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"Durch Adams Fall ist ganz verderbt..." (EKG 243)

Genesis 3 - Exegetische und tiefenpsychologische Reflexionen
und hermeneutische Schlussfolgerungen

 

Eingereicht an der
Kirchlich - theologischen Fachschule
Missionshaus Malche e.V. Bad Freienwalde,
Februar 1996
Vorgelegt von: Kathleen Gude
Für das Internet überarbeitet im März 2002

 

Inhaltsverzeichnis

 

I. Abkürzungsverzeichnis
II. Einleitung
III. Bibliographische Beschreibung

 

1. Der Text Gen 3/1-24
2. Einleitungsfragen
     
2.1. Der Verfasser, die Zeit und der Ort
     2.2. Die Entstehung des J und seine Quellen
     2.3. Die Theologie des J
     2.4. Gen 3 im Kontext des J
     2.5. Literarkritische, traditionsgeschichtliche und redaktionsgeschichtliche Überlegungen
3. Der Text aus exegetischer Sicht
4. Der Text aus tiefenpsychologischer Sicht
     4.1. Einleitung
     4.2. Das Gebot Gottes und die Vertreibung aus dem Paradiesgarten
             4.2.1. Objektale Deutung von Gen 3/1-5 anhand der Psychologie S. FREUDS (PSA)
             4.2.2. Subjektale Deutung von Gen 3/1-5 anhand der Psychologie C. G. JUNGS (APS)
     4.3. Im Getriebe der Angst (Gen 3/1-5+6)
     4.4. Schuldgefühl, Scham, und Todesdrohung (Gen 3/7-24)
     4.5. Die Strafen Gottes aus dem Blick der Psychologie
5. Hermeneutische Schlussfolgerungen
    5.1. Der Ursprung des Bösen und die Theodizee
    5.2. Sündenfall und Rechtfertigung
    5.3. Jesus der Christus aus unserer Angst
    5.4. Schöpfung und Neuschöpfung

 

Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Nachschlagewerke
3. Exegetischer Teil
4. Tiefenpsychologischer Teil
5. Sonstige Literatur  
Fußnoten

 

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I. Abkürzungsverzeichnis

 

Gen = Genesis
Ez = Hesekiel
Lk = Lukasevangelium
Jo = Johannesevangelium
Apg = Apostelgeschichte
= Römerbrief
2Ko = 2. Korintherbrief
Gal = Galaterbrief  

Off = Offenbarung des Johannes
Pls = Paulus
AT = Altes Testament
J = Jahwist
j = jawistisch
E = Elohist
P = Priesterschrift
dtr = deuteronomistisch 

PSA = Psychoanalyse
psa = psychoanalytisch
APS = analytische Psychologie
israelit. = israelitisch
Trad. = Tradition
mündl. = mündlich
sex. = sexuell 

Anmerkungen der Verfasserin erscheinen in { }.
Hebr. Transkription nach E.D.: exeget.!
Weitere Abkürzungen nach dem Duden.

 

II. Einleitung

 

Gen 3 exegetisch und tiefenpsychologisch zu bearbeiten - eine reizvolle Aufgabe. Viele Exegeten haben sich schon mit dieser Thematik beschäftigt. Dogmatiker entwickelten an diesem und an anderen (z.B. Rö 5/12-21) Texten die Lehre von der Erbsünde. Die Tiefenpsychologen faszinierte und fasziniert die bildreiche Sprache des Textes. Menschen auf der ganzen Welt fragen, woher das Böse in der Welt stammt und was die Ursache all des zu erfahrenden Leides ist. Wahrscheinlich ließe sich die Reihe noch weiter fortsetzen, aber die aufgeführten Dinge sollen reichen, um darzustellen, dass dieser Text viele Rätsel aufgibt und eine ungeheure Anziehungskraft besitzt. Man fragt sich natürlich, warum uns dieser alte Text nicht loslässt. Sicherlich liegt es an der Sprache des Verfassers. Sie ist urtümlich, sagt vieles, was wir mit unserem Intellekt nicht oder nur kaum ausdrücken können. STEPHEN KING sagte einmal: "Die wichtigsten Dinge lassen sich am schwersten ausdrücken, denn Worte verkleinern sie." Wie recht er hat, denn diese Erzählung spricht unser Innerstes an, lässt uns mit Gott und den ersten Menschen mitleiden. Aus diesem Grund lässt sich auch die Verbindung von Exegese und Tiefenpsychologie innerhalb der Theologie begründen. Wie anders als durch die Tiefenpsychologie, sollen die Abläufe in unserer Seele verständlich werden? Dabei muss sie natürlich auf die Erkenntnisse der Exegese aufbauen, die Absicht des Verfassers erklären und darf sich nicht im Uferlosen verlieren. Eine schwierige Aufgabe, noch dazu wenn man sich die verschiedenen Richtungen der Psychologie anschaut. Da finden wir z.T. sehr verschiedene Auffassungen vom Menschen und seinen inneren Abläufen, welche einer kritischen Reflexion bedürfen. So ist eigentlich schon von Anfang an klar, dass auch eine tiefenpsychologische Auslegung nicht die ganze Wahrheit erfassen kann, genauso wie jede Form theologischen Arbeitens an ihre Grenzen stößt. Immer werden Möglichkeiten offen und Wahrheiten nicht erkannt bleiben. Allgemeingültige Aussagen gibt es nicht. So erhält der Text erst seine Wirkung, wenn sich der Leser auf ihn einlässt und seine Sprache ganz subjektiv auf ihn wirken kann.

Ich wünsche mir, dass meine exegetischen, tiefenpsychologischen und schlussfolgernden Überlegungen dazu helfen können.

 

III. Bibliographische Beschreibung

Die gestellte Aufgabe zu dieser Arbeit lautete, die Erzählung vom Sündenfall (Gen 3) aus exegetischer und tiefenpsychologischer Sicht zu betrachten und daraufhin hermeneutische Schlussfolgerungen zu ziehen. Auf diesem Weg konnte ich feststellen, dass Gen 3 in engstem Verhältnis zur J Schöpfungsgeschichte steht, und mit ihr gemeinsam in das Geschichtswerk des J eingeordnet ist, um Heilsgeschichte zu erzählen. Diese Erkenntnis wirkte sich auch auf meine hermeneutischen Schlussfolgerungen aus, indem ich auf die Eschatologie als Hoffnung des Christen, auf letztendliche Erlösung aus der sündhaft veränderten Schöpfung, verwies. Die wesenhafte Veränderung der gesamten Schöpfung ergab sich aus der exegetischen Betrachtung der ätiologischen Strafworte in Gen 3/14-19, welche die Grundlage des Dogmas von der Erbsünde bilden. Ich versuchte, reflektierend auf dieses Dilemma, einen Ausweg aufzuzeigen, der für einen Christen nur Christus unser Herr, sein kann. Er starb für alle unsere Sünden und besiegte sie, was mit der Auferstehung bezeugt und in seiner Wiederkunft offenbar wird. Als ein grundlegendes Thema des Sündenfalls erkannte ich, in der tiefenpsychologischen Betrachtung, die Angst des Menschen. Sie entsprang aus dem Misstrauen, welches die Schlange der Frau ins Herz gesät hatte, wobei man sich diese nicht als reale Gestalt, sondern als Verkörperung unseres Unbewussten denken muss. Als tragisch erkannte ich die Aufrichtung aller Abwehrmechanismen der Frau, um die Angst zu besiegen und letzten Endes doch zu scheitern. Auch in den Strafworten konnte ich aus tiefenpsychologischer Sicht das Thema der Angst erkennen. Hier sind die fünf Urängste unseres Lebens geschildert, die das Elend des Daseins ausdrücken. Auch darauf suchte ich, in den hermeneutischen Schlussfolgerungen eine Antwort in Christus zu finden. So könnte man als Ziel dieser Arbeit den Hinweis auf Christus als Antwort des Glaubens auf die Sündenverfallenheit des Menschen bezeichnen. Vorausgesetzt werden muss dann natürlich die Sündenerkenntnis des Menschen.

 

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 1. Der Text Gen 3/1-24 [1]

  1. Die Schlange aber war listiger als alle Tiere des Feldes, die Jahwe, Gott gemacht hatte, und sie sprach zum Weibe: Gott hat wohl gar gesagt, ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen ?
  2. Da sprach das Weib: Wir dürfen essen von den Früchten der Bäume im Garten,
  3. nur von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet.
  4. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet ja gar nicht sterben,
  5. sondern Gott weiß wohl, dass, sobald ihr davon esset, euch die Augen aufgehen werden, und ihr wie Gott sein werdet, wissend Gutes und Böses.
  6. Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er lieblich anzusehen sei und begehrenswert, um klug zu werden; da nahm sie von seiner Frucht und aß und gab auch dem Manne neben ihr und er aß.
  7. Da gingen den Beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Da flochten sie Feigenlaub zusammen und machten sich Schürzen.
  8. Als sie nun das Geräusch Jahwes, Gottes, hörten, wie er beim Tageswind im Garten wandelte, da versteckte sich der Mensch mit seinem Weibe vor dem Angesicht Jahwes, Gottes, unter den Bäumen des Gartens.
  9. Jahwe, Gott, aber rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du denn?
  10. Er sprach: ich hörte dein Geräusch im Garten, da fürchtete ich mich, weil ich nackt bin und versteckte mich.
  11. Da sprach er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist. Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?
  12. Da sprach der Mensch: Das Weib, das du mir gegeben hast, das hat mir von dem Baum gegeben, da habe ich gegessen.
  13. Da sprach Jahwe, Gott, zum Weibe: Was hast du da getan! Das Weib aber antwortete: Die Schlange hat mich verfuhrt; da habe ich gegessen.
  14. Da sprach Jahwe, Gott, zur Schlange: Weil du das getan hast, sei verflucht vor allem Vieh und allem Getier des Feldes. Auf dem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.
  15. Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; er wird dir nach dem Kopfe treten und du wirst ihm nach der Ferse schnappen.
  16. Zum Weibe sprach er: ich will dir viel Beschwerden machen in deiner Schwangerschaft, unter Schmerzen sollst du Kinder gebären. Nach deinem Manne soll dein Verlangen sein, aber er soll dich beherrschen!
  17. Und zum Menschen sprach er: Weil du auf deines Weibes Stimme gehört hast und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot: du sollst nicht davon essen, - verflucht sei der Erdboden um deinetwillen, mühsam sollst du dich von ihm nähren, solange du lebst;
  18. Dom und Gestrüpp lasse er dir sprossen, und das Kraut des Feldes sollst du essen.
  19. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, von dem du genommen bist; denn Staub bist du und zum Staub sollst du zurückkehren.
  20. Da nannte der Mensch sein Weib Chawwa (Leben), denn sie ist die Mutter aller Lebenden geworden.
  21. Und Jahwe, Gott, machte dem Menschen und seinem Weibe Kleider aus Fell und zog sie ihnen an.
  22. Und Jahwe, Gott, sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, wissend Gutes und Böses. Nun aber, dass er nicht seine Hand ausstrecke und nicht auch von dem Baum des Lebens breche und esse und dann ewig lebe -,
  23. So schickte ihn Jahwe, Gott, fort aus dem Garten Eden, dass er den Erdboden bebaue, von dem er genommen war.
  24. Da vertrieb er den Menschen, und ließ östlich vom Garten Eden die Cherube sich lagern und die Flamme des Zickzackschwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

 

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2. Einleitungsfragen

Da auch eine tiefenpsychologische Betrachtung nicht ohne Kenntnis des Verfassers, seines Denkens und seiner Beweggründe für die Abfassung eines solchen Textes erfolgen kann, müssen zunächst auch diese Fragen geklärt werden. Wir wollen ja die Tiefenpsychologie als hermeneutische Methode, zum besseren Verständnis des J nutzen. Für die exegetische Reflexion ist die Abhandlung dieses Themas erwiesenermaßen und ohne Zweifel, sehr aufschlussreich.

 

2.1. Der Verfasser, die Zeit und der Ort

Beim Verfasser von Gen 3 handelt es sich um den sogenannten J, der vermutlich die älteste Quelle des Pentateuch darstellt. G.V.RAD bezeichnet den J als großen Psychologen unter den biblischen Erzählern. [2] Sein Stil ist klar, realistisch und frisch. Ein besonderes Kennzeichen ist das anthropomorphe Gottesbild, der Universalismus und die Wortwahl "Jahwe", "Sinai", "Kanaaniter" anstatt "Elohim", "Horeb" bzw. "Gottesberg", "Amoriter".[3]

Über den Umfang des J gibt es verschiedene Meinungen. Während man sich über den Beginn noch einig ist (2/4b), ist das Ende des J nicht so leicht zu erfassen.[4] Die Abfassungszeit liegt vermutlich in der davidisch-salomonischen Zeit um 930 vor Christus.[5] Über den Entstehungsort herrscht weitgehende Übereinstimmung. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass der Verfasser oder der Verfasserkreis am Jerusalemer Königshof gewirkt hat, da er judäische Traditionen bevorzugt und sich gedanklich mit dem nationalen Königtum beschäftigt. Vielleicht war er ein "Weiser", schreibkundiger Mann [6] oder es handelt sich um einen judäischen Priester- oder Prophetenkreis.[7]

 

2.2. Die Entstehung des J und seine Quellen

Parallelüberlieferungen, mehrfache Motive und sprachliche Indizien lassen auf eine allmähliche Entwicklung des J schließen.[8] So entstanden 3 Hypothesen:

J entstand aus 2 selbständigen Quellen: Jl und J2 (SCHRADER, BUDDE, SMEND) (EISSFELD ersetzte Jl durch L= Laienquelle und FOHRER durch N= Nomadenquelle)[9]

J und E gehen auf eine gemeinsame schriftliche Vorlage zurück: Grundschicht= G (NOTH, KILLIAN, FRITZ)

Überlieferungsgeschichtliche Hypothese: Es gab keine schriftliche Vorlage, sondern mündl. Überlieferungen gleicher Stoffe.

Daraus erklären sich Analogien und Unterschiede.[10] Die meisten Exegeten nehmen heute an, dass der J zwar ein Schriftsteller, aber auch ein Redakteur und Sammler alter Überlieferungen war. So wird es sich beim J wohl eher um überlieferungsgeschichtliche als literarkritische Spannungen handeln.[11]

 

2.3. Die Theologie des J

Indem der J volkstümliche Darstellungen, alte Vorstellungs- und Ausdrucksformen aufnimmt (so auch Sagen mythologischen Gehalts) und sie geistlich umdeutet, macht er aus "'Geschichten' Geschichte".[12] Seine Absicht ist es, aus Einzelgeschehen große Komplexe einer theozentrischen Geschichte zu formen. So ist ein großes Geschichtswerk entstanden, das Heilsgeschichte erzählt. Ein das ganze Geschichtswerk des J prägender Satz ist Gen 6/5: "... alles Dichten und Trachten ihres Herzens ... böse ... immerdar ... ." Und doch erbarmt sich Jahwe immer wieder seiner Geschöpfe und will dem Menschen seinen Segen erhalten. Das zeigt sich ganz deutlich am Abschluss der Urgeschichte: Nach dem Turmbau zu Babel scheint alles vorbei zu sein, da Jahwe die Menschen in alle Welt zerstreute und ihre Sprache verwirrte. Und doch: Jahwes Gnade und Liebe zu den Menschen hat kein Ende. Er beruft sich Abraham und macht so einen Neuanfang für die gesamte Menschheit, indem er durch ihn alle Geschlechter auf Erden segnen will (Gen 12/3). Man kann also sagen, dass Ur- und Vätergeschichte perfekt miteinander verschweißt sind, der eigentliche Abschluss der Urgeschichte demzufolge erst in Gen 12/3 und nicht schon in Gen 11/9.

So lässt sich die Theologie des J in ein paar Worten zusammenfassen: Schuld, Gericht, Gnade und Segen für alle Völker. Aber aus diesem Grund ergibt sich für den Exegeten ein großes Problem bei der Auslegung: Inwieweit kann man einen Text aus diesem hervorragenden Geschichtswerk herausreißen ohne die Gesamtabsicht des J zu verfälschen? Die einzige Möglichkeit wird wohl sein, dass wir all dies jetzt Gesagte bei der Interpretation im Hinterkopf behalten.

 

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2.4. Gen 3 im Kontext des J

Wie wir schon festgestellt haben, hat der J Einzelgeschehen in große Komplexe eingeordnet. So ist Gen 3 nur aus dem Kontext der gesamten Urgeschichte heraus zu verstehen.[13] In ihr schildert der J wie der Mensch aus der Urgemeinschaft und Urgeborgenheit mit Gott im Paradies durch schuldhaftes Vergehen herausfällt und die Schuld des Menschen immer weiter anwächst, bis Jahwe enttäuscht feststellen muss, dass das Dichten und Trachten des Menschen böse ist immerdar (Gen 6/5). Wenn wir uns den näheren Kontext von Gen 3 anschauen, so sehen wir, dass in Gen 2/4b-2/25 die Welt- und Menschenschöpfung geschildert wird und in Gen 4/1-16 Kains Brudermord. Gen 2/4b und Gen 3 bilden eigentlich eine Einheit, sind im Prinzip, wie WESTERMANN u.a. Ausleger feststellen, eine Erzählung. So wird es letztlich, um Gen 3 recht zu verstehen, nötig sein, die Schöpfungsgeschichte des J (Gen 2/4b-2/25) wenigstens in einem Abriss kurz darzustellen, um sie uns ins Gedächtnis zurückzurufen:

 

  • 2/4b-5: Trockenzustand der Erde, Unfruchtbarkeit
  • 2/6: Befeuchtung der Erde
  • 2/7: Schaffung (= handwerkliches Tun Gottes) des Menschen ('dm) aus Erde ('dmh) und Verleihung des Lebens durch Lebensodem von Gott
  • 2/8: Pflanzung eines Gartens und Hineinsetzung des Menschen
  • 2/9: Schaffung der Bäume, sonderlich des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse
  • 2/10-14: Schilderung von Fruchtbarkeit und Reichtum des Paradiesgartens (Fluss mit 4 Hauptarmen, Reichtum an Rohstoffen, z.B. Gold)
  • 2/15: Einsetzung des Menschen in den Paradiesgarten, Auftrag zur Arbeit (Gartenpflege)
  • 2/16: Erlaubnis von allen Bäumen des Gartens essen zu dürfen
  • 2/17: Gebot des Nicht-Essens vom Baum der Erkenntnis und Todesdrohung
  • 2/18: Beschluss Gottes eine Hilfe für den Menschen zu schaffen
  • 2/19+20: Schaffung der Tiere, Namengebung durch den Menschen und Feststellung, dass keines der Tiere eine Hilfe für den Menschen ist (eine Entsprechung)
  • 2/21+22: Schaffung der Frau aus der Rippe Adams (Tiefschlaf), Brautführung (Gott führt die Frau zum Mann)
  • 2/23: Jubelnder Empfang der Frau (als Hilfe und Entsprechung des Mannes erkannt)
  • 2/24: Anziehungskraft zwischen Mann und Frau
  • 2/25: Unbefangenheit der Geschlechter

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Gen 2/4b-25 alles handwerklich (dem J entsprechend ziemlich anthropomorph) um den Menschen herum (er ist das Zentrum - das Wichtigste), geschaffen wird, während in Gen 1/1-2/4b (=P) alles durch gebietendes Wort in einem festen 7-Tageschema geschaffen wird, in dem der Mensch (oder die Sabbatruhe?) die Krönung der Schöpfung ist.

In Gen 4 wird erzählt, wie sich die Sünde im Leben des Menschen weiter fortsetzt und die Auflehnung des Menschen gegen Jahwe, sich in der Folge gegen den Menschen selbst kehrt und im Brudermord offenbar wird.[14] Erstaunliche Parallelen sind zu Gen 3 vorhanden: die freie Entscheidung des Menschen zur Sünde (3/6 und 4/7), die unmittelbare Begegnung Gott - Mensch (3/8 u.a. und 4/16), das Verhör (3/9-13 und 4/9+10), die Verfluchung des Ackers (3/17b+18 und 4/11+12) und die Vertreibung vor Gottes Angesicht (3/22-24 und 4/16). Weiterhin schildert Gen 4 die Aufspaltung der Menschheit in Hirten bzw. Viehzüchtern und Ackerbauern. Es findet also eine kulturelle Entwicklung statt.

 

2.5 Literarkritische, traditionsgeschichtliche und redaktionsgeschichtliche Überlegungen [15]

 

3/1-7: 3/1-5: hat relative Selbständigkeit als ursprüngliche Erzählung von der Verfehlung nur eines Menschen (wie Ez 28/1-19).

3/6+7: Verbindende Erweiterung der ursprünglichen Erzählung auch mit 2/25 durch den Redakteur.

3/8-24: Ist formal als "Rechtsakt" gestaltet.

3/8-13: Beschreiben Entdeckung und Verhör.

3/14-19: Sind redaktionelle Strafworte über Schlange, Frau und Mann, in der ursprünglichen von Fluchworten als Ätiologie. Die Fluchworte sind rhythmisch und weisen so auf ihre Bedeutung als Rechtssätze hin. Sie sind nur noch bei Schlange und Acker erhalten geblieben. Die Bestrafung des Mannes ist ein literarisches Konglomerat, welches die Einheit von Gen 2 und 3 schon voraussetzt.

3/20: Ist eine Einschaltung einer Stammbaumnotiz, welches die Geburt eines Kindes voraussetzt und Anlass zur Namensgebung gibt.

3/21+23: Bilden mit der Ausweisung des Menschen aus dem Paradiesgarten, den ursprünglichen Abschluss von Gen 2/4b-3/24. Diese Verse setzen die Einheit von 3/1-7 schon voraus.

3/22+24: Sind eine deutlich sekundäre Erweiterung der Erzählung und schildern die Vertreibung aus dem Paradiesgarten. Die Bilder von Flammenschwert und Lebensbaum stammen aus einer eigenen Tradition, vermutlich der babylonischen.

 

So wird man sich die Entwicklung von Gen 3 ungefähr so vorstellen können: Der J nahm die ursprüngliche Erzählung von der Verfehlung eines Menschen (3/1-5) auf, schrieb dazu die Verse 6+7 um zu zeigen, dass alle Menschen schuldig wurden und setzte die Erzählung mit 3/8-13 fort, welche ihren eigentlichen Abschluss in 3/21+23 findet. In diesen Abschnitt schaltete er 3/14-19 ein: ursprünglich Fluchworte, die er aber redaktionell veränderte, so dass sie nur noch über Schlange und Acker erhalten geblieben sind. Wir können innerhalb der Strafworte einen antithetischen Bezug zu Gen 2 in Gestalt von Klimax und Antiklimax feststellen. Daraus ist zu schlussfolgern, dass Gen 3/14-19 aufzeigen will, wie durch die Gebotsüberschreitung die schöpfungsgemäßen Zustände in ihr Gegenteil verkehrt sind. Das ist die großartige redaktionelle Leistung des J! Ganz zum Schluss schaltete der Redakteur (J?) dann Gen 3/20 ein und erweiterte die Erzählung mit Gen 3/22+24.

 

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3. Der Text aus exegetischer Sicht

V.  l: Über die Bedeutung der Schlange haben sich viele Ausleger den Kopf zerbrochen. So entstanden verschiedene Hypothesen:[16]

  • Schlange= Verkleidung des Satans - besonders bedeutend für die altchristliche Auffassung und die Dogmatik
  • Schlange= bloße Symbolgestalt, symbolisiert die Begierde des Menschen (Talmud, B. JAKOB)
  • Schlange= urspr. mythologische Gestalt, durch israelitische Tradition, zum Tier abgewertet (so z.B. GUNKEL) innerhalb der mythologischen. Deutung:
    a) als Heilbringer: bringt Weisheit und Leben
    b) dualistischer Charakter: Lebens- und Todestier
    c) antigöttlich-chaotischer Charakter oder Gott-feindlicher Dämon
  • Schlange= besonders kluges Tier, dass sie reden kann = Märchenzug

 

Sehr oft wurde die Schlange entsprechend These 3 als symbolische Verkörperung des kanaanäischen Fruchtbarkeitskultes und somit einer Lebensversprechung gesehen (JA. SOGGIN, MC.KENZffi, J.DANIELOU, J.COPPENS).[17] Dass dies nicht sein kann, zeigt schon die Absicht des J, den Sündenfall als ein universales, die ganze Menschheit angehendes Urgeschehen darzustellen.[18] Was wir mit Sicherheit über die Schlange sagen können:
Sie ist ein Geschöpf Gottes.
Dies wird uns mit besonderem Nachdruck im Text selbst gesagt. So wird wohl, wie WESTERMANN sagt, die Funktion der Schlange aus der Struktur der Erzählung zu entnehmen sein.[19] Dem J geht es um die Darstellung der Versuchung, der "als Vorgang im Menschen geschildert"[20] werden könnte und der besseren Anschaulichkeit halber in der Gestalt der Schlange nach außen verlagert ist.[21] "J kann und will nicht eine Erklärung des Bösen geben" und gebraucht so das Bild von der Schlange "offenbar, um das unlösbare Rätsel des Bösen stehen zu lassen."[22] So steht die Verführung plötzlich als etwas absolut Unerklärliches in der guten Schöpfung Gottes (da).[23] Die Erwähnung der Schlange hat etwas Beiläufiges an sich,[24] sie wird im Grunde genommen gar nicht recht eingeführt, sondern eine besondere Eigenschaft hervorgehoben.[25] Sie ist 'rwm, d.h. listig, klug, schlau. Dem Erzähler kommt es also gar nicht so sehr darauf an, was die Schlange ist, sondern was sie sagt [26] und daraufhin bewirkt. Sie erkundigt sich in Gestalt einer interessierten Frage, nach dem Gebot Gottes (vgl. Gen 2/17), welches sie aufgreift aber zugleich auch verfälscht, indem sie das ganze Gegenteil des von Gott Gesagten ausdrückt (vgl. 2/16).

V. 2+3: Damit hat die Schlange ihr Ziel erreicht: die Frau wurde zwangsläufig in ein Gespräch verwickelt und kann eigentlich gar nicht anders, als Gott verteidigen, dadurch, dass sie die infame Infragestellung Gottes und seines Gebotes revidiert. Sie tut dies, indem sie das Gebot wortwörtlich wiederholt. Doch leider geschieht ihr selbst dabei ein verheerender Fehler, weil sie sozusagen im "Eifer des Gefechts", selbst das Gebot übertreibt. Das hat seinen Grund darin, dass durch die generelle Infragestellung des Gebotes durch die Schlange, eine Verzerrung des Gottesbildes und damit Misstrauen entstanden ist. So hat Gott wohl den Genuss der Früchte dieses einen Baumes {Hier ist weder vom Baum des Lebens, noch vom Baum der Weisheit und Erkenntnis die Rede! - Ein redaktionsgeschichtliches Problem!} verboten, "aber dass er nicht einmal angerührt werden dürfe, hat Gott nicht gesagt."[27] Die Frau richtet also ein Berührungstabu auf. Ein Tabu ist immer die Auswirkung einer bestimmten Angst. DREWERMANN meint nun, dass diese Angst sich auf die angedrohte Todesstrafe in 2/17b bezieht und durch komplizierte psychische Prozesse auf Gott übertragen ist.[28] Dies ist eine plausible Deutung, die im tiefenpsychologischen Teil der Arbeit genauer zu betrachten ist.

V. 4+5: "Die Entgegnung der Schlange besteht in der Bestreitung der Folge des Genusses der Frucht (V.4) und einer Begründung dieser Bestreitung (V.5)"[29] Stilistisch gesehen, ist V.4 eine Behauptung mit ungewöhnlicher Betonung.[30] Aus dem Kontext der Angst heraus, schlussfolgert DREWERMANN, dass die Schlange mit diesen Worten der Frau die Angst vor der Todesdrohung nehmen will. So gibt sie der Frau "wie ein Trost, die Versicherung ...: deine Angst ist überflüssig, ja gänzlich unbegründet; ihr werdet nicht sterben - das genaue Gegenteil des Gotteswortes."[31] Indem die Schlange der Frau so den Erhalt des Daseins zusichert, wird sie zur Lebensspenderin für die Frau und übernimmt letztendlich die Rolle Gottes.[32] {Die genaueren psychischen Zusammenhänge müssen im psychologischen Teil der Arbeit genauer betrachtet werden.} V. 5 wird bei den meisten Auslegern unter dem Motiv "Neid der Götter" gesehen (z.B. RAD, ZIMMEREI, WESTERMANN, DREWERMANN). Danach suggeriert die Schlange der Frau, dass Gott dieses Gebot aus Missgunst, Neid {bis hierher gehen noch RAD, WESTERMANN u.a. mit} und Angst um seine Stellung bildete und die Androhung der Todesstrafe eine Art Selbstschutz sei.[33] So werden Gott und Mensch zu Gegnern im Kampf um das gleiche Territorium.[34] Es geht hier um die "Erkenntnis von Gut und Böse", welches eine das ganze Menschsein umfassende und bestimmende Erkenntnis meint, die über förderlich oder abträglich, nützlich oder schädlich entscheiden kann.[35] WESTERMANN sagt schlussfolgernd, dass die "Erkenntnis" und das "sein wie Gott" nicht zweierlei aussagen, sondern dasselbe meinen, nämlich "eine auf das höchste gesteigerte Befähigung zur Bewältigung des Daseins."[36] Man kann also V. 5 als Ermutigung zur Auflehnung gegen das Gebot Gottes, seitens der Schlange verstehen, obwohl dies nicht direkt gesagt wird.

 

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V. 6: Und so kommt es auch: Die Frau sah, "dass von dem Baum gut zu essen wäre ... ." "Der tabuisierte Baum, auf den sich ohnehin im Zustande der Angst alle Aufmerksamkeit der Frau gerichtet hatte, erscheint nun, nach Beseitigung der Angst-Barrieren, als Inbegriff alles Erstrebenswerten."[37] Wenn Gott dem Menschen durch sein Gebot etwas vorenthielt, wie es die Schlange der Frau plausibel machte, ist es nur logisch, wenn sich der Mensch als Feind Gottes betrachtet und gegen ihn kämpfen muss, indem er bewusst das Gebot Gottes bricht. Der Mensch erhebt sich also selbst zu Gott. WESTERMANN betont, dass die Frau selbständig und voll verantwortlich handelt.[38] Allerdings muss man auch sehen, dass die kurze Schilderung des eigentlichen Geschehens, etwas so Selbstverständliches und Folgerichtiges hat,[39] das es schlussfolgernd logisch ist, wenn der Mensch die Frucht isst und schuldig wird. Damit will der Erzähler, wie WESTERMANN sagt, "auf das abgründige Rätsel hinweisen, dass zum Menschsein, ... dies immer gehören wird: dass der Mensch den Drang hat, durch Übertretung und Überschreitung der ihm gesetzten Grenzen sich selbst zu transzendieren."[40] {Die Frage muss sein, ob die Tiefenpsychologie diesen Vorgang erklärbar machen kann.}

"... und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß." "Daß dieser Satz wie ein Anhang wirkt, ist traditionsgeschichtlich darin zu begründen, dass die Verführungsszene 3/1-5 eine relative Selbständigkeit hat und auf die Erzählung zurückgeht, in der die Verfehlung nur eines Menschen (wie Ez 28) erzählt wurde."[41] Wenn der J ausdrücklich betont, dass der Mann auch schuldig wurde, so bezweckt er, "... das urzeitliche Geschehen von Schuld und Strafe als ein den Menschen in der Gemeinschaft betreffendes Geschehen darzustellen."[42] Im Gegensatz zu WESTERMANN, der in dem Handeln des Mannes ein bloßes unreflektiertes Mittun sieht, welches aber auch Schuld ist, sehe ich die Absicht des J darin, die innere Gedankenfolge der Frau auch auf den Mann zu übertragen, indem er in diesem Vers beide in die Schuldgemeinschaft stellt. Es ist also so, dass der Mann aus eben den selben Gründen wie die Frau schuldig geworden ist - beide misstrauen Gott und werfen ihm Vorenthaltung der Frucht aufgrund Neid, Angst und Selbstschutz vor. Sie machen sich die Gedanken der Schlange zu eigen, die, wie wir mit G.V.RAD festgestellt haben, eine Veranschaulichung eines Teils im Menschen ist. Ja man könnte, ohne große tiefenpsychologische Kenntnis annehmen, dass die Schlange unser Unbewusstes symbolisiert, der Gott immer wieder vorwirft er meine es nicht gut, halte dem Menschen etwas vor, habe im Grunde genommen gar Angst vor uns, so dass er schließlich dem Menschen nicht alles gestatten dürfe, um so seine Macht zu erhalten.

V. 7: Das Wort der Schlange bewahrheitet sich: "Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan,..." (vgl. V.5) Beide - Mann und Frau -, erkennen tatsächlich etwas vollkommen Neues, was ihnen bisher verborgen war, und sie sterben auch nicht gleich. Doch was erkennen sie? - Sie erkennen ihre Nacktheit und sie schämen sich dafür, auch wenn das in diesem Vers nicht direkt gesagt wird. Es wird aber vorbereitet durch 2/25, da hieß es: "... sie waren beide nackt ... und schämten sich nicht." und findet seinen Abschluss in 3/10, wo Adam als Grund für sein Verstecken seine Nacktheit angibt. Die Scham des Menschen bezieht sich also vordergründig auf die Beziehung des Menschen zueinander, wie es auch G.V.RAD feststellt.[43] Allerdings muss sich die Scham auch auf das Verhältnis des Menschen zu Gott beziehen. Sonst hätten sich Adam und sein "Weib" nicht sofort versteckt, als sie das Geräusch Gottes im Garten hörten. Auch die Begriffsdefinition von Gut und Böse [44] würde für diese Deutung sprechen. Die neu gewonnene Erkenntnis deckt einen Mangel auf und äußert sich in Scham. Wohl sind die Menschen jetzt sogar fähig diesem Mangel abzuhelfen (sie machen sich Schurze, um sich zu bedecken), aber ganz geglückt ist dieser Versuch nun doch nicht, was man an 3/10 ablesen kann. Das Feigenlaub kann zwar die Menschen voreinander, aber nicht vor Gott schützen.[45] So ist die Gemeinschaft von Mann und Frau in eine Gemeinschaft der Scham, des Misstrauens und der Angst pervertiert. Außerdem wird sich der Mensch seiner Schuld vor Gott bewusst. Durch die Übertretung des göttlichen Gebotes hat er seine Unschuld und Unbefangenheit, die er schöpfungsgemäß besaß, ein für allemal verloren.[46] "... das Wissen, das der Mensch hier erwirbt, ist ein Wissen über sich selbst in seiner eigenen Ohnmacht, in seinem Nacktsein, das ohne Gott sein Schicksal ist."[47] Dies stellt m.E. die Hauptaussage des Verses dar. Die übrigen Thesen der Veränderung kann man wie WESTERMANN als Teilaspekte stehen lassen.[48]

 

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V. 8-10: In diesen Versen wird das Auftreten Jahwes und sein Suchen um den Menschen beschrieben. Seltsam ist nur, dass während der Versuchungs- bzw. Verführungsszene die Frau im Mittelpunkt der Erzählung stand, nun Adam von Gott gesucht und angesprochen wird. In den Versen 1-5 handelt es sich um eine traditionsgeschichtliche Erzählung von der Verfehlung nur eines Menschen, in die der Redakteur nicht oder nur kaum eingegriffen hat. Darum nehme ich an, dass er, indem nun Adam im Mittelpunkt steht, die gleichwertige Schuld von Adam und Eva herauszustellen will. {Siehe dazu meine Bemerkungen zu V.6!} E.HAAG schreibt, dass die Begegnung Jahwes mit dem sündigen Menschen auf eine tiefe Störung des im Schöpfungsakt begründeten Gemeinschaftsverhältnisses schließt. Hiermit bringt er die Zusammenfassung des bis hierhin erfolgten Geschehens.[49] Wenn das AT vom Gericht Jahwes spricht, dann wird im Gericht dem Menschen die Zerstörung des ursprünglichen Gemeinschaftsverhältnisses offenbar. Jahwe entzieht dem Menschen alle bisher gewährten Segensgüter, um ihn auf diese Weise in seiner falschen Selbstsicherheit zu erschüttern, aber auch, um ihm die Möglichkeit eines weiteren Widerstandes gegen die Gottesherrschaft zu nehmen.[50] Jahwe erscheint im Gottesgarten und sucht Adam. Doch dieser versteckt sich mit seiner Frau, als er das Geräusch Jahwes vernimmt, da er sich seiner Nacktheit schämt. WESTERMANN sieht dies als Furcht des Bloßgestellt-Seins vor Jahwe. Dem Menschen muss erst gesagt werden, dass er schuldig geworden ist. DREWERMANN dagegen ist der Meinung, dass sich der Mensch aus Strafangst versteckt, weil er ihm seine Schuld vor Gott bewusst ist. Dieser Meinung möchte ich mich anschließen. {Vgl. dazu meine Bemerkungen zu V. 7!} Besonders hervorgehoben werden muss das stark Anthropomorphe der Erscheinung Jahwes.[51] Sie entspricht dem paradiesischen Gemeinschaftserleben zwischen Gott und Mensch, welches auf Seiten Gottes noch besteht. Die Absicht des Verfassers kann nur die Hervorhebung des Kontrastes zwischen Harmonie (Gott) und der Disharmonie (Mensch) sein, um die Schwere des Vergehens zu verdeutlichen.[52] Indem Jahwe Adam direkt anspricht, verfolgt Gott zweierlei.[53] Einerseits verlangt er vom Menschen, dass er sich zu seiner Sünde bekennt, andererseits will er zeigen, dass der strafende Gott zugleich der sich um den Menschen bekümmernde Gott ist.[54] Adam muss aus seinem Versteck heraustreten. Nur so, in der Anwesenheit des Schuldiggewordenen - Auge in Auge, ist ein rechtskräftiges Verhör und ein Schuldspruch möglich.

V. ll-13: Jahwe fragt Adam woher er wisse, dass er nackt ist. Die Art und Weise wie Gott Adam fragt, "... legt dem Menschen das Bekenntnis sozusagen in den Mund ..."[55], er braucht nur ja zu sagen. Gerade dass sich Adam vor Gott versteckt hat, zeigt, dass er schuldig geworden ist. Doch Adam, aus Angst vor der angekündigten Todesstrafe von 2/17b, gibt zwar zu, von der Frucht gegessen zu haben, aber er schiebt den Grund für sein Schuldigwerden auf die Frau: "... das Weib, das du mir zugesellt hast... ." Auch die Frau schiebt die Schuld für ihr Handeln weiter auf die Schlange - ein Geschöpf Gottes. Beide geben also zu, von der verbotenen Frucht gegessen zu haben, doch die Schuld liegt letztendlich bei Gott, denn hätte Gott nicht die Frau geschaffen, wäre Adam nicht schuldig geworden und hätte Gott nicht die Schlange geschaffen, wäre die Frau nicht schuldig geworden! Wir können hier die immer gleiche Anklage des Menschen erkennen: Nicht ich, sondern der andere neben mir! Der Mensch will seine Schuld immer wieder auf den Nächsten abschieben - so wie Adam die Schuld auf Eva abschiebt. Wir sehen hier ein Zeichen der zerstörten Gemeinschaft zwischen den Menschen.[56] Der Mensch gerät immer weiter in Vereinsamung, denn selbst Schuldgemeinschaft ist nicht mehr möglich.

 

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Noch einen weiteren Punkt der ständigen Anklage, welche sich gegen Gott richtet, können wir finden: Du hast es ja so gemacht und wir können gar nicht anders! Dabei vergisst der Mensch aber, dass er sich für sein Handeln frei entscheiden kann. GUNKEL schreibt, dass es der Mensch weder wagt zu leugnen noch zu bekennen. DREWERMANN verknüpft diesen Gedanken mit den Worten, dass der Mensch auf eine geschickte, aalglatte Weise vor einer Stellungnahme ausweicht.[57] WESTERMANN meint, dass der Mensch seine Sicht des Geschehens und seine Anklage gegenüber Gott anbringen kann, dass sie von Gott gehört wird und der Mensch so erst als freier Mensch anerkannt und ernst genommen wird - auch als schuldig Gewordener! Weiter schreibt er, dass sich der Mensch durch sein Reden nicht der Verantwortung vor Gott entziehen kann und sich der Schuldspruch dadurch nicht verändert. Der Mensch muss die Verantwortung für sein Tun selbst tragen - er ist dafür voll verantwortlich![58] Dieser Meinung möchte ich mich anschließen.

Bezeichnender Weise wird die Schlange nicht gefragt warum sie die Frau verführt hat. So bleibt der Ursprung der Tat und die Herkunft des Bösen ungeklärt - wie gesagt: auch der J kann und will nicht erklären, woher das Böse kommt. - Es ist vielmehr eine Realität im Leben des Menschen.

V. 14-19: Bei diesen Versen handelt es sich um Strafsprüche bzw. Fluchworte [59] über Schlange, Frau und Mann. Sie erfolgen genau in der umgekehrten Reihenfolge des Verhörs, gehen aber entlang des Tathergangs. Ursprünglich folgte auf Entdeckung und Verhör die Vertreibung aus dem Paradiesgarten, welches die eigentliche Strafe für das Vergehen der Menschen darstellt.[60]

Welche Absicht verfolgt nun der J, wenn er die Verse 14-19 in die ursprüngliche Erzählung einfügt? Ausleger wie G.V.RAD, WESTERMANN, DREWERMANN u.a. sind der Meinung, dass man diese Verse ätiologisch verstehen muss. Der Verfasser will elementare Lebensfragen beantworten und über Rätsel und Nöte des Menschen Rechenschaft geben.[61] Dabei spiegelt sich Theologie wider: "... ihr Hauptziel liegt in der antithetischen Entgegensetzung zu Gn 2, indem sie zeigen, wie die wesentlichen Strukturen des menschlichen Lebens ihre Qualität zum Gegenteil hin verändern, wenn der Mensch von Gott getrennt ist."[62]

V. 14+15: Der Fluch über die Schlange will die Frage nach der seltsamen Bewegungs- und Lebensart der Schlange und der empirischen Feindschaft zwischen Schlange und Mensch als Geschöpfe Gottes klären. Die symbolische Deutung der Schlange als das Böse und dem daraus ständig resultierenden Kampf gegen das Böse, empfinde ich als nicht sinngemäß und auch gefährlich, da wir m. E. nicht den Ursprung des Bösen herausfinden können und der J diese Frage auch nicht beantwortet.[63] Die altkirchliche Deutung dieser beiden Verse, welche hier den Kampf des Christus gegen den Satan sah, der letztendlich auf einen Sieg hinauslief, entspricht ebenfalls nicht dem Sinn dieser Stelle.[64]

V. 16: In dem Strafwort über die Frau werden die Themen Schwangerschaft bzw. Geburt und die Beziehung zum Mann aufgegriffen. Letzteres erhält erst durch die Entgegensetzung zu 2/23 f seine Tiefe. War das Verhältnis von Mann und Frau zur Gemeinschaft der Liebe bestimmt, verkehrt es sich nun in ein Verhältnis der Herrschaft und der Unterdrückung gegen die Frau.[65] WESTERMANN hat hier die spezifisch soziale Situation der Frau zur Zeit des Verfassers vor Augen und sagt, dass es nicht für alle Zeit so bleiben muss. Aber er betont auch, dass der physiologische Unterschied zwischen Mann und Frau immer wieder zu sozialer Ungleichberechtigung führen muss {Leider!}.[66]

 

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Beim Thema der Geburt bzw. Schwangerschaft, wird lediglich eine Ätiologie für die Schmerzen gegeben. Man kann sich nun darüber streiten, ob der Segen der Lebensspende erst hier gegeben wird (WESTERMANN), oder ob 2/24 nicht schon diesen Segen enthielt. Trifft letzteres zu, erfolgt in diesem Vers allein eine Strafe durch Auferlegung von Schmerzen bei der Geburt (DREWERMANN).[67] Letztendlich bleibt es aber unwichtig, da es dem Verfasser darauf ankommt aufzuzeigen, dass die Frau in ihrem ganzen Frau-Sein getroffen ist und das "gerade dort, wo die Frau die Erfüllung ihres Lebens ... hat, in ihrem Verhältnis zu ihrem Mann und als Mutter ihrer Kinder ... nicht eitel Seligkeit, sondern Schmerz, Last, Beugen und Unterdrückung"[68] ist.

V. 17-19: Der Strafspruch gegen den Mann,[69] will die Mühsal der menschlichen Arbeit erklären und hat großes Gewicht, da er sehr ausführlich und eindrücklich ist. Begründet wird die Strafe mit dem Hören auf die Stimme des Weibes und dem Essen von der verbotenen Frucht. Innerhalb des Strafspruches finden wir ein Fluchwort über den Acker. "Wie in Gen 2 Mensch ('dm) und Acker ('dmh) vom Ursprung her eine Einheit bildeten {vgl. 2/7}, so bleiben sie auch jetzt im Negativen eine Einheit; wieder ist das Verhältnis das gleiche: dass die von Gott geschaffenen Dinge und Einrichtungen bleiben wie sie sind, aber nun, nach der Schuld des Menschen, sich vom Guten ins Böse wandeln, und zwar für den Menschen, denn auf ihn zielt das Wort über den Acker."[70] Auch zu 2/15 - dem Auftrag zur Arbeit - finden wir hier einen deutlichen Anklang. Hatte Gott mit dem Arbeitsauftrag dem Menschen einen Sinn für sein Leben gegeben und ihn damit ausgezeichnet, wird der Auftrag von 2/15 zum Gegenteil - zur Strafarbeit und "Maloche", was jiddisch ist und das hebräische ml'kh = Arbeit bedeutet. Die frühere Fruchtbarkeit des Bodens ist dahin.[71] Wie beim Strafwort über die Frau in V. 16, erscheint hier in V.17b das Wort "beschwer" es ist sozusagen ein Leit- oder auch Verbindungswort.[72] Beide, Mann und Frau, haben jetzt als Gemeinsamkeit ein beschwerliches Dasein. Die Erwartung einer Daseinssteigerung hat sich nicht erfüllt.[73] Im Gegenteil: die Folge des Vergehens wird der Tod sein. Hier erkennen wir eine deutliche Analogie zu 2/17 - die Todesdrohung- , aber auch zu 2/7 - der Herkunft des Menschen aus Erde und Odem von Gott = Lebensodem - . So ist eine zweifache Auslegung zum Tod möglich: einerseits ist es die Strafe für das Vergehen des Menschen und wird aus Gnade nicht gleich vollstreckt {Stellen wir uns doch einmal vor: Wenn Gott die Strafe gleich vollstreckt hätte, dann gäbe es heute keine Menschen, denn Adam und Eva hatten noch keine Kinder!}, andererseits kann man den Tod auch als einfache Folge des Vergehens des Menschen sehen, denn wie soll der Mensch in Trennung von Gott auf ewig den Lebensodem Gottes in sich tragen? Ein weiterer Gedanke: Ist der Tod als Gnade im Sinne von Erlösung aus mühsamer Arbeit zu verstehen (so auch WESTERMANN, DREWERMANN u.a.)? Die Arbeit muss ja bis zum Lebensende getan werden, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch steht sie, wie G.V.RAD sagt, meist in keinem Verhältnis zum Ertrag.[74]

V. 20: Dieser Vers markiert einen deutlichen Einschnitt zwischen 14-19 (Strafworte) und 22-24 (Vertreibung des Menschen aus dem Paradies) und stammt aus einer sehr alten außerisraelitischen Tradition, wahrscheinlich der kanaanäischen.[75] In der Benennung der Frau, welche hier zum 2.Mal erfolgt (vgl. 2/23 - dort als Entsprechung zum Manne), liegt ein Dennoch des Glaubens.[76] Eigentlich deutet eine Namensgebung auf eine erfolgte Geburt hin. Hier jedoch soll sie, wie auch der Name (Chawwa = Eva = "Mutter aller Lebenden", eigentlich ein Ehrenname) den der Mann seiner Frau gibt, im Rückblick auf die Strafworte darauf hindeuten, dass das Leben des Menschen nicht weggenommen ist, sondern die Frau neues Leben durch Geburt hervorbringen kann. WESTERMANN betont an dieser Stelle besonders, dass der von Gott entfernte Mensch, trotz des Ungehorsams der von Gott gesegnete Mensch bleibt und diesen Segen mit in die Welt hinausträgt.[77] Und dennoch ist diese Namensgebung kein Jubelruf wie er es in 2/23 war, sondern ein Ausdruck von tiefer Trauer und Schmerz, aber auch der Liebe des Mannes zu seiner Frau.[78]

 

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V. 21: Vers 21 steht in Spannung zu V. 7 und ist nur aus einer ehemals selbständigen Erzählung heraus zu erklären. Wir hören hier von einem handwerklichen Schaffen Gottes aus schon vorhandenem Material - eine sehr anthropomorphe Sicht.[79] Der Schöpfer erweist sich als Beschützer und Erhalter des Menschen. "Das heißt, er nimmt die Menschen als die, die sie als Gefallene sind. Er stellt sie nicht in ihrer Nacktheit voreinander bloß, sondern er selbst verhüllt sie."[80] Da es aber vor Gott solch einen Schutz nicht geben kann, entfernt er den Menschen aus dem Paradies.[81]

V. 22-24: Bei diesen Versen handelt es sich vom literarkritischen Standpunkt her gesehen nicht um eine einheitliche Darstellung. Wir können feststellen, dass die Verse 22 und 24 durch das Motiv des Lebensbaumes und des Motivs "Neid der Götter", zusammengehören.

V. 23 bildet wiederum einen selbständigen Schluss, welcher vollkommen unabhängig von 3/14-19 ist. Hier hören wir von der ursprünglich einzigen und eigentlichen Strafe {Bedenke, dass es sich in V. 14-19 um Ätiologie handelt!} des verbotenen Essens vom Baum, welches in der Ausweisung des Menschen aus dem Paradies besteht. Damit kommt der Verfasser zum eigentlichen Ziel der Erzählung in dem der Mensch in seiner ganzen Existenz getroffen ist und der Erzählbogen seinen Abschluss findet, der mit der Einsetzung in den Paradiesgarten begann und in der Ausweisung aus ihm endet. In der Erzählung spiegelt sich die Erfahrung der irdischen Wirklichkeit des Menschen wider, die in der Gottesfeme liegt und eine Existenz in Schuld, Leid und Mühsal meint {Was der hier nochmals erwähnte Auftrag zur Bearbeitung des Erdbodens bis zum Tod veranschaulicht.}, die als ein selbstverschuldetes Gewordensein des Menschen aus seiner früheren Existenz der Nähe und Geborgenheit Gottes heraus, erkannt ist.[82]

V. 22 +24: Auch diese Verse stellen eine ehemals selbstständige Erzählung dar, welche mit 2/9 beginnt und in 3/22+24 ihren Abschluss findet. WESTERMANN vermutet, dass der Erzähler diese den Hörern bekannte Geschichte aufführte und sie mit seinem eigenenSchluss in 3/23 verband, weil er hervorheben wollte, dass der Tod, vor dem Gott gewarnt hatte, jetzt unbedingt zum Leben des Menschen gehört. Eine Rückkehr in den Garten Eden wird von den Cheruben und dem Flammenschwert verhindert (beides sind Bilder mythologischen Ursprungs [83] ). Dadurch ist ein "Leben für immer" dem Menschen unmöglich. Wohl kann der Mensch in gewissem Maße Erkenntnis von Gut und Böse erwerben, aber ein Leben in Ewigkeit nicht. Gott verwehrt ihm die Gottgleichheit nach dem er in der Gebotsüberschreitung gestrebt hatte und offensichtlich weiterhin strebt, um ihn als sein Gegenüber zu erhalten. Dadurch aber ist der von Gott entfernte Mensch, der auf den Tod zugehende Mensch.[84] Hat die Verweigerung des ewigen Lebens nicht auch eine barmherzige Kehrseite? G.V.RAD bejaht diese Frage und meint, dass ein ewiges Leben für den Menschen in seinem jetzigen Zustand gar nicht zu tragen wäre.[85] Dieser Meinung möchte ich mich anschließen {Schon die Vorstellung, dass es keine Erlösung von der ewigen "Maloche" durch den Tod gibt, müsste den Menschen in tiefste Verzweiflung treiben - aber gerade so wäre sein Leben ein ewiger Tod! Siehe auch V.19!}.

Im Ganzen gesehen endet die Erzählung mit einer sehr depressiven Grundstimmung.

 

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4. Der Text aus tiefenpsychologischer Sicht

4.1. Einleitung

In der Tiefenpsychologie wird Gen 2 ebenfalls als Symbolisierung der Ureinheit des Menschen mit Gott gesehen. Es lassen sich 2 Richtungen unterscheiden, wohingehend biblische Texte psychologisch gedeutet wurden:

  • Psychoanalyse nach S.FREUD mit objektaler Deutung: Ureinheit mit der Mutter in der prä- bzw. postnatalen Phase,
  • Analytische Psychologie nach C.G.JUNG mit subjektaler Deutung: Zustand vor der Bewusstwerdung, Einheit des Ich mit dem Unbewussten.

 

4.2. Das Gebot Gottes und die Vertreibung aus dem Paradiesgarten

In der Vertreibung der Menschen aus dem Paradiesgarten entdeckt die Psychologie phylogenetische und ontogenetische Menschheitserfahrungen wieder. In der Phylogenese entwickelte sich der Mensch vom wälder- und baumbewohnenden Primaten zum steppen- und savannenbewohnenden Menschen. Dabei erfuhr er den Verlust der sicherheits- und geborgenheitsspendenden Wälder und Bäume.[86]

In der Ontogenese können wir 2 Entwicklungsstufen erkennen: Die oral-sadistische Phase mit der unwiederbringlichen Entwöhnung von der Mutterbrust und die phallische Phase. In ihr muss sich das Kind mit seiner Position innerhalb der Elternbeziehung auseinandersetzen, wobei es in den Ödipuskonflikt gerät und die Inzestproblematik auftaucht. S.FREUD und C.G.JUNG haben sich intensiv mit der Inzestproblematik auseinandergesetzt, das Inzestmotiv in der Erzählung von Gen 3 wiedergefunden und die Erzählung entsprechend ihrer Psychologie gedeutet. In einem kurzen Abriss sollen nun ihre Auffassungen wiedergegeben und kritisch betrachtet werden.

 

4.2.1 Objektale Deutung von Gen 3/1-5 anhand der Psychologie S.FREUDS (PSA) [87]

Der Sündenfall wird in der Psychologie S.FREUDS als das Herausfallen des Menschen aus der Unkenntnis der Zeugung und die Erlangung von Wissen um Geburt und Tod verstanden. Innerhalb dieser Deutung, ist die Schlange das Symbol des männlichen Gliedes. An die Frau wird ein sexuelles Anliegen herangetragen (Verführung), in der die Früchte das verheißene Geschenk (Fruchtbarkeit und Schwangerschaft) darstellen. Darauf reagiert die Frau mit vaginaler Angst und die sexuelle Thematik wird durch eine Orale ersetzt (=orale Regression als Abwehrvorgang). Die Angst, die zur Regression führt, ist mit dem Ödipuskonflikt innerhalb der phallischen Phase zu erklären. In ihr wird das gegengeschlechtliche Elternteil zum Ziel der sex. Wünsche des Kindes (Inzestwunsch), welche aber durch Inzestverbot (=Gebot Gottes) durchkreuzt werden. Dadurch jedoch, zerbricht die Beziehung des Kindes zu seinem ursprünglichen Libidoobjekt und es erfolgt eine erzwungene Trennung, welche mit der Vertreibung aus dem Paradies zu vergleichen ist.

Die Schlange verführt also die Frau zu inzestuösem Verkehr mit dem Vater (=Gott), welcher auf oralem Weg vollzogen wird.[88] Dabei wird das Essen vom Baum als orale Empfängnis verstanden, da seine Früchte den Samen des Mannes symbolisieren. Vergleichbar ist dies mit der kindlichen Hypothese von der Entstehung eines Kindes im Mutterleib, aufgrund der Feststellung durch Essen dick zu werden. Da aber die Früchte des Baumes nicht nur den Samen des Mannes symbolisieren können, sondern auch die Frucht des geschlechtlichen Verkehrs, nämlich das Kind, muss die Frucht des Baumes mit einem totemistischen Speiseverbot seitens der Frau belegt werden. Allerdings wird dieses Gebot dann gebrochen, die Frucht verzehrt und damit Autokannibalismus getätigt. Damit ist der Tod in das Leben des Menschen eingebrochen.

 

KRITIK:

Diese Deutung fußt auf normale, alle Menschen betreffende, entwicklungsbedingte Abläufe. Eine Wahl, dieses Stadium der frühkindlichen Entwicklung zu umgehen, ist nicht möglich. In der Exegese aber, haben wir gerade diesen Aspekt der freien Entscheidung zu erkennen gemeint. Aber: wenn wir keine Wahl haben, uns dagegen zu entscheiden, dann ist Gott letztendlich der Schuldige!

In Gen 3 hat die orale Komponente ein größeres Gewicht, da es sich beim Verbot Gottes um einen verbotenen oralen Akt handelt.

 

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4.2.2 Subjektale Deutung von Gen 3/1-5 anhand der Psychologie C.G.Jungs (APS) [89]

Da sich C.G.JUNG hauptsächlich in seiner Psychologie mit Erwachsenen beschäftigt hat, aber auch den Inzest ausführlich psychologisch bearbeitete, stellt sich zunächst die Frage, welchen Sinn das Auftauchen des Inzestmotives im Leben des Erwachsenen hat. C.G.JUNG sieht ihn als einen Krisenindikator mit dem Ziel des Neuaufbaus von erkranktem Leben durch Regression. Das Inzestmotiv kann von außen an den Menschen herangetragen werden, wenn er in Resignation und Selbsttäuschung verfallen ist und seine unerfüllten Wünsche auf einem infantilem Niveau durch Illusion befriedigt. Wird das Inzestmotiv von innen an den Menschen herangetragen, so wirkt die Macht des Archetypus auf ihn und er verspürt den Wunsch nach Inzest. Bei der Regression werden alle psychischen Kräfte nach innen gewandt, um aus dem Unbewussten regenerative Kräfte zu gewinnen. Es ist klar, dass sich dabei eine große Gefahr auftut, denn Regression kann nicht nur Kraftgewinn, sondern auch Zerstörung bedeuten, indem der Mensch ganz seinem Unbewussten verfällt. Gelingt seinem Bewusstsein die Rückverbindung mit dem kollektivem Unbewussten, so wird er gestärkt aus diesem Prozess der Individuation hervorgehen und sein Selbst (=seelische Ganzheit) entstehen.

Die Schlange stellt die Ambivalenz der Regression (einerseits chaotisch, andererseits Regenerativum) schlechthin dar. Sie ist ein Bild des Schattens, da sie das Unbewusste symbolisiert, hat große Weisheit, da sie bewusstseinsüberlegenes Wissen im kollektiven Unbewussten speichert und ist damit der Archetypus des Lebens.

So ist der Sündenfall für C.G.JUNG ein Bild der Individuation, der Lebenserweiterung und der Erlangung des Selbst. Die Versuchung des Mannes durch die Frau und der Frau durch die Schlange, ist dann die grundsätzlich notwendige Krise auf dem Weg zum Selbst in dem die Differenzierung und Bewusstwerdung der unbewussten Gestalten von Anima und Animus erfolgen. So zeigt die Schlange in der Sündenfallgeschichte, dass die Inhalte im Unbewussten liegen, und die Frau, dass diese nicht länger verdrängt bleiben dürfen. Das Böse liegt für C.G.JUNG im Unbewussten und es ist nötig, dass der Mensch dies akzeptiert und lebt, damit er zur Einheit seiner Selbst kommt. Gutes vom Bösen unterscheiden kann und damit von der Erscheinung der Gottheit selbst nicht zu trennen ist. In diesem Sinne hat die Schlange mit ihrer Versprechung recht. Die Ausweisung aus dem Paradies und die Todesstrafe symbolisieren für C.G.JUNG, dass jetzt die Ureinheit mit dem Unbewussten gesprengt und der Tod als Realität ins Bewusstsein rückt.

KRITIK:

Auch bei der Interpretation C.G.JUNGS gibt es keine Alternativentscheidung für den Menschen. Er muss den Weg der Individuation gehen um nicht unbewusst zu bleiben. Und doch ist das Ergebnis der Bewusstwerdung das Zugehen des Menschen auf den Tod, wie es in Gen 3 dargestellt ist. Auch hier hat die Schuld Gott, weil wir so sind und nicht anders können!

 

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4.3. Im Getriebe der Angst (Gen 3/1-5+6) [90]

In der Sündenfallerzählung können wir eine Entwicklungsreihe von anfänglichem Misstrauen über Angst, Abwehr und Rivalität bis hin zur Auflehnung des Menschen entdecken. Dabei entdeckt der Betrachter die Angst als den psychischen Mittelpunkt der Erzählung.[91] Nach S.FREUD stellt sie eine Reaktion auf eine exogene Gefahr bzw. endogene Erregung dar, welche sich in Angstaffekten und -neurosen äußert.[92] Das Grunderleben der Angst ist der befürchtete oder tatsächlich stattgefundene Objektverlust, wie er ontogenetisch das l. Mal in der Trennung von der Mutter erlebt wird.

Genau diesen Punkt finden wir in der Sündenfallerzählung wieder, denn die Frau fürchtet durch die Todesdrohung, die mit dem Gebot Gottes verbunden ist, aus der Ureinheit mit ihm herauszufallen, was Todesangst bewirkt. Um diese Angst zu bewältigen, richtet die Frau Abwehrmechanismen auf, um ihre ursprüngliche Beziehung zu Jahwe, der für sie Vater und Mutter gleichzeitig ist, und an dem ihr ganzes Leben hängt, erhalten zu können. Hier liegt die ganze Tragik der Erzählung, denn wie wir in diesem Abschnitt feststellen werden, treiben gerade diese Abwehrmechanismen die Frau unweigerlich zur Gebotsüberschreitung. Die Abwehrmechanismen sind:

 

1) Identifikation (V.1+2) [93]

Alles beginnt mit der fundamentalen Infragestellung der Beziehung zwischen Gott und Frau durch die Schlange. Dies entspricht einem Erwachen von Triebimpulsen nach der psa-Deutung. Die Frau reagiert in der Gebotswiedergabe mit einer narzisstischen Identifikation mit dem Objekt (=Gott). So braucht sie das Liebesverhältnis nicht aufgeben. Es erfährt aber eine Störung und äußert sich in einem Ambivalenzkonflikt. Das Gottesbild verändert sich und trägt zum ersten Mal nicht nur liebend-fürsorgliche, sondern neidisch-grausame Züge, die die Frau, um dessen abzuwehren, introjiziert.

 

2) Tabuisierung (V.3) [94]

Wegen des entstandenen Ambivalenzkonfliktes kommt es zu einer Fixierung auf das verbotene Objekt (=Frucht). Es entsteht eine starke Berührungslust, die aber in Berührungsangst umschlägt, weil ein introjiziertes Verbot der Frau vorliegt. Es kommt so zur Tabuisierung in der das Verbot stärker als der Trieb geworden ist und ihn so beherrscht.

 

3) Allmacht und Magie (V.3) [95]

Mit der Regression auf die Stufe des oralen Sadismus erfolgt eine Wiederbelebung des Narzissmus. Es taucht der Glaube an die eigene Unsterblichkeit und Allmacht wieder auf, welche im "Es" fest verankert und nie aufgegeben worden ist. Dass die Allmacht nur mit magischem Essen erlangt werden kann, deutet daraufhin, dass das "Es" noch Ich-nah ist. So hat die Frau das, was sie bisher bei Gott fand, auf sich bezogen und erwartet nun, es in sich selbst zu finden.

 

4) Projektion und Verleugnung (V.4+5) [96]

Bisher haben wir festgestellt, dass die Frau auf narzisstische Weise autark geworden ist. Allerdings muss sie die introjizierte Ambivalenz doch als quälend empfinden und einen schweren Konflikt verursachen. Um sich dessen zu entledigen, wendet die Frau das Prinzip der Projektion an, d.h. sie überträgt ihre Angst und ihre Feindseligkeit gegenüber Gott, auf ihn, so dass der Eindruck entsteht Gott habe Angst vor der Frau, sei ihr Feind. So erfährt sie Erleichterung, denn Berechtigung zur bewussten Auflehnung ist nun gegeben. Die Frau hat sich selbst zu Gott erklärt. Der letzte Akt der Schlange ist nun die Verleugnung des Todes, welche psychisch mit dem Allmachts- und Unsterblichkeitsglauben verständlich wird.

 

5) Introjektion und Totemmahl (V. 6a) [97]

Da die Projektion eine Egodiastole darstellt, werden Allmachtswünsche (Allodiastole) nach außen verlagert. Dies führt aber zwangsläufig zur Inflation (Autodiastole) die nur durch Introjektion (Egosystole) ausgeglichen werden kann. Bei der Introjektion werden möglichst viele Dinge der Außenwelt aufgenommen, was zum Autismus des Alles-Habens führt, indem man sich mit diesen Dingen identifiziert. Beim Übergang von Inflation zur Introjektion geschieht eine magisch-orale Einverleibung, durch Essen der verbotenen Frucht. Man muss sich dies als ein Totemmahl vorstellen, da das vorher Tabuisierte nach Beseitigung der Tabuschranken, eine orale Identifikation mit dem früher gefürchteten Gott darstellt.

 

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4.4. Schuldgefühl, Scham und Todesdrohung (Gen 3/7-24) [98]

Aus der Identifikation mit Gott heraus ergibt sich notwendigerweise für die subjektale Deutung das Schuldgefühl, denn durch den oralen Akt wird Gottes richtende Instanz im Menschen aufgerichtet. So ist es nicht erstaunlich, wenn nach dem Akt der Verfehlung, das richtende Verhör Gottes folgt. Dieser ist als ein innerer Dialog und paranoischer Angst des Menschen, vor der richtenden Instanz Gottes zu interpretieren.

Aus dem objektalen Blickwinkel heraus ist das Schuldgefühl die Äußerung der Strafangst aufgrund gefürchtetem Objektverlust (=soziale Angst), dieser ist wiederum die Ursache der Scham. Die Todesdrohung ist unter dem Aspekt der Trennung von Gott (= Objektverlust) und der Ausweisung aus dem Paradies zu verstehen und stellt im Grunde keine eigene Strafe, sondern ein Leben unter der Todesangst dar.

 

4.5. Die Strafen Gottes aus dem Blick der Psychologie

Im exegetischen Teil der Arbeit konnten wir feststellen, dass die Darstellung der Strafen Gottes in den Versen 14-19 ätiologisch sind. Schlange, Frau und Mann dürfen also nicht symbolisch verstanden und tiefenpsychologisch ausgelegt werden, wie es z.B. C.MEVES in ihrem Buch praktiziert.[99] Auch der psa-Deutung von 3/14-19 bei DREWERMANN kann ich aus diesem Grund nicht zustimmen. Wir können allerdings feststellen, dass in den Strafworten die fünf paläoanthropologischen Urängste der Menschheit dargestellt sind. Sie lauten:

 

Diese Urängste sind aufs Engste miteinander verbunden und zeigen das Elend des Daseins ohne Gott auf. "Die eigentliche 'Strafe' für den 'Sündenfall' besteht psa demnach in der Verwandlung des ganzen Daseins in Angst"[101]

 

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5. Hermeneutische Schlussfolgerungen

5.1. Der Ursprung des Bösen und die Theodizee

Ein bis jetzt alle Ausleger und Dogmatiker faszinierendes Problem, stellt die Frage nach dem Ursprung des Bösen dar. Wir mussten allerdings in der Exegese feststellen, dass J weder darauf antworten will, noch selber den Ursprung kennt.[102] Sein Anliegen besteht vielmehr darin, zu zeigen, wie sich das Leben des Menschen verändert, wenn er sich vom Geber und Erhalter seines Lebens -GOTT- abwendet. Dennoch möchte ich mich in diese faszinierende Fragestellung nach dem Ursprung des Bösen hineinbegeben, da sie ein Problem darstellt, welches jedem Menschen wenigstens einmal im Leben begegnet.

Besondere Bedeutung erhält bei der Überlegung nach dem Ursprung des Bösen die Schlange. Wie wir im exegetischen Teil aufgezeigt haben, gibt es verschiedene Auslegungsmöglichkeiten für diese Symbolgestalt. Vom Text her wird sie uns aber zunächst als Geschöpf Gottes vorgestellt. Dann haben wir gesehen, dass der J den Ablauf der Versuchung als einen inneren Vorgang darstellen wollte, und die Schlange zur Veranschaulichung eines Teils im Menschen, gebraucht.[103] C.G. JUNG deutete sie als Verkörperung des Unbewussten.[104] Nach S.FREUD trägt sie einen Triebwunsch an den Menschen heran. Auf einen Triebwunsch kann man aber m. E. mit Freiheit reagieren und braucht ihm nicht nachzugeben. Die wahre Schuld des Menschen liegt dann im Nachgeben seiner inneren Triebe. Und das geschieht aus fehlendem Vertrauen zu seinem Schöpfer. Das heißt: Der Ursprung des Bösen in der Welt, liegt in unserer freien Entscheidung für das Böse. Gott hat dann, wenn wir an ihn als den allmächtigen Schöpfer der Welt glauben, das Böse geschaffen, damit wir uns frei für ihn entscheiden können, sozusagen erst so zum wahren Gegenüber werden. Dann ist die Sünde ein Ergebnis, das er eigentlich nicht gewollt hat, aber als Möglichkeit einräumen musste. Diese Erklärung ist aber theologisch unbefriedigend, da der Mensch zu Gott hin geschaffen ist. Er besitzt in Wirklichkeit keine neutrale Ausgangslage gegenüber Gott, aus der heraus er sich frei entscheiden könnte, Gott den Glauben zu verweigern.[105]

So bleibt zu schlussfolgern, dass es keine Lösung auf die Frage nach dem Ursprung des Bösen geben kann! Das ist auch gut so, denn hätten wir eine Antwort auf diese Frage, könnten wir unsere Sünden immer wieder abschieben und entschuldigen. Sünden sind aber nicht aus sich heraus entschuld- und abschiebbar. Sie haben Gott ein sehr großes Opfer gebracht: die Hinrichtung seines Sohnes, um uns aus Sünde zu befreien. "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Jo 3/16) Wenn Gott uns solch eine große Liebe erwiesen hat, dann könnten wir doch unser Misstrauen ihm gegenüber aufgeben, oder?

 

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5.2. Sündenfall und Rechtfertigung

G.V.RAD sagt, dass die ganze Erzählung auf die Ätiologien (3/14-19) hinauslaufen und das eigentliche Anliegen des Erzählers darstellen.[106] Wie wir festgestellt haben, will der J in diesen Versen das veränderte Leben nach der Abwendung des Menschen von Gott beschreiben. Dabei hat er die Ätiologien in Gegenüberstellung zu schöpfungsgemäßen Eigenschaften formuliert. Der Mensch war zur Liebesgemeinschaft mit Gott und seinem Nächsten bestimmt und als Abbild Gottes geschaffen.[107] Nun aber lebt der Mensch in der Gottesfeme und in Feindschaft zum Nächsten. Aus ihm ist eine Verkehrung des ursprünglichen Gottesbildes geworden. Wir können dies alles in unserer nächsten Umgebung erkennen. Für mich ist dabei das Schlimmste, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Selbstsüchtig schaut man darauf, wie man zu seinem eigenen Vorteil kommt und scheut nicht davor zurück, den ändern zu betrügen, auszunutzen oder andersartig zu schädigen. Dabei aber bleibt der Mensch letztlich allein und verfällt in Einsamkeit vor Gott und den Menschen. Denn die Realität Gottes muss er leugnen, um freien Gewissens solche Taten zu begehen.

Es scheint, als gehöre dieses Verhalten zum Wesen des Menschseins. Ich möchte dies als empirische Sündenverfallenheit des Menschen bezeichnen. Die christliche Theologie versucht dies im Begriff der Erbsünde wiederzugeben. Er besagt, dass seit der Sünde Adams das Böse zur zweiten Natur des Menschen geworden ist (TERTULIAN) und sein Wille eine gottwidrige Grundrichtung besitzt (AUGUSTIN).[108] Der Mensch verweigert Gott Vertrauen und Liebe, so dass die Sünde sein ganzes Leben bestimmt und er sich nicht daraus befreien, bzw. zu Gott ins rechte Verhältnis setzen kann.[109]

Der Ausweg aus diesem Dilemma liegt ganz allein in einem Hineinwerfen in Gottes liebende Arme. Es bleibt uns nichts weiter übrig, als vor Gott zuzugeben, dass wir ihm immer wieder misstrauen und denken, er meine es nicht gut mit uns oder er enthalte uns etwas vor. So können wir nur auf Gottes Erbarmen hoffen. Das Evangelium ist nun, dass uns Gott dieses Erbarmen durch Jesus zugesichert hat und wir es nur noch im Glauben ergreifen brauchen (vgl. Lk 7/48, Jo 1/29, Apg 3/19 Rö 4/25, 5/1, 5/12-21, 2Ko 5/17-21, Gal 1/4, 3/26 u.a.m.). Mir ist in diesem Zusammenhang der Bußruf des Zöllners und Jesu Antwort darauf (Lk 18/13+14), aber auch der Gottesdienstbeginn mit Sündenbekenntnis und Gnadenzusage sehr wichtig.

 

5.3. Jesus der Christus aus unserer Angst

Innerhalb dieser Arbeit konnten wir das Thema Angst als bestimmende Gefühlslage erkennen. Sie entsprang aus dem Zweifel an Gottes guten Absichten. Auch heute entsteht genauso Sünde. Wir sahen auch, dass die Frau, einmal in Angst verfallen, sich nicht mehr aus ihr lösen konnte, sondern immer mehr Abwehrmechanismen aufrichtete, um ihre zwiespältigen Gefühle zu kontrollieren {Oder: um ihrer zwiespältigen Gefühle Frau zu werden - man kann ja schlecht in diesem Zusammenhang von "Herr werden" reden, oder?}, um letztlich doch an ihnen zu scheitern, indem sie tat, was sie eigentlich nicht tun wollte. Auch in der Exegese kam die Zwangsläufigkeit der Versündigung, nachdem einmal Misstrauen geweckt war, zum Vorschein. Später konnten wir auch in den Ätiologien (3/14-19) die Angst der Menschen in Form von 5 Urängsten, erkennen.

Wir haben schon gesehen, dass das Leben Jesu, als der aus Liebe vom Vater Gesandte, Grund genug sein könnte, unser Misstrauen in Vertrauen zu ändern. Dennoch: die Erfahrung zeigt mir, dass ich dennoch sehr schnell in Zweifel gerate und in mir Angst entsteht. Was kann man tun, dass es dennoch nicht zur Sünde kommt? Wir konnten innerhalb des Angstvorgangs eine Wahrnehmungsstörung feststellen, welche die Realität zur Unkenntlichkeit modifiziert. Ich denke Jesus kann aus Angst befreien, wenn wir in der Angst bereit sind, auf ihn zu schauen. Er kann unserer Angst Zusagen entgegensetzen die der Wahrheit entsprechen. So kann er die Schuld des Daseins in Vergebung und Annahme, die Armut des Daseins in Gnade, den Tod in Auferstehung, die Einsamkeit in Gebet und die Ausweglosigkeit in Hoffnung verwandeln. Jesus spricht in diesem Sinne: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Jo 16/33) Nun kommt es auf uns an, ob wir den Worten Jesu Vertrauen und Glauben schenken!

 

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5.4. Schöpfung und Neuschöpfung

Die Arbeit ohne Hinweis auf die Eschatologie abzuschließen, empfände ich als eine große Unterlassung. Immerhin bilden Sündenfall und Schöpfungserzählung des J eine Einheit und sind nur so verständlich. Wir haben im exegetischen Teil der Arbeit gesehen, dass die Folgen des Sündenfalls nicht nur der Mensch zu tragen hatte. Auch Acker und Schlange müssen die Verfehlung des Menschen tragen. Feindschaft zur Schlange, einer Vertreterin der Tierwelt, ist eine Folge. Die andere ist auf den Acker bezogen. Er bringt nur noch schwer und mühsam seinen Ertrag hervor. So schreibt Pls in Rö 8/19-22 vom ängstlichen Harren der Kreatur auf Erlösung. Neuschöpfung heißt also gleichzeitig Erlösung für die, in ihrem ursprünglichen Wesen veränderte, alte Schöpfung. E.HAAG und andere Ausleger sehen in der Paradiesvorstellung des AT's die "... Möglichkeit jenen Endzustandes der Schöpfung, in dem sich die Königsherrschaft Jahwes einmal voll entfalten soll."[110] Das ist nur aus der heilsgeschichtlichen Konzeption des J heraus zu verstehen, wie sie schon in der Einleitungsfragen betont wurde. Neuschöpfung heißt also Offenbarwerden der Gottesherrschaft, die für den Christ im Glauben schon wahr, aber in der Welt und ihrer Anschaulichkeit noch nicht wirklich ist. Somit verweist die Eschatologie nicht nur auf das Letzte, sondern den Letzten: Jesus Christus. [111] In ihm ist das Vergängliche der Welt schon jetzt überwunden und wird in der Wiederkunft für uns alle sichtbar.

Wir sehen die Kraft, die hinter dieser Hoffnung steht: Der an Gott glaubende und umgekehrte Mensch nimmt im Kleinen schon voraus, was im Großen einmal werden soll. Wir haben das Angebot Gottes, in die Gemeinschaft mit ihm zurückzukehren und auf eine erlöste, tragikfreie Existenz zuzugehen (vgl. Off 21/3-5). So bleibt der gerechtfertigte Sünder nicht wie er ist, sondern wird, was er nicht war.

 

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Literaturverzeichnis

1. Quellen

Mitschriften zu Vorlesungen in der Kirchlich-theologischen Ausbildungsstätte Malche zwischen 1994-96 in folgenden Fächern:

  • AT-Bibelkunde (Dozentin: Dr. B. Seifert)
  • Biblische Theologie (Dozentin: Dr. B. Seifert)
  • Psychologie (Dozentin: Sr. E.)
  • Seelsorge (Dozent: Dr. K.M. Führer)
  • Dogmatik (Dozent: Dr. K.M. Führer)

 

2. Nachschlagewerke

Bibel von A-Z, Wortkonkordanz zur Lutherbibel,
        Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1986

* BRUNOTTE H., WEBER 0.: Evangelisches Kirchenlexikon 3. Band P-Z,
        Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1962, 2.Aufl.

* Der Duden, Wörterbuch und Leitfaden der deutschen Rechtschreibung,
        VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1976, 17.Aufl.

* Der kleine Duden, Fremdwörterbuch,
        Dudenverlag Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 199l, 3.Aufl.

* FRIES H.: Handbuch theologischer Grundbegriffe, Band l H-E, Band 3 L-R, Band 4 S-Z,
        In: Wissenschaftliche Reihe, Deutscher Taschenbuchverlag, München 1970

* GALLING K.: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, VI. Band SH-Z,
        Tübingen 1962

* JENNI E.: Lehrbuch der Hebräischen Sprache des Alten Testaments,
        Helbing & Lichtenhahn Verlag, Basel 1981

* SCHLATTER T.: Calwer Bibellexikon, hrsg. mit GUTHBROD K. und KÜCKLICHR,
        Calwer Verlag, Stuttgart 1989, 6.Aufl.

 

3. Exegetischer Teil

* DIEPOLD P. und PREUSS H.D.: Taschen-Tutor Altes Testament, Teil l:
        Von den Anfängen Israels bis zum Exil,
        Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 198l, 4.Aufl.

* DREWERMANN E.: Strukturen des Bösen,
        Die jahwistische Urgeschichte in exegetischer, psychoanalytischer und philosophischer Sicht, Teil I:
        Die jahwistische Urgeschichte in exegetischer Sicht,
        hrsg. von BÄUMER R., ERNST J. und MÜHLEN H.,
        Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1979

* FOHRER G.: Einleitung in das Alte Testament,
        Quelle & Meyer, Heidelberg 1979, 12.Aufl.

* HAAG. E.: Der Mensch am Anfang,
        Die alttestamentlichen Paradiesvorstellungen nach Gn 2-3,
        Paulinus- Verlag, Trier 1970

* PREUSS H.D.: Taschen-Tutor Altes Testament, Teil 2:
        Vom Ende des Staates Juda bis zum Ausgang des Alten Testaments,
        Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 198l, 3.Aufl.

* RAD G. VON: Das erste Buch Mose, In: Das Alte Testament Deutsch -
        Neues Göttinger Bibelwerk, hrsg. von HERNTRICH V. und WEISER A.,
        Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1955

* WEISER A.: Einleitung in das Alte Testament,
        Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1949, 2.Aufl.

* WESTERMANN C.: Genesis, l. Teilband Genesis 1-11,
        In: Biblischer Kommentar - Altes Testament, begründet von NOTH M.,
        hrsg. von HERRMANN S. und WOLFF W.,
        Neukirchner Verlag, Neukirchen-Vluyn 1976, 2.Aufl.

* WESTERMANN C.: Schöpfung, In: Themen der Theologie Band 12,
        Kreuz-Verlag, Stuttgart 1971

 

4. Tiefenpsychologischer Teil

* DREWERMANN E.: Strukturen des Bösen,
        Die jahwistische Urgeschichte in exegetischer, psychoanalytischer und philosophischer Sicht, Teil II:
        Die jahwistische Urgeschichte in psychoanalytischer Sicht,
        hrsg. von BÄUMER R., ERNST J. und MÜHLEN H.,
        Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1977

* MEVES C.: Die Bibel antwortet uns in Bildern,
        Tiefenpsychologische Textdeutungen im Hinblick auf Lebensfragen heute,
        hrsg. von RAHNER K.,
        Herderbücherei, Herder KG, Freiburg im Breisgau 1974, 4.Aufl.

* SPIEGEL Y. (Hrsg.): Doppeldeutlich, Tiefendimensionen biblischer Texte,
        Chr. Kaiser Verlag, München 1978

* SPIEGEL Y. (Hrsg.): Psychoanalytische Interpretationen biblischer Texte,
        Chr. Kaiser Verlag, München 1972

 

5. Sonstige Literatur

* BARTH K.: Die Lehre von der Versöhnung IV. Band, In: Die kirchliche Dogmatik,
        Theologischer Verlag, Zürich 1953, 3.Aufl.

* BAUMANN U.: Erbsünde? Ihr traditionelles Verständnis in der Krise heutiger Theologie,
        hrsg. von KÜNG H. und RATZINGER J.,
        Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1970

* Evangelisches Kirchengesangbuch, Ausgabe für die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg,
        Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1953

* HARSCH H.: Das Schuldproblem in Theologie und Tiefenpsychologie, hrsg. von UHSADEL W.,
        Quelle & Meyer, Heidelberg 1965

* OTT H.: Die Antwort des Glaubens, Systematische Theologie in 50 Artikeln, Mithrsg. von OTTE K.,
        Kreuz Verlag, Stuttgart 1972

* PRENTZER R.: Schöpfung und Erlösung, Dogmatik,
        Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1960

* SCHARBERT J.: Prolegomena eines Alttestamentlers zur Erbsündenlehre,
        hrsg. von RAHNER K. und SCHLIER H.,
        Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1968

* Thompson Studienbibel, Bibeltext nach der Übersetzung MARTIN LUTHERS,
        Altes und Neues Testament, Revidierte Fassung von 1984,
        Haussier-Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1986

 

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Fußnoten

RAD G. VON.: Das erste Buch Mose, In: Das Alte Testament Deutsch - Neues Göttinger Bibelwerk, Berlin 1955, (im Folgenden als G.V.RAD), S. 69f      [ZURÜCK]

vgl. G. V.RAD, S. 17      [ZURÜCK]

vgl. DIEPOLD P. und PREÜSS H.D.: Taschen-Tutor Altes Testament, Teil l Von den Anfängen Israels bis zum Exil, Göttingen 198l4 (im Folgenden als Ta-Tu AT1), L 5.3      [ZURÜCK]

vgl. Ta-Tu AT1: L5.3 Dementsprechend 3 Hypothesen:
            1) Tetrateuch: Gen-Num (NOTH)
            2) Hexateuch: Gen-Ri l (G.V.RAD, WEISER, MOWINKEL)
            3) Enneateuch: Gen-Kö (BUDDE, HÖLSCHER, EISSFELDT)      [ZURÜCK]

So z.B. NOTH, SELLIN-ROST, WEISER, AT-Hefter, anders: FOHRER, MOWINKEL, JEPSEN (um 800), H.H.SCHMIDT vermutet den J sogar in der Nähe zum dtr Schrifttum (um 720). R.RENDTORFF bestreitet sogar seine Existenz und die aller anderer Quellen.      [ZURÜCK]

So MOWINKEL, FOHRER vgl. FOHRER G.: Einleitungen in das AT. Heidelberg 197912 (im Folgenden als FOHRER: Einl. AT), S.165f      [ZURÜCK]

vgl. WEISER A.: Einleitung in das AT, Göttingen 19492 (im Folgenden als WEISER: Einl. AT), S. 87      [ZURÜCK]

vgl. Ta-Tu AT1, L 5.3 und H.D.PREÜSS: Taschen-Tutor Altes Testament, Teil 2 Vom Ende des Staates Juda bis zum Ausgang des Alten Testaments, Göttingen 198l3 (im Folgenden als Ta-Tu AT2), L 11.3b      [ZURÜCK]

vgl. FOHRER: Einl. AT, S.121f      [ZURÜCK]

vgl. Ta-Tu AT1, L 5.3      [ZURÜCK]

vgl. Ta-Tu AT2, L 11.3b      [ZURÜCK]

WEISER: Einl. AT, S.80      [ZURÜCK]

So auch DREWERMANN: "Die Urgeschichte ist nur als literarische Einheit zu verstehen, ...übrige Urgeschichte außer acht... von vornherein ... unzureichend ... falsch ..." In: DREWERMANN E.: Strukturen des Bösen, Die jahwistische Urgeschichte in exegetischer, psychoanalytischer und philosophischer Sicht, Teil I Die jahwistische Urgeschichte in exegetischer Sicht, Paderborn 19792 (im Folgenden als E.D.: exeget), S. l Oder auch WESTERMANN: "... vom Ganzen der Urgeschichte ausgeht... ständig im Blick behält." m: WESTERMANN C.: Genesis, l. Teilband: Genesis 1-11, m: Biblischer Kommentar - Altes Testament, Neukirchen - Vluyn 19762 (im Folgenden als C.WE.: Gen), S.26      [ZURÜCK]

vgl. HAAG E.: Der Mensch am Anfang, Die alttestamentliche Paradiesvorstellung nach Gn 2-3, Trier 1970 (im Folgenden als E.H.: Der Mensch...),      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S.42-53 DREWERMANN nimmt hier Überlegungen von WESTERMANN aus seinem hervorragenden Genesiskommentar (C.WE.: Gen) auf. Dieser Abschnitt sei auch gleichzeitig als Gliederung des Textes zu verstehen.      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S.323      [ZURÜCK]

vgl. ebd.      [ZURÜCK]

vgl. WESTERMANN C.: Schöpfung, In: Themen der Theologie Band 12, Stuttgart 1971 (im Folgenden als C.WE.: Schö), S. 132      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S.324      [ZURÜCK]

ebd.      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.70      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget., S. 55      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S. 325      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.70      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S. 325      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.70f      [ZURÜCK]

G.V.RAD, S.71      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S.60-62      [ZURÜCK]

C.WE.: Gen, S.326      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.71      [ZURÜCK]

E.D.: exeget, S.63      [ZURÜCK]

vgl. ebd.      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.66      [ZURÜCK]

vgl. ebd.      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S. 331+337 - WESTERMANN, wie auch andere Ausleger (z.B. G.V.RAD, A.DILLMANN, H.SCHMIDT u.a.), richten sich in diesem Punkt nach WELLHAUSEN. Hier finden sich auch weitere Meinungen zum Problem der Erkenntnis von Gut und Böse, welche im Rahmen dieser begrenzten Arbeit leider nicht ausführbar sind.      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.337      [ZURÜCK]

E.D.: exeget.S. 69      [ZURÜCK]

vgl.C.WE.: Gen. S. 338      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S.70 , nach P.MORANT [ZURÜCK]

C.WE.: Gen, S.339f, An anderer Stelle umschreibt WESTERMANN dies als den Drang nach Leben und Erkennen, um das gesamte Dasein zu steigen und letztendlich zu sein "wie Gott" (vgl. C.WE.: Schö., S.132f).     [ZURÜCK]

C.WE.: Gen, S.340      [ZURÜCK]

C.WE.: Gen, S.265      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.73: "... Signal einer Störung mehr seines Verhältnisses zum anderen Menschen ..."      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.72 Er hat festgestellt, dass die Erkenntnis von Gut und Böse unser "farbloses 'alles'" formelhaft umschreibt.      [ZURÜCK]

Eckstein H.-J.: Du liebst mich also bin ich, Neuhausen-Stuttgart,19914: "Eine unrichtige - aber wahre Erklärung: Warum nahmen Adam und Eva bei ihrer Abkehr von Gott ausgerechnet Feigenblätter? Weil es Feigheit ist, sich vor Gott zu verstecken."      [ZURÜCK]

vgl.C.WE.: Gen, S.343      [ZURÜCK]

E.D.: exeget. S. 73      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S.341:
            1) K. BUDDE (u.a.): Geburt des Gewissens
            2) H. SCHMIDT (u.a.): Bewusstwerdung der Geschlechtlichkeit
            3) J. WELLHAUSEN (u.a.): Wandel vom primitiven in den zivilisierten Zustand      [ZURÜCK]

vgl. HAAG E.: Der Mensch .... S.60      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.61f      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.73      [ZURÜCK]

vgl. dazu E.D.: exeget, S.79f      [ZURÜCK]

ECKSTEIN H.-J.: Du liebst mich also bin ich, Neuhausen-Stuttgart 199l4: "Wenn Gott ruft: Adam wo bist du?' dann ist wichtiger noch als die Frage, wo ich gerade bin, die Frage, wo ich hinlaufe."      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S.346     [ZURÜCK]

E.D.: exeget, S.81      [ZURÜCK]

so G.V.RAD, S. 74      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget., S. 82     [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Schö:, S. l38ff     [ZURÜCK]

Siehe dazu die umfassende Erläuterung bei C. WE.: Gen, S.349-351!      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S. 349 Dies ergibt sich auch aus der hinter Ez 28 stehenden Parallele.      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.74      [ZURÜCK]

E.D.: exeget, S.87      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen, S.355 So auch E.D.: exeget, S.55, vgl. auch die Bemerkungen zu V.l. Dagegen aber G.V.RAD, S.74f Wir haben festgestellt, dass es dem J um die Darstellung eines inneren Vorganges im Menschen geht. Aus diesem Grund dürfen wir die Schlange nicht als abstrakt Böses sehen!      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.75 Gegen Deutung als Protoevangelium auch WESTERMANN (vgl. dazu die umfangreiche Erklärung auf den Seiten 354f) u. DREWERMANN.      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S.90      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Schö., S.143f      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget., S.90      [ZURÜCK]

C.WE.: Gen, S. 358     [ZURÜCK]

An dieser Stelle steht im Text 'dm und ist somit doppeldeutig, da es den Menschen von seiner Gattung her meinen kann, aber auch den Mann namens Adam. Ich denke man kann annehmen, dass hier der Mann vordergründig angesprochen ist, da in der Begründung des Schuldspruches das Hören auf das Weib genannt wird. Außerdem muss von der Struktur der Erzählung her, jetzt der Mann angesprochen werden (die Folge muss Schlange - Frau - Mann sein, um Sinn zu haben). Andererseits muss aber auch festgestellt werden, dass der hier genannte Schuldspruch genauso auf die Frau zutrifft. Auch ihre Arbeit ist Mühsal und "Maloche", auch ihr Leben wird mit dem Tode abgeschlossen und findet erst dort seine Ruhe.      [ZURÜCK]

E.D.: exeget., S.92      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S. 93 Vgl. dazu auch C.WE.: Gen, S. 361, der unter der hier genannten Arbeit besonders betont, dass man darunter Arbeit ganz allgemein sehen kann.      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S.92      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.92f      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.76      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S.97      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.77f      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Schö., S. 148      [ZURÜCK]

So auch G.V.RAD, S.78 und E.D.: exeget, S.98f im Gegensatz dazu C.WE.: Gen, S.365 !      [ZURÜCK]

vgl. C.WE.: Gen. S.366 so auch GUNKEL      [ZURÜCK]

G.V.RAD, S.78 Zitierung nach BONHOEFFER, Schöpfung und Fall, S.82      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget, S. 100 so auch C.WE.: Gen, S.366      [ZURÜCK]

vgl.C.WE.:Schö.,S.147f      [ZURÜCK]

Siehe dazu die Erklärungen von G.V.RAD, S.79 und E.D.: exeget, S.105!      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.151-154      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.79      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: Strukturen des Bösen, Die jahwistische Urgeschichte in exegetischer, psychoanalytischer und philosophischer Sicht. Teil n Die jahwistische Urgeschichte in psychoanalytischer Sicht, Paderborn 1977 (im Folgenden als E.D.: psa), S.66f      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: psa, S.l01ff      [ZURÜCK]

Innerhalb der objektalen Deutung des Sündenfalls mit Hilfe der psa-Methode FREUDS, gibt es einen Interpretationszweig, welcher sich auf O.RANK zurückführen lässt, aber noch weniger als FREUD die Aussageabsicht von J trifft, weil er
            l)  nicht dem Gottesbild von J entspricht, und
            2) der Entstehung der Frau aus der Rippe Adams widerspricht. Zu diesem Interpretationskreis gehören: W.KÜHNHOLZ, GJORK und A.FODOR. Vgl. dazu:
                        a) E.D.: psa, S.118-121 (Aussagen über die Interpretation von O.RANK)
                        b) Y.SPIEGEL (Hrsg.): Psychoanalytische Interpretationen biblischer Texte, München 1972
                        c) Y.SPIEGEL (Hrsg.): Doppeldeutlich, Tiefendimensionen biblischer Texte, München 1978      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: psa,S.124ff      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.152ff      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.152f      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.153      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S. 160-162      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S. 162-165      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S. 165-169      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S. 169-174      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S. 174-178      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.203-221      [ZURÜCK]

vgl. MEVES C.: Die Bibel antwortet uns in Bildern, Tiefenpsychologische Textdeutungen im Hinblick auf Lebensfragen heute. Herderbücherei Freiburg im Breisgau 1974, 4.Aufl., S. 19-21      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: psa, S.221-235 Die fünf paläoanthropologischen Urängste nach R.BILZ: Paläoanthropologie, I.      [ZURÜCK]

E.D.: psa, S.237      [ZURÜCK]

vgl. E.D.: exeget., S.55     [ZURÜCK]

vgl. C.WE: Gen, S.324 und G.V.RAD, S.70      [ZURÜCK]

vgl. meine Ausführungen zur Deutung C.G.JUNGS.      [ZURÜCK]

vgl. RGG VI, S.499      [ZURÜCK]

vgl. G.V.RAD, S.74      [ZURÜCK]

vgl. GALLING K.: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, VI. Band SH-Z, Tübingen 1962, (im Folgenden als RGG VI), S.503      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.490      [ZURÜCK]

vgl. a.a.O., S.491      [ZURÜCK]

E.H.: Der Mensch ..., S. 166      [ZURÜCK]

vgl. Mitschriften Dogmatik-Vorlesungen 1994-96     [ZURÜCK]

 

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