicht mehr kreativ sein. Und ich denke, angesichts der Tatsachen, wie sie sich uns heute stellen, brauchen wir alle Inspiration und Kreativität, die wir bekommen können. Glaube ist kein Sack, in den die Hörer des verkündigten Wortes theologische Richtigkeiten stopfen sollen, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott. Alle Bollwerke, die wir in unseren Worten oder auch nur Gedanken aufrichten, wirken da nicht nur langweilig, sondern zerteilen darüber hinaus auch noch Christus, dessen Leibes Glieder wir alle sind.

Möchte Gott uns Mut und Kraft geben, zu verkündigen! Denn: "die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen"!

 

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Literaturverzeichnis

1. Bibeln

Die Bibel mit Erklärungen. Nach der Übersetzung Martin Luthers (revidierter Text), Berlin und Altenburg, 1989
Die Bibel. Nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers (unrevidierter  Text), Berlin, 1952

 

2. Fachliteratur

Barth, Karl: Die Kirchliche Dogmatik I. Die Lehre vom Wort Gottes 2,
               Zürich, 6. Auflage 1975

 Bonhoeffer, Dietrich: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft,
               München, 1970

 Bonhoeffer, Dietrich: Treue zur Welt. Meditationen,
               München, 1971

Bonhoeffer, Dietrich: Das Wesen der Kirche,
               München, 1971

 Ebeling, Gerhard: Das Wesen des christlichen Glaubens,
               Tübingen, 1961

 Grün, Anselm: Biblische Bilder von Erlösung.
               Münsterschwarzach, 1. Auflage 1993

 Hauschildt, Friedrich (Hrsg.): Text und Kontext in Theologie und Kirche,
                Hannover, 1989

 Hollenweger, Walter J.: Interkulturelle Theologie III. Geist und Materie,
               München, 1988

 Jacobi, Jolande: Die Psychologie von C.G.Jung,
               Frankfurt/Main, 1991

 Jung, C.G.: Bewußtes und Unbewußtes. Beiträge zur Psychologie,
               Frankfurt/Main, 1990

 Jüngel, Eberhard: Gott als Geheimnis der Welt. Zur Begründung der Theologie
               des Gekreuzigten im Streit zwischen Theismus und  Atheismus,
               Tübingen, 5.Auflage 1986

 Lapide, Pinchas: Auferstehung. Ein jüdisches Glaubenserlebnis,
               Stuttgart und München, 6. Auflage 1991

 Newbigin, Lesslie: "Den Griechen eine Torheit". Das Evangelium und unsere westliche Kultur,
               Neukirchen-Vluyn, 1989 Neukirchen-Vluyn, 1989

 Pannenberg, Wolfhart: Thesen zur Theologie der Kirche,
               München, 1. Auflage 1970

 Tillich, Paul: Systematische Theologie I,
               Stuttgart, 2. Auflage 1956

 Zahrnt, Heinz: Die Sache mit Gott. Die protestantische Theologie im 20. Jahrhundert,
               München, 3.Auflage 1996

 Zahrnt, Heinz: Gespräch über Gott. Die protestantische Theologie im 20. Jahrhundert, Textbuch,
               München, 1968

 Wilder, Amos N.: Weltfremdes Christentum?
               Göttingen, 1958

 

3. Zeitschriften

Materialdienst der EZW 4, April 1993/8, August 1996/11, November 1996

Focus Nr.45, November 1995/Nr.15, April 1996

 

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 Fußnoten

Jes.40,3-5, Die Bibel mit Erklärungen. Nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1964 (AT) und 1984 (NT), Berlin und Altenburg, 1989 (BME)   [Zurück]

Ps.68,9, Die Bibel. Nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers (unrevidierte Fassung), Berlin (BIB)   [Zurück]

Zit. Emil Brunner, Natur und Gnade, nach: Heinz Zahrnt, Gespräch über Gott, München, 1968 (GESPRÄCH), S.308   [Zurück]

Zit. Heinz Zahrnt, Die Sache mit Gott, München, 1988 (SACHE), S.9   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Die Menschlichkeit Gottes, ebd., S.92   [Zurück]

Röm.10,14 nach BIB   [Zurück]

Zit. Eberhard Jüngel, Gott als Geheimnis der Welt, Tübingen, 1986, S.308   [Zurück]

Zit. Wolfhart Pannenberg, Thesen zur Theologie der Kirche, München, 1970, S.41   [Zurück]

vgl. Paul Tillich, Das protestantische Zeitalter, nach: Zahrnt, SACHE, S.384 ff.   [Zurück]

Zit. Paul Tillich, ebd.   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Die Kirchliche Dogmatik I. Die Lehre vom Wort Gottes, 2. Zürich, 1975, S.839   [Zurück]

Zit. Zahrnt, SACHE, S.385   [Zurück]

ebd.   [Zurück]

Zit. Tillich, In der Tiefe ist Wahrheit, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.465   [Zurück]

Koh. 3,1-6 nach BIB   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Das Wort Gottes und die Theologie, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.302   [Zurück]

vgl.  Jüngel, aaO., S.316ff.   [Zurück]

Zit. Helmut Gollwitzer, Die Existenz Gottes im Bekenntnis des Glaubens, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.421f.   [Zurück]

Zit.  Paul Tillich, Werke V, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.426f.   [Zurück]

Zit. Helmut Gollwitzer, Die Existenz Gottes im Bekenntnis des Glaubens, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.422   [Zurück]

Zit.  Karl Barth, Römerbrief, nach: Zahrnt, ebd., S.302   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Das Wort Gottes und die Theologie, nach: Zahrnt, ebd., S.303   [Zurück]

Zit.  Karl Barth, Gesammelte Aufsätze I, nach: Zahrnt, SACHE, S.29   [Zurück]

Zit. Zahrnt, SACHE, S.30   [Zurück]

vgl. Paul Tillich, nach: Zahrnt, SACHE, S.384   [Zurück]

vgl. Zahrnt, SACHE, S.15   [Zurück]

Zit. Ernst Lange, Brief an einen Prediger, nach: Friedrich Hauschildt (Hrsg.), Text und Kontext in Theologie und Kirche, Hannover, 1989,  S.97   [Zurück]

vgl. Paul Tillich, der warnt: "...der Geistliche, der sich als Märtyrer einer göttlichen Erfolglosigkeit fühlt und sogar sich an dieser Erfolglosigkeit berauscht, macht sich schuldig durch Mangel an Gegenwärtigkeit." Zit. Werke IV, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.310   [Zurück]

vgl. Helmut Gollwitzer: "'Gott ist tot' meint: wir leben unser Leben normalerweise nicht mehr auf einen jenseitigen Bezugspunkt hin, und 'normalerweise' meint: sofern das einzelne unter uns noch tun, hat das keine allgemeine Bedeutung mehr; es wird toleriert als ihre private Liebhaberei... ", aber auch: "Unsere Haltung ist die des offenen Fragens, die Unabgeschlossenheit, also der Skepsis und Toleranz... Wir sind also nicht mehr die triumphierenden Atheisten der ersten Generation, wir ziehen nicht mehr gegen die Religion zu Felde als gegen Pfaffenbetrug und Aberglauben... " Zit. Von der Stellvertretung Gottes, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.403f.   [Zurück]

Zit. Zahrnt, SACHE, S.185   [Zurück]

vgl. unter 2.2.3 "Aufspaltung in zwei Lebensbereiche"   [Zurück]

vgl. Karl Barth, Römerbrief, nach: Zahrnt, SACHE, S.31   [Zurück]

vgl. ebd., S.22   [Zurück]

vgl. ebd., S.70ff.   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Römerbrief, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.18   [Zurück]

vgl. Karl Barth, Die Menschlichkeit Gottes, nach: Zahrnt, SACHE, S.92   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Die Menschlichkeit Gottes, ebd., S.93   [Zurück]

vgl. ebd., S.100ff.   [Zurück]

vgl. ebd., S.107ff   [Zurück]

Zit. ebd., S.105   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Die Menschlichkeit Gottes, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.310   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Nein!, ebd.   [Zurück]

Zit. Walter J. Hollenweger, Geist und Materie, München, 1988, S.134   [Zurück]

Zit. Karl Barth, Die Menschlichkeit Gottes, nach:  Zahrnt, yes">  GESPRÄCH, S.309   [Zurück]

Zit.  Zahrnt, SACHE, S.170   [Zurück]

Zit. Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, München, 1970, S.305   [Zurück]

Zit.  Karl Barth, Die Menschlichkeit Gottes, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.309   [Zurück]

Zit.  Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, nach: Zahrnt, SACHE, S.171   [Zurück]

Zit.  Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.307   [Zurück]

vgl. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.312   [Zurück]

Zit. ebd., S.305   [Zurück]

vgl. ebd., S.368f.   [Zurück]

Zit. ebd., S.312   [Zurück]

Zit. ebd., S.415, vgl. auch Dietrich Bonhoeffer, Das Wesen der Kirche, München, 1971   [Zurück]

Zit. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.394   [Zurück]

Zit. Zahrnt, SACHE, S.174   [Zurück]

vgl. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.414   [Zurück]

Zit. ebd., S.401   [Zurück]

vgl. Dietrich Bonhoeffer, Ethik, nach: Dietrich Bonhoeffer, Treue zur Welt, München, 1971, S.62f.   [Zurück]

vgl. auch Friedrich Gogarten   [Zurück]

Zit. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.312 als Kritik an Karl Barth   [Zurück]

Zit. Paul Tillich, Systematische Theologie I, Stuttgart, 1956, S.9   [Zurück]

Zit. Paul Tillich, Werke IV, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S.310   [Zurück]

Zit. Dietrich Bonhoeffer   [Zurück]

Zit. Martin Buber, nach: Pinchas Lapide, Auferstehung, München und Kösel, 1991, S.54   [Zurück]

vgl. Tillich, Systematische Theologie, S.78   [Zurück]

Zit. Tillich, aaO., S.76   [Zurück]

vgl. aaO. in Bezug auf H.Gunkel, Die Sagen der Genesis   [Zurück]

vgl. C.G.Jung, Bewußtes und Unbewußtes, Frankfurt a.M., 1990, S.11ff., auch Jolande Jacobi, Die Psychologie von C.G.Jung, Frankfurt a.M. 1991, S.17ff. und 144ff.   [Zurück]

Zit. Anselm Grün, Biblische Bilder von Erlösung, Münsterschwarzach, 1993, S.60 in Bezug auf Jungs Psychologie   [Zurück]

Zit. S.25 und alles weitere vgl. Lesslie Newbigin, Den Griechen eine Torheit, Neukirchen-Vluyn, 1989   [Zurück]

Zit. ebd., S.31   [Zurück]

Zit. Zahrnt, SACHE, S.380   [Zurück]

Zit. Tillich, aaO., S.61   [Zurück]

Zit. Newbigin, aaO., S.30   [Zurück]

Zit. aaO., S.29   [Zurück]

Zit. Newbigin, aaO., S.28   [Zurück]

vgl. Peter Berger aaO., S.15: "Plausibility structure" ist die Gesellschaftsstruktur, die "mit ihren Vorstellungen und Praktiken die Voraussetzungen dafür schafft, welche Weltanschauungen in der betreffenden Gesellschaft plausibel sind". Berger selbst glaubt allerdings nicht, dass es so etwas wie eine Plausibilitätsstruktur in unserer Gesellschaft gibt, da wir alle unter dem "häretischen Imperativ" stehen. Newbigin macht deutlich, dass der häretische Imperativ nur für den privaten Bereich gilt, nicht für den öffentlichen, und dass das die Plausibilitätsstruktur der modernen westlichen Kultur ist.   [Zurück]

vgl. Peter Berger, The Heretical Imperativ, aaO., S.14ff.   [Zurück]

Zit. aaO., S.19   [Zurück]

Zit. aaO., S.37   [Zurück]

Zit. aaO., S.37   [Zurück]

vgl. aaO., S.23: Das Ziel ist ja nicht, eine mittelalterliche Theokratie wiederaufzurichten. Diese Tendenz scheint aber Newbigin zu verfolgen.   [Zurück]

vgl. Tillich, aaO., S.79 zu den Problemen Tod, Sinnlosigkeit und Teleologie: "Wenn...der Begriff Gott in der systematischen Theologie in Korrelation mit der in der Existenz liegenden Bedrohung durch das Nichtsein erscheint, dann muß Gott die unendliche Macht des Seins genannt werden, die der Bedrohung durch das Nichts widersteht... Wenn die Angst als das Gewahrwerden der Endlichkeit verstanden wird, dann muß Gott der unendliche Grund des Mutes genannt werden... Wenn der Begriff 'Reich Gottes' in Korrelation mit dem Rätsel unserer geschichtlichen Existenz erscheint, dann muß 'Reich Gottes' der Sinn, die Erfüllung und die Einheit der Geschichte genannt werden."   [Zurück]

Zit. Focus Nr.45, 6.9.1995, S.259   [Zurück]

vgl. Hollenweger, aaO.   [Zurück]

Zit. Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.305   [Zurück]

Zit. Michael Nüchtern, Was heißt "religiöser Markt"?, Materialdienst 11, November 1995, S.315   [Zurück]

Zit. ebd., S.315   [Zurück]

Zit. ebd., S.315   [Zurück]

Zit. ebd., S.315   [Zurück]

vgl. Focus Nr.15, 6.4.1996, S.52ff.   [Zurück]

vgl. Nüchtern, a.a.O., S.313ff.   [Zurück]

vgl. dazu 2.1, "Grundfragen"   [Zurück]

vgl. Hansjörg Hemminger, Religion am Ausgang des 20. Jahrhunderts, Materialdienst Nr.4, April 1993, S.99ff.   [Zurück]

Zit. Zahrnt, SACHE, S.173   [Zurück]

vgl. Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, S.328   [Zurück]

Zit. ebd., S.402   [Zurück]

Zit. Amos N. Wilder, Weltfremdes Christentum?, Göttingen, 1958, S.31   [Zurück]

vgl. Paul Tillich, Werke VII, nach: Zahrnt, SACHE, S.391   [Zurück]

vgl. Heinrich Ott, Wirklichkeit und Glaube I, nach: Zahrnt, GESPRÄCH, S. 335f.   [Zurück]

vgl. Bonhoeffer, aaO., S.415   [Zurück]

 

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